Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 189)

363

Wenn Sie sich heute die Bedürfnisse des gewerblichen Unterrichtes und die Vers

haltnisse ansehen und systematisch von unten aus aufbauen, kommen Sie, wie bereits der

Herr Vorredner getban hat, zunächst schon zur Verbindung mit der Volksschule. Schon

in der Volksschule muss mit dem systematischen Zeichnen begonnen werden, nicht mit

Künsteleien, nicht mit Dilettantismus, nicht mit Liebhabereien, sondern mit jenem systematischen

 Zeichnen, welches die Grundlage für jedes weitere, entsprechende gewerbliche

Zeichnen bildet. -

Aber noch in einer anderen Beziehung besteht eine Verbindung. Es ist selbstverständlich,

 dass die untersten Classen der gewerblichen Fortbildungaschulen sich stets an

die Volksschule anlehnen müssen. . .. . .

Gehen wir nun einen Schritt weiter, so kommen wir auf das Verhlltniss zu den

Mittelschulen. Wir haben es hier mit einem großen Vorurtheile der Bevölkerung zu thun

und Diejenigen, die es mit der Suche ernst meinen, sollten alle mit einander daran arbeiten,

 jene Voreingenommenheit der Bevölkerung für die fortwährende Errichtung von

Gymnasien und Realschulen zu beseitigen. ln all" den Petitionen, die hier in dieses hohe

Haus, sowie an die Landtage kommen, horen wir nicht, dass man die so dringend nothwendige

 Vermehrung zweckmäßiger Gewerbe-i und Handelsschulen wünscht; wir horen

immer nur die Nothwendigkeit der Erweiterung und Errichtung von Gymnasien und

Realschulen begründen . . . .

lch möchte in der Richtung nur bemerken, dass es nach meiner Ansicht anders

stünde, wenn bei uns das Bedürfniss nach einer größeren Bildung vorhanden wäre, wo

Jeder, der seinen Sohn dem Gewerbe- oder Handelsstande zuwendet, wünschte, dass er

die vollständige Mittelschule absolvire.

Aber die Gewerbeschule steht mit der Mittelschule auch in der Verbindung, dass

die Lehrkräfte der Mittelschule sehr haulig, namentlich für die Abendschulen, für die

höheren Kategorien von Gewerbeschulen verwendet werden können und dadurch selbständige

 Lehrkräfte erspart werden. Nicht minder ist ia für die entwickelteren Schüler

auch der Uebertritt und das Aufsteigen und der Besuch von höheren Lehranstalten, -

mögen sie nun einer technischen oder einer artistischen Richtung angehören - welche

in der Verwaltung des Unterrichtsministeriums stehen, nur ein Schritt, der nothwendig

gemacht werden muss.

Sehe ich aber ganz von diesen verschiedenen Anstalten ab und halte ich mir nur

die Gewerbeschulen als solche selbst vor Augen, so komme ich auch dahin, dass diese

Anstalten in einer nothwendi en Gliederung mit einander verbunden sein müssen. Wenn

die gewerblichen Schulen er olgreich wirken sollen und es nicht bloß heißen soll: es

sind in der und der kurzen Zeit so und so viele Schulen errichtet worden, sondern, wenn

hier wirklich etwas Nützliches und ZweckmaLiges geleistet werden soll, dann muss in

einer (Zentralstelle dafür vorgesorgt sein, dass k nehmen Sie nun die technische oder die

artistische Richtung - wenn in fachlicher Beziehung Bedeutendes geleistet werden soll,

Sammlungen der besten Materialien der ganzen Welt vorhanden seien, dass an diesen

Sammlungen entsprechende Lehrkräfte herangezogen werden, dass von dieser Centralstelle

 wissenschaftlich und fachlich durchgebildete Lehrkräfte an die unterstehenden Ansmlten

 venheilt werden, um dieselben mit ihren befruchtenden ldeen nutzbringend zu

gestalten. So aber, meine Herren, wie die Gliederung auf der Gewerbeschule von oben

hinuntergeht, ao muss auch die Gliederung von unten hinaufgehen. Der Bursche, der in

die unterste G-ewerbeschule eintritt und, wie es häufig vorkommt, ein ganz besonderes

Talent, sei es für ein Zeichnen-, sei es für ein anderes anschauliches Fach, sei es für

ein Constructionsfach, zeigt, der muss in die Lage gebracht werden, dass er ohne allzu

große Opfer, ohne allzu große Schwierigkeiten in eine höhere Anstalt aufsteigen kann,

daher muss auch die höhere Anstalt nicht bloß dem einzelnen Orte, in welchem sie

errichtet wird, zugute kommen, es muss dieselbe, wie insbesondere auch die höchste

Anstalt, welche sich am Sitze der besten Sammlung befindet. den Schülern einer jeden

Schule, auch der untersten, zugänglich sein, insoferne der Schüler das Talent und das

Geschick hat, eine solche Schule mit entsprechendem Erfolge besuchen zu können. - -

Nach Besprechung der speciellen Verhältnisse in Niederösterreich führt der

Redner fort: , V

Wenn ich nun dafür bin, dass die ganzen Anstalten in eine Hand vereinigt werden

und wenn die Herren aus meinen und meines Herrn Vorredners Ausführungen entnommen

haben werden, dass die logische Nothwendigkeit dahin führt, dass man diese Anstalten

nirgends anders als im Unterrichtsministerium unterbringen könne, so werden Sie es begreitlich

 tinden, dass ich diesem Antrage zustimme.

lch glaube aber nicht, dass es gut wäre, wenn auch das Unterrichtsministcrium in

dieser Beziehung ganz ohne Beirath ware, oder wenn das Unterrichtsministerium etwa

den Vorgang einhalten wollte, dass bei dieser Gattung von Schulen der instanzenrnlßige

Zug eingehalten werde: Ministerium, Landesschulrath, Bezirksschulrath und Ortsschulrath;

einen solchen bureaukratischen Apparat vertragen die Gewerbeschulen nicht.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.