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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 196)

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INDQ

Andere Zweige der würtembergischen Industrie scheinen dagegen

von der Kunst und den Künstlern noch ganz verlassen zu sein. Dies

gilt vor Allem von den Glasgegenständen. Drei bis vier Aussteller, alte

Fabriken, wie die Gebrüder Böhringer in Buhlbach, Tritschler in

Stuttgart, Ludwigsburg, Tübingen und Reutlingen, vertraten das Fach

in ziemlich ausgedehnter Weise, so dass wohl ein Schluss auf dasjenige,

was das Land wirklich leistet, nicht fehl geht. Wir waren, aufrichtig

gesagt, erstaunt, die Glasfabrication künstlerisch auf einer so niedrigen

Stufe zu erblicken. Unter den zahlreichen Trinkgefäßen jeder Art und

jeden Kalibers, wofür doch heute bereits so reizende Formen geschaffen

werden und auf jeder Weltausstellung zahlreich zu sehen sind, war auch

nicht eine einzige schöne oder gefällige Form: alles plump und schwer,

ohne Gefühl für Contour, Verhältnisse und Gliederung. In dieser Beziehung

 ist die böhmisch-österreichische Glasindustrie der würtembergischeit

wenigstens weit vorausgeeilt. Indern sie den höchsten Werth auf die

Schönheit und Reinheit der Formen, sowie auf ein feines, zierliches, eingeschliffenes

 Ornament legt, hat sie nicht blos -'- und zwar für ein ganz

modernes Gefühl - den richtigen Weg gefunden, sondern auf diesem

Wege auch einen guten Vorsprung gewonnen. Wir möchten ihr nur_

rathen, diesen Umstand nicht zu vergessen, das Mittel, welchem sie diese

jüngsten Erfolge verdankt, nämlich die Schönheit in Form und Ornament,

niemals aus den Augen zu setzen, sondern sich auf dem gleichen Wege

fortschreitend fort und fort zu vervollkommnen.

Nicht einmal die grünen Gläser, worauf in Deutschland bei der Vorliebe

 für altdeutsche Art und Kunst so viel Werth gelegt wird, waren gelungen.

 Diejenigen z. B., welche gegenwärtig von der Gesellschaft zu

Ehrenfeld bei Köln gemacht werden, sind viel gelungener. Und noch

schlimmer steht es mit den mehrfarbigen, überfangenen und ausgeschliffenen

 oder gefärbten Glasgefäßen, die den Standpunkt dieses böhmischen

Fabricats, wie es vor zwanzig Jahren war und heute vielleicht in den

österreichischen Hinterwäldern für den ordinärsten Geschmack geschaffen

wird, nicht überschritten haben.

Nur einige sehr zierliche Glasgefäße nach Venetianer Art von Keller-Leutzinger

 ließen sich mit Vergnügen ansehen. Aber das sind -

ebenso wie die von ihm ausgestellten gemalten Teller - nicht Erzeugnisse

 der Industrie, sondern ganz vereinzelte individuelle Arbeiten eines

feinfühlenden Künstlers, der allerdings der Industrie von großem Nutzen

sein könnte, wenn er an einem Hauptsitze des großen kunstindustriellen

Schaffens lebte. Keller-Leutzinger hat entschiedene Begabung in

dieser Richtung, wie sein früheres Wirken in der Schweiz bereits gezeigt

hat. In Stuttgart beschäftigt ihn die Literatur.

Etwas besser als die Glasgegenstände lassen sich wohl die glasirten

Thonarbeiten Würtembergs ansehen. Es ist aber nicht viel, was zur Ausstellung

 gekommen. Uechtritz St Faist in Schramberg, so ziemlich die
            
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