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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 196)


Jahren der Fall, und noch .die deutsche Kunstindustrie-Ausstellung zu

München im Jahre 1876, welche den Beginn einer neuen Zeit bezeichnet,

steht mit" dieser Behauptung nicht im Widerspruch.

Seitdem nun, also gerade in den letzten Jahren, ist es wesentlich

anders geworden,Dieverschiedenen und tnannigfachen Bestrebungen zur

Hebung der Kuhstindlistrie in den deutschen Residenz- und Handelsstädten,

 die nicht erst von heute oder von 1876 her datiren und früher

wie auf eine ltodte, unempfindliche, unbildsame Masse zu stoßen schienen,

haben nunmehr Boden gefunden, Wurzel geschlagen und Leben erweckt.

Damit soll nun freilich nicht gesagt sein, als 0b Deutschland den Abstand

bereits überwunden und eingeholt hätte; wir werden noch sehen, dass es

Eigenschaften gibt, die ihm unerreichbar scheinen. Wir constatiren aber

das eingetretene Leben und theilweise selbst überraschenden Fortschritt.

Zum Beweise dessen dient uns die diesjährige Landesausstellung des

Königreichs Württemberg zu Stuttgart. Eine kleine Ausstellungnnd doch

lehrreich; die Producte eines kleinen Landes, aber ein Beispiel für das,

was heute ziemlich allgemein in Deutschland geschieht!

Das Comite hatte insofern verständig gehandelt, als es sich nicht

nach weitem Plane umgesehen und nicht um imponirende Bauten sich

bemüht gezeigt hatte. Das Ausstellungsgebäude lag versteckt und unscheinbar

 hinter Bäumen, dafür aber im schönen Garten und wie mitten

in der Stadt. Man konnte es nicht besser und bequemer haben.

Für den Berichterstatter gab es zwei Abtheilungen von Interesse, die

der alten und die der modernen Kunstarbeit. Man hatte wie anderswo,

so auch hier, der modernen Kunstindustrie diejenige der Vergangenheit

zur Seite gestellt, in Alterthümern aus dem Besitze des Landes. Die Auswahl

 war nicht groß, aber sie war gut und interessant gemacht und mit

einem guten, instructiven Katalog versehen, der stellenweise, so bei den

Gegenständen aus den Hohenzollern-Sammlungen, fast mehr leistete als

nöthig gewesen wäre. l

Doch ist es nicht diese Abtheilung, von welcher wir berichten wollen,

sondern von derjenigen der modernen Kunstindustrie, die uns, wie wir

wohl annehmen können, ein vollständiges Bild dessen gewährte, was das

Land Würtemberg in diesem Augenblicke leistet und zu leisten im

Stande ist.

Wir haben den Zustand der Würtemberger Kunstindustrie von der

Münchener Ausstellung im Jahre 1876 her in guter Erinnerung. Wenn

wir damit vergleichen, was wir in diesem Jahre gesehen haben, so ist

der Fortschritt unleugbar ein bedeutender, nicht allgemein zwar, aber

doch gerade in denjenigen Zweigen, welche man als die ersten auf dieser

Ausstellung anerkennen musste, in der Möbelfabrication und in der Goldschmiedekunst.



Wie das mehr und mehr allgemeine Sitte wird, hatten auch die

Würtemberger Fabrikanten im Verein mit den Decorateuren ganze Zimmer
            
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