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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 195)

Zeiten zum Studium und zur Nacheiferung dar und erläuterte ihren Werth

und ihre Anwendung. ihren Nutzen für die Gegenwart. Allein das Museum

hatte gut predigen. Wir sahen wohl, dass unsere Ideen im Publicum auf

fruchtbaren Boden fielen und Wurzel fassten, das Gewerbe aber verhielt

sich spröde, zweifelnd, ablehnend. Es wollte praktische Erfolge sehen,

welche wir unsererseits ihm um so weniger vorführen konnten, als unsere

Kunstgewerbeschule damals noch nicht gegründet war.

Die praktischen Erfolge konnten nur von der Industrie selber kommen

und gezeigt werden. Es mussten sich eben Männer finden, welche mit Verständniss

 und Kühnheit vorangingen und durch ihr Beispiel den Beweis

lieferten, dass mit den neuen Mustern, dem neuen und besseren Kunstgeschmacke

 auch etwas zu machen sei, dass mit ihnen Ruhm, Ehre und

auch materielle Erfolge zu gewinnen seien. Und diese Männer fanden sich,

wenige zwar, sehr wenige, ja nur einzelne, aber sie fanden sich, und ihr

Beispiel genügte.

Und unter diesen wenigen Männern nun nenne ich ganz vorragend

in erster Linie Eduard v. Haas. Das Haus Philipp Haas 8a Söhne war

schon zu jener Zeit ein Welthaus, das seine Fabricate auf den verschiedensten

 Gebieten kunstvoller Gewebe zu allen Ländern der Cultur sendete

und an vielen Hauptorten seine ständigen Filialen und Niederlagen hielt.

Wenn dieses Haus sich der neuen Bewegung anschloss, so musste diese

schon dadurch einen mächtigen Vorschub, erhalten. Es besaß aber zugleich

in Eduard v. Haas einen Chef von glänzenden Gaben, der mit Liebe und

Eifer für seinen Beruf eine unermüdliche Thatkraft, einen weiten und klaren

Blick, raschen Entschluss und ein umfassendes und durchdringendes Verständniss

 der Sachlage verband. Es war eine Freude, zu sehen und zu beobachten,

 wie verständnissvoll er auf das Gute und bis dahin Fremde einging,

 wie rasch und sicher er in seinem Beschlusse das Richtige traf, wie

er über den weiten, die Welt umspannenden commerciellen Gesichtspunkten

auch das Kleine nicht außer Acht ließ, nicht den Ton der Farbe, nicht die

Zeichnung des Musters.

Er wusste nicht, ob das Neue Anklang finden würde, aber er vertraute

 darauf so gut wie wir und er machte sich frisch an's Werk. Schon

drei Jahre nach Gründung des Museums, auf der Pariser Ausstellung von

1867 war der erste Erfolg gewonnen. Ein paar mächtige Teppiche in orientalischer

 Art, davon die Motive dem Museum entnommen waren, stellten

die gleichen Arbeiten der englischen und französischen Fabrikanten völlig

in Schatten. Sie waren das Beste, was die Welt nach Paris auf diesem

Gebiete gesendet hatte, und auf diesem Gebiete war so der erste praktische

Erfolg der neuen Bestrebungen errungen.

Nun war kein Stillstand mehr. Schon war auch das Glas selbständig

der Teppichweberei zur Seite getreten; es folgte die Seidenmanufactur, die

Möbelfabrication, die Bronzen, die Goldschmiedarbeiten u. s. w. Der Vorgang

 von Eduard v. Haas hatte die Entscheidung herbeigeführt, und bald
            
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