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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 10)

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großen Schatz, der so nach Stückzahl und Kunstwerth zu hervorragender Bedeutung

gelangte. Von all' den Kostbarkeiten aber, mit welchen der kunstliebende Herzog

die St. Michaelskirche so überreich begabt, besitzt diese heute nur mehr ein einziges

 Reliquiar (Taf. I der vorliegenden Publication) und ein Crucifix aus Holz. Alles

Uebrige ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. vNit vorhandene, DVCYSCJHIIOIZIG,

2111 Schwedischen Kriegszeiten in Rantzion gebenc, xgestollen wordem, melden die

Revisions-lnventnre aus dem 17. und 18. Jahrhundert an den bezüglichen Stellen. So

sind nun zwar die Originale leider auf immer in Verlust gerathen, aber Abbildungen

derselben sind in sorgfältigen Aufnahmen erhalten, deren Anfertigung Herzog Wilhelm V.

selbst anordnete, in der Absicht, adie kostbaren Schätze mit der ihnen gebührenden

Sorgfalt bewahren und Zerbrochenes oder Verlorenes wiederherstellen oder wiedererwerbem

 zu können. Die Abbildungen (über 12a) fertigte Michael Miller aus Allgäu

in den Jahren i6o5-t6o7 und mit einer Auswahl dieser Zeichnungen macht uns die

vorliegende Publication bekannt. Die überwiegende Zahl der dargestellten Gegenstände -

Reliquiarien in Form von Hausaltärchen und Monstranzen, reich verzierte Kästchen aus

Ebenholz, Stickereien, Altarleuchter, Ampeln, Kannen, Tassen, Hostienbüchsen, Weihwassergefäße,

 Lichtscheeren, Schiffchen, Rauchfässer u. s. f. - gehört der zweiten

Hälfte des 16. Jahrhunderts an. Die Aufnahmen sind fast sämmtlich in Originalgröße

gezeichnet und ausgemalt und die vorliegenden, meist auf Zweidrittelgröße reducirten

Wiedergaben derselben für das Kunstgewerbe als Vorbilder von unmittelbarem praktischen

 Werth. Der sorgfältig gearbeitete, reich illustrirte Text von L. Grnelin gibt

nebst der Erklärung der einzelnen Tafeln genaue Nachricht über Alles, was hinsichtlich

der Zeichnungen wie des verlorenen Kirchenschatzes selbst und der Verfertiger der

einzelnen Stücke desselben zu erforschen war. R-r.

i!

Hans Holbein's des Aelteren Feder- und Silberstift-Zeichnungen in den

Kunstsammlungen zu Basel, Bamberg, Dessau, Donaueschingen, Erlangen,

 Frankfurt, Kopenhagen, Leipzig, Sigmaringen, Weimar, Wien.

Mit einer Einleitung von Dr. Eduard His. In Lichtdruck ausgeführt

von W. Biede. Nürnberg, Sigmund Soldan. F01. a Liefg. M. I7.

Fünf Lieferungen mit 76 Tafeln sind bisher von dieser Publication erschienen,

durch welche sich die Verlagshandlung neuerdings um das Studium der deutschen Malerei

verdient macht, In anspruchloser Reproduction, welche prunkender und doch immer

ungenauer, buntfarbiger Nachbildung vorzuziehen ist, werden hier die Zeichnungen eines

Künstlers geboten, dessen wahrer, bisher noch weiteren Kreisen verborgener Werth

durch diese Ausgabe genügend erkannt werden wird. Ein kurzer Text von berufener

Hand gibt die nothwendigen Erlauterungen. Diese schlichten Blätter voll ungesuchter

Poesie und tiefer Treue sollten aber nicht für den Kenner oder Forscher allein bestimmt

sein, sie sollten in Haus und Werkstatt eindringen, in einer Zeit, wo grobe und schale

Nachbildung französischen Geistes und französischer Zierlichkeit sich für deutsche Kunst

ausgibt, zu zeigen was deutsche Kunst ist, und wie sie wieder erweckt werden

ka nn. [1 W,

an

L'art chinois. Par M. Paleologue, secretaire d'atnbassade. (Bibliotheque

de l'enseignement des beaux-arts, publiee sous la direction de M. Jules

Comte.) Paris, Quantin (1888). 8". 320 S. M. 4'5o.

Auf Grund eigener, sn Ort und Stelle gemachter Wahrnehmungen und tief eindringenden

 Studiums der in Paris befindlichen reichen Sammlungen hat Herr Paleologue

das vorliegende, höchst lesenswerthe Buch ausgearbeitet und damit einen werthvollen

Beitrag zur Kenntniss eines Volkes geliefert, dessen künstlerische Leistungen in unseren

Augen fast von Tag zu Tag höhere Bedeutung gewinnen. Der Verfasser hat, wie et es

im Schlussworte auch ausdrücklich hervorhebt, den Versuch gewagt, aus den Kunstwerken

 der Chinesen heraus ihr eigenstes Wesen, den Charakter ihres Schonheitsgefühls,

ihrer Religiosität und ihres Natursinnes zu entwickeln. Auch soll entgegen der allgemein

herrschenden Ansicht von ihrer Abgeschlossenheit der Nachweis geführt werden, dass die

Chinesen sich im Laufe der Zeiten verschiedener Einflüsse aus den übrigen asiatischen

Ländern sowie auch aus Europa nicht erwehren konnten.

Vorerst bespricht der Verfasser die Bronzen, deren Anfertigung in China bis zu

Zeiten zurückzureichen scheint, welche für uns zu den mythischen zahlen. Der Zeitfolge

nach werden die rituellen, streng schablonenbaften Gefäße der ersten Periode, die unter

buddhistischen Einßusse und unter Einwirkung des Taoismus entstandenen, wie die

von arabiachern und persischem Stile beeinflussten Bronze-Arbeiten vorgeführt. Ein
            
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