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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

zog 
nicht. Im Gegentheile, zu den feinjährigen, wohlriechenden Coniferen- 
Hölzern, zu den dunkelfarbigen Laubhölzern der Tropenzone, die wir in 
Japan weiter finden, tritt hinzu das Bambusrohr, - die Bambusa arun- 
dinacea. 
Ich habe speciell diesen Rohstoff in einem über Einladung des orien- 
talischen Museum gehaltenen Vortrage behandelt, kann also auf die Pu- 
blicirung meiner diesbezüglichen Arbeiten hinweisen. Eine Richtung der 
Holzindustrie hat sich erst in jüngster Zeit zu grösseren Dimensionen ent- 
wickelt, es ist dies der Schiffbau. 
Ein Industriezweig, welcher als speciiisch japanisch bezeichnet 
werden muss, ist die Papierbereitung. Das japanische Papier besitzt, 
Dank den sehr langen, zähen Fasern, eine hohe Festigkeit und eine Wider- 
standsfähigkeit gegen das Abliegen, wie sie bei keinem europäischen Fa- 
bricat beobachtet wird. Die wichtigsten Papiermaterialien sind die Stengel- 
fasern von Barnbusschösslingen und von der Broussonetia papynfera. 
(Siehe die Broschüre von Routled ge, welche kürzlich in London 
erschien und einen Artikel von J. Bartsch in dem Journal des orientali- 
schen Museums in Wien, endlich Exner: die technischen Eigenschaften 
des Papiers.) Eine der eigenthümlichsten Verwendungen des Papiers - 
des japanischen, da bei einem europäischen dies nicht möglich ist - 
besteht in der Verfertigung von Fäden aus zusammengedrehtem Papier. 
Diese Papierfäden können mit anderen Garnen oder allein verwoben werden. 
Auch diese Gewebe zeigen eine bemerkenswerthe Festigkeit und haben 
eine vielartige Verwendbarkeit. Die Verarbeitung des Papieres ist indessen 
eine so mannigfaltige, wie in keinem anderen Lande der Erde. Oelgetränkte 
Papiere zu Sonn- und Regenschirmen, prächtige Leder-Imitationen zu 
Taschnerarbeiten, Heimen und Schüsseln, bedruckte, bemalte und dessi- 
nirte Papiere zu Tapeten, Buntpapieren Ü, weisse Papiere als Taschen- 
tücher, Fensterscheibensurrogat und endlich die unvergleichlichen Arbeiten 
aus Papiermache. In der japanischen Abtheilung der Wiener Weltausstel- 
lung war ein grüner Kopf zu sehen, die papierene Copie eines 600 Jahre 
alten Bronze-Standbildes des Tai-bouthou. Länge des Gesichtes 2'], Meter, 
der Augenbrauen 1'], Meter. Unter den vielen mit amerikanischen und 
englischen Maschinen ausgestatteten Fabriken, welche in jüngster Zeit 
entstanden, befindet sich auch eine Papierfabrik in Osaka, welche täglich 
20 Centner Papier producirt; es ist indessen zu bezweifeln, dass dadurch 
ein Fortschritt in der Papierbereitung in qualitativer Beziehung erreicht 
werde. Anders verhält sich dies mit den sonstigen Zweigen der Textil- 
Industrie. 
Seitdem durch den bedeutenden Export von Rohseide und _Grains 
und die Vertheuerung dieser Quelle von Rohstoffen für die Weberei, die 
Manufactur von Seidenstolfen einen empfindlichen Stoss erlitt und der 
') Man erinnere sich an die Laterne von 3'], Meter Durchmesser in der Ausstellung.
	        

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