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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 186)

BEILAGE

zu

Nr. x86 der_„Mittheilun_gen des k.k.Oesterr.Muvseums".

Den Gegenstand des Vortrages von,Professor Teclu am 23. December bildeten die

Beziehungen der Chemie zur bildenden Kunst, insbesondere zur Malerei. Der Vortragende

zahlte zuerst die havuptsachlichsten Stolfe auf, welche aus den drei Naturreichen bei der

KunstübungVerwendung finden und erläuterte die Bedeutung der physikalischen und der

chemischen Veränderungen, welche diese Stoffe erleiden können. Das technische Materiale

des Künstlers, speciell der Malerei, ist zumeist aus chemischen Stotfveranderungen entstanden

 und ist solchen sowohl während als nach seiner Anwendung aus esetzt. Die angewandten

 Stoffe, mit denen und die Stoffe, auf welche gemalt wird, die el- und Kreidegrundirung

 der Leinwand, der Malgrund auf der Mauer, die Siccative de Courtrais und

de Harlem, die Malbutter oder Robetson's Medium, die Fimisse über die fertigen Gemälde,

 die Bindemittel beimßquarell, Fresco, bei der Stereochromie, ferner bei der Glas-,

Porzellan- und Emailmalerei wurden in Kürze ihrem Wesen nach gekennzeichnet. Das

Bindemittel bei der Oelmalerei sind sehr hoch zusammengesetzte Glyceride, welche eintrocknend

 die Farbstoffe fast ganz in eine elastisch durchsichtige Masse einhüllen. Dieselbe

 ist aber noch lange unter dem Eindusse des Sauerstoffs der Luft chemischen Processen

 aus esetzt, welche dann eben das Reißen, Nachdunlteln und Einschlagen der Farbe

zur Folge aben können. All' diesen unangenehmen Eventualitäten soll das von Prof. Teclu

erfundene Linolein möglichst begegnen, dessen Vorzugeben darin besteht, dass das Oel

schon vor seiner Verwendung zum Malen all' jene vorangedeuteten chemischen Processe

bereits durchgemacht hatfDie unangenehmen Folgeerscheinungen bei den modernen Bildern

 gegenüber den alten erklären sich vielfach aus dem Umstande, dass die Industrie

bei der Farbenlicferung sich vielfacher Fälschungen schuldig macht," denen durch lachmannische

 Controle und Unterweisung zu steuern wäre. Einige gelungene Experimente

erläuterten den vom Publicum sehr beifallig aufgenommenen Vortrag.

, .

Am 30. December hielt der gelehrte Orientalist Professor W. Neumann einen

Vortrag über die Moschee. ,Da wir diesen, sowie den vorausgegangenen Vortrag in unserem

Organ vollinhaltlich veroientlichen werden, so dürfen wir uns 'hie'r in uriserem Referate

kürzer fassen. Um das Verständnis der Moschee als gottesdienstlichen Gebäudes der

Moslemin zu ermöglichen, schickte Prof. Neumann eine Würdigung der dogmatischen

Seite des Mohamedanismus voraus, der ursprünglich aus dem Judenthume und, Christenthume

 den vermeinten alten Glauben des arabischen Stammvaters Abraham reinigend

herauslösen wollte, in Verbindung mit einzelnen Concessionen an das Heidenthum und

den Parsismus. Da der neue Glaube an Stelle jedweden Opfers das Gebet setzte und

darum die Priester entbehrlich machte, so war auch schon in der Moschee kein Altar und

kein Presbyterium norhwendig. Es folgte hierauf die Erklärung der Namen Moschee,

Hat-am, Beth-Allah, Dschämi, der Hinweis auf die großartige Centralisirung der ganzen

mohamedanischen. Welt durch dies-Richtung der Gebetsnische gegen Mekka, und der Nachweis

 des Zusammenhanges der Moschee, nicht mit der altchristlichen Basilika und nicht

mit dem indischen Tempel, sondern mit der Synagoge des talmudischen Judenthums, bei

dem auch Gotteshaus und Schule nahe verwandt und oft unter einem Dache sind; auch

mit dem einfachen arabischen Hause hat die Moschee verwandte Momente. Hierauf besprach

 der Vortragende den Grundplan der Moschee, die Entwicklung von deren Ausselvmückung,

 die Entstehung der Arabeske und die innere Einrichtung der Moschee und

ging nun zur Schilderung der wichtigsten Denkmäler in den verschiedenen Thcilen der

mohamedanischen Welt aber. Interessant war besonders die Ausführung, dass die Kuppelbauten

 ursprünglich gar keine Moscheen, sondern Denkmalsraurne über besonders heiligen

Punkten, wie heiligen Felsen, Gräbern von Heiligen oder bedeutenden Persönlichkeiten,

und erst durch die kunstsinnigc Sklavendynastie der Mameluken consequent ausgebildet

wurden. Die persischen Bauten mit Fayencedecoration und vielleicht mongolischen Ein-Gnssen

 wirkten dann weiter nach Indien, wo die Bauten des Schah-Dschehan um die

Mitte des 17. Jahrhunderts zum schönsten gehören, was die Baukunst überhaupt je hervorgebracht

 hat. Nach einer Hindeutung auf die Moscheen der Balkanhalbinsd schloss

Professor Neumann mit der Besprechung von Moschee und Schule seinen das zahlreiche

Publlcum außerordentlich fesselnden Vortrag, der auch durch die Ausstellung von Zeich-IWUBC"

 d" Architekten Schmoranz und Machytka und von Photographien in (reiflicher

Weise illustrit-t wurde,

Vßlll. Bd. 188i.

uv
            
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