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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 196)

einzige Fabrik mit künstlerischen Ansprüchen, hatten allerdings eine reiche

Collection zur Ausstellung gebracht, welche ein vielseitiges, auf künstlerische

 Erfolge und Ziele gerichtetes Streben bekundete. Material, Technik,

Decoration war sehr mannigfach, die Gegenstände zum Theil recht biedeutend.

 Aber allen fehlte die Originalität. Imitationen nach englischen,

französischen, italienischen Mustern beherrschten völlig den Eindruck,

selbst die jungen Arbeiten Sz_olnay's in Fünfkirchen waren bereits nachgeahmt,

 diese jedoch nicht mit Glück und Verständniss, denn der reizende

weiche, gelbliche Ton der Originale war durch einen grünlichen Ton

ersetzt.

Von grünen glasirten Kachelöfen, wie sie das waltdeutsche Zimmer-i

wieder braucht, fand sich einiges Gute, so bei Schmidt in Stuttgart,

auch einiges Farbige nach alter Schweizer Art mit Majolikamalerei. Dass

man hierin auch des Guten zu viel thun kann, zeigte ein Ofen, dessen

weiße Kacheln in blauer Malerei mit Landschaften, Schlössern u. s. w.

nur zu schön, zu kunstvoll verziert waren - die Arbeit des Glas- und

Emailmalers Eduard Lütz in Sigmaringen. Es war wie ein aus Bildern,

nicht aus Kacheln zusammengesetzter Ofen.

Eine Specialität der würtembergischen Industrie, die Elfenbeinschnitzereien

 Geislingens, hat wenigstens neben den Spielereien und Bagatellen,

 welche sonst ihren einzigen Gehalt bildeten, eine ernstere und

bedeutendere Richtung eingeschlagen. Selbst die Kleinigkeiten sind besser

geworden und sehen sich in ihrer zarten Ausführung zuweilen recht

hübsch an. Ein Elfenbeinpocal in Art derer des siebzehnten Jahrhunderts

von Lenz in Geislingen war eine recht gute Arbeit.

Den Möbeln und der Zimmerdecoration folgend, hat sich auch die

Tischleinwand auf den Weg der Renaissance, d. h. der farbigen Decoration

 begeben, und viele Gegenstände mit blauen und rbthen Bordüren

zur Ausstellung gebracht. Wir können aber nicht sagen, dass der neue

Weg, der heute schon fast eine wahre Umwälzung in der Hausleinwand

bedeutet, hier mit Glück und Vollkommenheit eingeschlagen worden. Die

zahlreichen Gegenstände von Hermann Pichler in Urach waren weder

gelungen in der farbigen Haltung, noch hatten sie die technische Schwierigkeit

 der Ecken überwunden. Ecken und Seiten zeigten sich sehr ungleich.

 Etwas besser in der Zeichnung waren die gleichen Gegenstände

von Eckstein 8: Kahn in Stuttgart. Man konnte ihnen nur die Kenntniss

entnehmen, dass die neue Art der farbigen Leinwand in Deutschland in

entschiedener Ausbreitung begriffen ist; zu lernen, wie vorzugehen, war

von ihnen nicht. Ebenso wenig boten die Stickereien, trotz der vielgerühmten

 und vielbesprochenen Schule für Frauenarbeiten zu Reutlingen,

irgend ein lehrreiches Interesse. Die zahlreichen Arbeiten der "Würtembergischen

 I-Iandelsgesellschaftu in Stuttgart waren ebenso gewöhnlich und

geschmacklos in Zeichnung wie in Farbe.
            
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