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großen Schatz, der so nach Stückzahl und Kunstwerth zu hervorragender Bedeutung
gelangte. Von all' den Kostbarkeiten aber, mit welchen der kunstliebende Herzog
die St. Michaelskirche so überreich begabt, besitzt diese heute nur mehr ein einziges
Reliquiar (Taf. I der vorliegenden Publication) und ein Crucifix aus Holz. Alles
Uebrige ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. vNit vorhandene, DVCYSCJHIIOIZIG,
2111 Schwedischen Kriegszeiten in Rantzion gebenc, xgestollen wordem, melden die
Revisions-lnventnre aus dem 17. und 18. Jahrhundert an den bezüglichen Stellen. So
sind nun zwar die Originale leider auf immer in Verlust gerathen, aber Abbildungen
derselben sind in sorgfältigen Aufnahmen erhalten, deren Anfertigung Herzog Wilhelm V.
selbst anordnete, in der Absicht, adie kostbaren Schätze mit der ihnen gebührenden
Sorgfalt bewahren und Zerbrochenes oder Verlorenes wiederherstellen oder wiedererwerbem
zu können. Die Abbildungen (über 12a) fertigte Michael Miller aus Allgäu
in den Jahren i6o5-t6o7 und mit einer Auswahl dieser Zeichnungen macht uns die
vorliegende Publication bekannt. Die überwiegende Zahl der dargestellten Gegenstände -
Reliquiarien in Form von Hausaltärchen und Monstranzen, reich verzierte Kästchen aus
Ebenholz, Stickereien, Altarleuchter, Ampeln, Kannen, Tassen, Hostienbüchsen, Weihwassergefäße,
Lichtscheeren, Schiffchen, Rauchfässer u. s. f. - gehört der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts an. Die Aufnahmen sind fast sämmtlich in Originalgröße
gezeichnet und ausgemalt und die vorliegenden, meist auf Zweidrittelgröße reducirten
Wiedergaben derselben für das Kunstgewerbe als Vorbilder von unmittelbarem praktischen
Werth. Der sorgfältig gearbeitete, reich illustrirte Text von L. Grnelin gibt
nebst der Erklärung der einzelnen Tafeln genaue Nachricht über Alles, was hinsichtlich
der Zeichnungen wie des verlorenen Kirchenschatzes selbst und der Verfertiger der
einzelnen Stücke desselben zu erforschen war. R-r.
i!
Hans Holbein's des Aelteren Feder- und Silberstift-Zeichnungen in den
Kunstsammlungen zu Basel, Bamberg, Dessau, Donaueschingen, Erlangen,
Frankfurt, Kopenhagen, Leipzig, Sigmaringen, Weimar, Wien.
Mit einer Einleitung von Dr. Eduard His. In Lichtdruck ausgeführt
von W. Biede. Nürnberg, Sigmund Soldan. F01. a Liefg. M. I7.
Fünf Lieferungen mit 76 Tafeln sind bisher von dieser Publication erschienen,
durch welche sich die Verlagshandlung neuerdings um das Studium der deutschen Malerei
verdient macht, In anspruchloser Reproduction, welche prunkender und doch immer
ungenauer, buntfarbiger Nachbildung vorzuziehen ist, werden hier die Zeichnungen eines
Künstlers geboten, dessen wahrer, bisher noch weiteren Kreisen verborgener Werth
durch diese Ausgabe genügend erkannt werden wird. Ein kurzer Text von berufener
Hand gibt die nothwendigen Erlauterungen. Diese schlichten Blätter voll ungesuchter
Poesie und tiefer Treue sollten aber nicht für den Kenner oder Forscher allein bestimmt
sein, sie sollten in Haus und Werkstatt eindringen, in einer Zeit, wo grobe und schale
Nachbildung französischen Geistes und französischer Zierlichkeit sich für deutsche Kunst
ausgibt, zu zeigen was deutsche Kunst ist, und wie sie wieder erweckt werden
ka nn. [1 W,
an
L'art chinois. Par M. Paleologue, secretaire d'atnbassade. (Bibliotheque
de l'enseignement des beaux-arts, publiee sous la direction de M. Jules
Comte.) Paris, Quantin (1888). 8". 320 S. M. 4'5o.
Auf Grund eigener, sn Ort und Stelle gemachter Wahrnehmungen und tief eindringenden
Studiums der in Paris befindlichen reichen Sammlungen hat Herr Paleologue
das vorliegende, höchst lesenswerthe Buch ausgearbeitet und damit einen werthvollen
Beitrag zur Kenntniss eines Volkes geliefert, dessen künstlerische Leistungen in unseren
Augen fast von Tag zu Tag höhere Bedeutung gewinnen. Der Verfasser hat, wie et es
im Schlussworte auch ausdrücklich hervorhebt, den Versuch gewagt, aus den Kunstwerken
der Chinesen heraus ihr eigenstes Wesen, den Charakter ihres Schonheitsgefühls,
ihrer Religiosität und ihres Natursinnes zu entwickeln. Auch soll entgegen der allgemein
herrschenden Ansicht von ihrer Abgeschlossenheit der Nachweis geführt werden, dass die
Chinesen sich im Laufe der Zeiten verschiedener Einflüsse aus den übrigen asiatischen
Ländern sowie auch aus Europa nicht erwehren konnten.
Vorerst bespricht der Verfasser die Bronzen, deren Anfertigung in China bis zu
Zeiten zurückzureichen scheint, welche für uns zu den mythischen zahlen. Der Zeitfolge
nach werden die rituellen, streng schablonenbaften Gefäße der ersten Periode, die unter
buddhistischen Einßusse und unter Einwirkung des Taoismus entstandenen, wie die
von arabiachern und persischem Stile beeinflussten Bronze-Arbeiten vorgeführt. Ein