MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

schule. Die Webeschüler könnten den Unterricht an der Gewerbeschule besuchen, die 
chemisch-technische Abtheilung an der letzteren wurde ihnen Gelegenheit bieten, sich in 
Färberei und Appretur das nothige Wissen anzueignen, und falls dem Wunsche der Stadt, 
welche in diesem hohen Hause zu vertreten ich die Ehre habe, Rechnung getragen und 
an der Bielitzer Staatsgewerbeschule eine commerzielle Abtheilung errichtet werden sollte, 
war: auch nach dieser Richtung den lebhaft empfundenen Bedürfnissen der gewerbc- 
treibenden Bevölkerung abgeholfen. 
Ich bin von Seite der Gewerbetreibenden in Bielitz, speciell von der General- 
versammlung des Bielitz-Bialaer Gewerbevereines dringend ersucht worden, das hohe 
Haus zu bitten, sich für die Vereinigung der Bielitzer Webeschule mit der dortigen 
Staatsgewerbeschule, sowie für die Uebertragung der Agenden sammtlicher gewerblicher 
Erziehungsanstalten in das Ressort des Unterrichtsministeriums auszusprechen, und ich 
komme sowohl dem Wunsche meiner Wähler, als dem Wunsche der Mojorität unserer 
Gewerbetreibenden überhaupt nach, wenn ich das hohe Haus bitte, dem Antrage seine 
Unterstützung nicht zu versagen, welchen ich hiermit einzubringen mir erlaube, und 
welcher lautet (liest): 
vDie hohe Regierung wird aufgefordert, dem gewerblichen 
Unterrichte eine nach jeder Richtung intensivere Obsorge zu 
widmen, die Webeschule in Bielitz mit der dortigen Staatsgewerbe- 
schule unter der Leitung des Unterrichtsrninisteriums zu ver- 
einigen und die einheitliche Leitung sämmtlicher-gewerblichen 
Unterrichtsanstalten ehestens zu bewirkennr 
Dass ich unter dieser einheitlichen Leitung kein anderes Ministerium als das Unter- 
richtsmtnisterium verstehe, ist nach dem bisher Gesagten selbstverständlich. 
Hierauf ergreift Abgeordneter Dr. Weitlof das Wort: Hochgeehrte Herren! 
Gestatten Sie es mir, bei einem Gegenstande hier in diesem hohen Hause zum ersten 
Male das Wort zu ergreifen, dem ich nahezu zehn Jahre ernster Arbeit gewidmet habe. 
Sie werden daraus entnehmen, dass ich diesem Gegenstande mit Liebe entgegengetreten 
bin, und Sie werden es auch begreiflich finden, dass, wenn man einer Sache schon so 
viel Arbeit gewidmet hat, dieselbe durch diese Arbeit Einem nur um so werther und 
lieber geworden ist. Und in der That scheint es mir auch, dass auf diesem Gebiete, auf 
dem Gebiete des gewerblichen Unterrichtes nicht blos eine bedeutungsvolle Frage für 
Gewerbe. Industrie und Handel im höheren Sinne vorliegt, sondern dass da insbesondere 
der Punkt liegt, wo der Hebel anzusetzen ist, um die Zustande des Kleingewerbes zu 
bessern. Nicht durch Redensarten, sondern dadurch, dass man bei dem auf individuelle 
Güte und verbesserte Arbeit angewiesenen Kleingewerbe dessen Angehörige in die Lage 
versetzt, eine tüchtige, den individuellen Bedürfnissen angepasste, einem veredelten Ge- 
schmaclte entsprechende Arbeit zu liefern; nur dadurch wird man thatsachlich die so 
nothwendige Besserung in jene Kreise tragen. 
Wenn ich nun ubergehe auf die Zustände, wie sie sich auf diesem Gebiete ent- 
wickelt haben, und wie sie der Herr Vorredner in ausführlicher Weise erörtert 'hut, so 
gestatten Sie mir zunächst die Methoden, nach welchen die zwei schon von dem Herrn 
Vorredner genannten Ministerien vorgegangen sind, sowie die Frage, welche Methoden 
in den verschiedenen Zeitpunkten angewendet wurden, noch näher zu besprechen und zu 
erläutern. 
Die ganze Thatigkeit auf dem gewerblichen Unterrichtsgebiete in Oesterreich rührt 
seit einer Periode von beilaufig zehn Jahren her. Damals, meine Herren, schien es Vielen 
angezeigt - und ich glaube wir sind denen Dank schuldig, die diesen Weg betreten haben 
- dass man in weiteste Kreise das Interesse, das Verstandniss für die Nothwendigkeit 
eines gewerblichen Unterrichtes bringen müsse. Da war es nicht Zeit überall zu fragen: 
Sind hier wirklich alle Vorbedingungen, die geeigneten Lehrkräfte, die Lehrmittel vor- 
handen? Nein, es hat sich darum gehandelt, frisch und rasch in das Leben hineinzugreifen 
und da, wo irgendwie ein lnteresse für eine solche Schule besteht. dieselbe zu errichten 
und damit der Bevollterung zu zeigen: Das ist der richtige Weg, um eine Besserung in 
diese Verhältnisse zu bringen. Ich mochte sagen. es ist das die Methode des momentanen 
Erfolges, die man ergreifen musste, so lange dieses ganze Unterrichtsgebiet noch nicht 
entwickelt war - jetzt aber, wo es sich darum handelt, diesen Unterricht in ein System 
zu bringen, einen dauernden Erfolg herbeizuführen, ist es nothwendig, dass man syste- 
matisch vorgeht, und ich werde mir erlauben darzustellen und auszuführen, wie man 
bei dieser Systematik wirklich nur dazu gelangen kann, diesen Unter- 
richt in der Hand des Unterrichtsministeriums zu vereinigen....... 
o
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.