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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

ZIO

japanische Consum sich den importirten Baumwollwaaren zuwandte, musste

die Idee auftauchen, Baumwolle selbst in Japan zu verspinnen und zu

verweben. In Osaka errichtete man eine mechanische Baumwollspinnerei,

welche Garne von Nr. 18 bis 24 producirt, eine Weberei und Wirkerei,

endlich eine Teppichfabrik. Noch mehr, an demselben Orte entstand eine

Nähmaschinenfabrik. Hüte, Kappen und Schuhe werden fabriksrnässig hergestellt.

 Man will sich von dem Import emancipiren, doch dürfte dieses

Ziel, zum mindesten, was die Baumwollen-Industrie anbelangt, kaum je

- erreicht werden - ohne thurmhohe Zollschranken, die zu errichten man

sich wohl überlegen wird. - Diese Ueberhastung in der Acclimatisation

fremder, auf Maschinenarbeit beruhender Industrien scheint nicht ungefährlich,

 sie ist ein Zug von krankhafter Selbstüberschätzung.

Was an pHanzlichen Rohstoffen noch sonst in Japan verarbeitet wird,

lässt sich mit einer Reihe von Schlagworten erledigen. Reis - zu einem

gegohrenen Getränke, dem Reiswein, Cerealien, versuchsweise, in Osaka zu

Bier - Stroh, Baste und Rohr zu Seilen, Gei-Iechten und Geweben, Zucker,

Raßinade, Tabak und Zigarren, Gerberinden, Farbholz u. s. w.

Und nun wollen wir uns eine Weile ausschliesslich dem Lack zuwenden.



Die japanischen Lackwaaren übertreffen selbst die chinesischen, somit

alle übrigen der Welt. Diese Stellung verdanken sie dem Rohstolf und

dem Verfahren.

Der japanische Lack ist ein reines Naturerzeugniss, eine harzartige

Ausschwitzung aus der verletzten Rinde von Rhus vernicifera, also nicht

zu ersetzen durch Mixturen von Schellack und anderen Harzen mit fetten

und flüchtigen Oelen. Der Rhus uernicifera gehört in dieselbe Familie als

jener Baum, der das Wachs liefert, er ähnelt unserem Götterbaume, der

die Ringstrasse ziert. In dem mittleren Theile der grossen Insel des eigentlichen

 Japan, nächst Osaka, wird der Baum eigens cultivirt, sogar gedüngt ').

Vier bis fünf Jahre alte Bäume werden an der Rinde in horizontalen

 Riefen verletzt, der ausfliessende Lack nach 2-3 Tagen eingesammelt.

Der beste und feinste Lack wird bis August gewonnen -- Blüthenlack,

weniger feiner im September und October. Aus abgehauenen Zweigen des

Baumes erzeugt man den mindest edlen Grundirungslack. Alle diese Lacke

werden an der Luft schwarz, besonders tief, durch Anrühren mit über

Eisenfeilen z Tage lang gestandenem Wasser. Die Beimischung von Russ

') Näheres über die Lackgewinnung in einer der letzten Nummern der w-Revue des

eaux et foretsu. Männliche. und weibliche Bäume. Nach mehreren Jahren erreichen sie

eine Höhe von m Meter, einen Umfang von 018 Meter, also einen Durchmesser von

o'66 Meter. In: fünfjährigen Alter harzt man sie 3 Jahre hindurch, dann fällt man sie.

Die Anzucht geschieht durch Samen oder Ableger. Der Risser heisst Kaki-gama. Man

schreitet beim Anharzen vom Stock gegen die Krone zu vor, indem man alle 3-4 Tage

einen Einschnitt macht. Aus den Zweigbündeln gewinnt man den Lack, indem man sie

10-20 Tage in's Wasser legt.
            
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