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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

Die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung des artistischen Bildungswesens. XV

,zu liefern, dass Städte wie Stettin, Danzig, Königsberg, Hamburg fasst

gar nicht, andere nur lückenhaft, alle verhaltnissmassig schwach vertreten waren.

Wenngleich ferner auch Österreichs Ausstellung sich nur unvollständig erwies,

wenngleich mehrere bedeutende österreichische Kunstindustrielle fehlten, ja einige

grössere Prodnctionszweige so gut wie gar nicht reprasentirt waren, so vermochte

doch der Kenner das Gesammtbild der deutschen, wie der österreichischen Leistungskraft

 sich genügend zu erganzen, um in die gegenwärtige Lage Einblick zu

gewinnen. Darnach liess sich das Ürtheil fällen, dass Deutschland jetzt mit ziemlich

raschen Schritten jene von Österreich bereits zurückgelegten ersten Stadien der

reformatorischen Entwicklung durchmisst, in welchen allerdings Veränderungen und

Erfolge augentalliger hervorzutreten pflegen als auf höheren Stufen.

Dass aber auch diese höheren Stufen vpn deutscher Seite ins Auge gefasst

sind, diess konnte dem Betrachter nicht entgehen, der die Ausstellung des Schulwesens

 im Münchner Glaspalaste genauer würdigte. Ihm musste es alsbald

zweifellos werden, dass man in Deutschland der Bedeutung solchen Schulwesens

sich bewusst ist. War doch die Vertretung der kunstgewerblichen Schulen vollständiger

 als die der Production. Nur die Abwesenheit der Hamburger Schulen

mochte allenfalls als Lücke empfunden werden; sonst bot die Sehulausstellung ein

verlässliches Bild.

Wie schon auf früheren Ausstellungen trat auch hier Württemberg mit

der grössten Ziffer in die Schranken. Seine 59 im Glaspalast vertretenen Schulen

gaben neuerdings Zeugniss für die tüchtige Methode. mit welcher der Zeichenunterricht

 auf den unteren Stufen ertheilt wird und für die aussernrdentliche Verbreitung

 guter elementarer Bildung in der Masse der (irewerbebeiiissenen. Auf den

höheren Unterrichtsstufen schienen - trotz einzelner schöner Leistungen und trotz

des vielfach bemerkbaren Verzugs unmittelbaren Verkehrs zwischen Schule und

Industrie - die Fortschritte in der Geschmacksbildung kaum gleich bedeutende

wie an vielen anderen Schulen Deutschlands. Insbesondere die königliche Kunstgewerbeschule

 in Stuttgart nahm in ihren Leistungen kaum ein höheres Niveau

ein als 1873 zu Wien, und es drängte sich dem Betrachter die Wahrnehmung

auf, dass die künstlerische Kraft dort um so gewisser versagt, je höher ihre Aufgaben

 irn Gewerbe werden.

Diese Erscheinung bestärkt in der an früherer Stelle ausgesprochenen Überzeugung,

 dass das Kunstgewerbe im Aufschwug gehemmt ist, wo es, statt ein

Glied der grossen Kunst zu bilden. vereinzelt sich zur Bedeutung empor-ringen

soll. Der württembergischen Entwicklung scheint das Centrum zu fehlen, dessen

reicheres Kunstleben Anregung undRichtung gabe. Trotz solcher Üngunst der

Verhältnisse ist es aber der Schule dort immerhin gelungen, mehrere in ausgedehntem

 Masse betriebene Hausindustrieu zu veredeln und die Leistungsfahigkeit

des Kleingewerbes auf achtbare Stufe zu heben. So stellt sich das kleine

Württemberg mit seinem gewerblichen Unterrichtswesen dennoch als wichtiger

Bestandtheil in dem grossen und mannigfaltigen Gesammtbild der deutschen

kunstgewerblichen Bestrebungen dar.
            
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