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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 186)

meist schon aus dem Mittelalter herrührende Production in technischer 
N11 künstlerischer Beziehung nur langsam in die neuen Bahnen einlenkte. 
Einige Beispiele von Gefäßen und Geräthen, Bodenplatten und Dach- 
verzierungen in Steingut, Terracotta und glasirtem Thon finden wir in 
den Publicationen yon Jäemmin und Ris-Paquot. Aus Rouen haben wir 
glasirte Thongefäße u), zwei Krüge und einen Topf von phantastischer 
Form, dern Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts angehörig, 
welche in der Art ihrer Decoration noch ganz in die frühere Epoche 
fallen. Ans Beauvais stammen zwei Krüge und eine Flasche aus Stein- 
gut") aus der Zeitllranz l., deren spärliche Relief-Ornamente bereits den 
Charakter-der Renaissance an sich tragen. Aus Alvignon eine glasirte 
Thonschüsseli) austdern Anfange des 17. Jahrhunderts, auf das reichste 
mit Renaissance-Ornamenten in Relief verziert, und aus der Normandie 
ein Krug aus Verschiedenfarbig glasirtem Thon '). 
' Wie ausgebreitet die Fabrication von Wand- und Bodenverkleidungs- 
platten in Frankreich war, zeigt uns das reich illustrirte Werk von Ameä), 
aus welchem wir auch ersehen, dass diese Industrie in das frühe Mittel- 
alter zurückreicl-It. Es würde zu weit führen, wollten wir uns auf dieses 
Werk näher einlassen, es genügt der einfache Hinweis. Dagegen sind 
einige dem 16. Jahrh. angehörige Fliesen eines Bodens aus dem Hause 
Ango's zu Dleppeß zuierwlhnen, iin deren gmne Platte Ornamente aus 
einer rnit Cobalt gefärbten Masse niellenartig eingepresst sind, und welche 
nicht nur wiulrch ihre Schönheit, sondern auch durch ihre ganz eigen- 
thtimliche Technik, die mit jener der berühmten Oiron-Fayencen im 
engsterrlusammenhange steht, unser Interesse in Anspruch nehmen. Von 
den huiihmten Bodenplatten endlich, des 1540 von Bullant erbauten 
Schlosses zu Ecouen haben wlr bei Ris-Paquot") einige Beispiele. Diese 
Fliesen rühren {von Masseot -Abaquesne her, der in Rouen arbeitete, und 
erinnern iin Zeichnung und Farbe lebhaft an die italienische Art, ohne 
dabei-den französischen Charakter ganz zu verleugnen. 
Andere in Frankreich und besonders in der Normandie sehr ver- 
breitete Erzeugnisse der Thoniudustrie sind die ebenfalls schon im Mittel- 
alter gebräuchlich gewesenen Giebelspitzen als Dachverzierung. Reprä- 
sentanten dieser Gattung von ganz außergewöhnlichem Reichthum in 
Form und Farbe finden wir bei Demmin a), Ris-Paquot 9) und Delange w). 
') Den-imin Hist. de in Cäremique ll. Pl. 195 Fig. 2 und 3; PI. x96. 
') Dernmin a. a. O. P1. log Fig. 3, 4, 5. 
') Ebenda Pl. 79. 
')'Ebeud1 Pi. rr7. 
5) Qualle Amä, bes Carrelages ernnilles du rnoyen äge erde la Renaissance. Paris, 1859. 
') Demmin o. a. O. Pl. 66. 
7) Hist. genernle de la Fayeuce P1. 30 und 31. 
') n. u. O. PlIiß. 
"') a. a. O. PI. 7x. 
. wymumgnßln de faeuvre de B. Pniixsy, Paris 1862. H. 99 und "w,
	        

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