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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 195)

talische Weise getreten, und zwar durchaus unter dem Vorgange der Firma

Philipp Haas u. Söhne, welche darin als die erste betrachtet werden muss.

Sie adoptirte gleicher Weise die Technik wie die künstlerische Art des

Orients. Und ähnlich ist es mit den Möbelstoden, Vorhängen, Portieren

bis zu den Tapeten und zur gewebten Wandbekleidung gegangen. An die

Stelle der grauen, stumpfen und verwaschenen Farblosigkeit ist ein lebhafterer,

 aber auch edlerer Farbengeschmack getreten; an die Stelle der

unruhigen und wilden, das Auge verwirrenden Pflanzen-Decoration stilvolle,

 ruhige, wohl abgemessene und wohlvertheilte Muster, mit welchen

sich gleicher Weise in echt künstlerischer Art edle Pracht wie stille

Bescheidenheit und vornehme Ruhe erreichen lässt. Der Umschwung auf

diesem Gebiete ist nun wohl nicht von Eduard v. Haas erst begonnen

worden, aber sein entschiedenes Eintreten in die Bewegung hat ihrem

Erfolge den größten Vorschub geleistet.

Alles das nun trat auf unserer Weltausstellung Jedem, der diese

Dinge aufmerksam verfolgte, klar vor die Augen, während die Größe

und der Umfang der ausgestellten Gegenstände alle Welt in Erstaunen

setzte. Wie gesagt, ist diese Entfaltung einer einzelnen Fabrik niemals

überboten worden, auch von ihr selber nicht. Sie war auch nur auf

heimischem Boden möglich. Nichtsdestoweniger brachte jede neue Aus-Stellung,

 an welcher die Firma Philipp Haas und Söhne Theil nahm,

stets neue, durch Schönheit und Originalität gleich ausgezeichnete Gegenstände,

 welche zugleich neue Wege andeuteten. So die Pariser Ausstellung

 von 1878 mit den goldverzierten Geweben in Seidensammt, so die

Ausstellung des niederösterreichischen Gewerbevereines im vorigen Jahre

mit dem reizenden Pavillon und seinen Panneaux in applicirter Stickerei

nach japanischer Art.

Und dieser stete Fortschritt, dieses stete Bestreben, nicht blos den

Ruhm der Firma aufrechtzuerhalten, sondern durch neue Schöpfungen

zu vergrößern, dieses Bestreben verdient um so mehr die höchste Anerkennung

 und Bewunderung, als die geistige und körperliche Kraft ihres

Chefs bereits gebrochen war und er fern von der Stätte seiner rastlosen

Wirksamkeit weilte. Zur selben Zeit, da die Firma mit der Wiener Weltausstellung

 ihre größten Triumphe feierte, war über das ganze industrielle

 Leben die große Krise hereingebrochen. Mit fester Hand hatte

Eduard von Haas, ein erfahrener Steuermann, das Schilf durch Sturm

und Brandung gelenkt und in den sicheren Hafen geführt. Das Schiff

war geborgen, aber dem Lenker versagte noch ferner die Kraft. Erschöpft

von nie rastender, übergroßer Anstrengung, brach der Körper zusammen.

Er suchte Heilung in der milden Luft des Südens, in der Entfernung von

Arbeit und Geschäft. Aber er fand nicht Herstellung, nur Milderung und

auch diese nur für eine kurze Frist weniger Jahre. Am 13. November

des vorigen Jahres ist er aus dem Leben geschieden.
            
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