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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

'XLlV Die gegenwärtigen Aufgaben der Verwaltung des artistischen Bildungswesens.

Pfeiler und Cylinder mit Deck platten und Sockeln etc. finden. woran sich wieder

eine Serie von stylgerechtvn Vorbildern entnommenen Grund- und Übergangsforme

 u zum Ornament, als einfache Capitäle, Säulenbasen, Gesimsglieder,

Gefassformen schlivsscn soll. Diese beiden, thcils in Holz, theils in Zink herzustellenden

 Serien bedürfen einer Fortsetzung in stufenweise schwieriger werdenden

(lypsiuodellen, welche dem Gebiet des Flachenornamentes, des plastischen

(freien) und des angewandten Ornamentes, derSäulenordnungc-u und

G e fit s s fo r m e n entnommen sind. Reichere Capitäle, Akroterien, Blatt- und

Bluinenornamente, Fulluugsornnmente der Renaissance scheinen hier am Platze.

Auf dieser obersten [lnterrichtsstufe sind ferner Gypsmodelle für f i gurale s

Z e i c h n e n ncthwendig. als insbesondere Muskelkopf, Regelkopf zur Erklärung

der Proportionen und perspectivischen Erscheinungen , einige F lachreliefs und

Hochreliefs, sowie eine Anzahl Masken, Köpfe, Büsten, Hände und Füsse.

Was endlich die Werke zur Fortbildung der Fachlehrer und zur Lectüre der

Schiller anbelangt, so ist anzustreben, dass die Bibliothek jeder Lehranstalt neben

lvVerken über Styl- und Farbenlehre und Geschichte der Künste

und K u n s t t e c h n i k e n eine Sammlung wohl ausgewählter P h o t o g r a p h i-e n

mustergiltiger Kunstwerke besitze.

Die Aufgaben der Unterrichtsverivaltung sind nicht bezüglich jedes der drei

Huuptbestandtheile der Lehrluittelsammlung für Freihandzeichnen die gleichen.

Während den letztgenannten Werken gegenüber, welche den lrehrer- und Schülerbibliotheken

 einzuverleiben sind. es'nur auf sachkundige Auswahl aus den besten

der vorhandenen Erzeugnisse der Literatur und des Kunstverlags ankömmt, handelt

es sich bei den zu directem Gebrauch im Unterrichts bestimmten Vorlagewerken

und Modellen geradezu um die Initiative der Unterrichtsverwaltung:

 um Herstellung eines Lehrapparates von Staatsw

 e g e n, der im Geiste des Lehrsystems mit strenger Folgerichtigkeit für jede

Stufe des Unterrichtes das entsprechende Lehrmittel enthält. Je besser das Lehrsystenl

 erwogen, je consequenter es aufgebaut wurde, desto nothwendiger erscheint

es, dass bei dessen Durchführung auch alle Hilfsapparate unter einander in geistigen

Zusammenhang gebracht und die einzelnen Lehrmittel mit genauester Rücksicht

auf Vorausgegangenes und Nachfolgendes geschaffen werden.

Ein Blick auf die vielgliederigen Stufen des wohldurehdacbten Lehrgebäudes

muss davon überzeugen, dass hier nichts gethan sei mit einem bequemen Vertrauen

auf jene von selbst wirkenden Kräfte, deren stilles Walten die lldauchesterschule

preist. Vielmehr vermag nur eine energische, einheitliche Durchführung des Lehrmittelwesens

 v o n S t a a t s w e g e n die Reform zu realisiren. Und' es hiesse die

Verwirklichung der Reforun, auf unberechenbare Zeit binausschieben, wenn die

Herstellung der einzelnen Lehrmittel lediglich den Zufälligkeiten commercieller

Speculation überlassen werden wollte. Jedes imperative Vorgehen den Lehrern des

Zeichenfaches gegenüber kann so lange nicht zum Ziele führen, als der Lehrmittelapparat

 noch grüssere Lücken aufweist und als die Unterriehtsverwaltung selbst

dem Lehrer nicht für jede Stufe ein vollkommen entsprechendes Lehrmittel zu

bezeichnen vermag, dessen er sich zu bedienen hatte.
            
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