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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1876 / 135)

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Glanz. Aber auch jetzt noch Poliren mit Hirschhorn- oder Knochen- (cal- 
cinirt) Pulver auf Finger und Handballen. Diese Procedur 6 wird min- 
destens dreimal wiederholt. 
Nebst dem edlen schwarzen Lack haben noch grossen Ruf der Aven- 
turin-Lack und der rothe, geschnitzte Lack (Fu-tschau-Lack). Das Ver- 
fahren zur Verfertigung des ersten enthalten die oben beschriebenen Pro- 
ceduren l bis 3, dann so lange der letzte Beleg noch feucht ist, bestau- 
ben mit gepulvertem Gold oder Zinnfolie, hierauf 4, jedoch mit gelbem 
Lack, Abschleifen der Schichte, um sie dünn zu machen, endlich 6. Der 
Aventurin wird mit der Zeit lichter, alle Lacke aber schöner, der hohe 
Werth der vieux laques also berechtigt. 
Ueber die verloren gegangene Kunst des Lackschnitzens (Fu-tschau- 
Lack) lese man einen kürzlich in der "Wiener Abendpostu erschienenen 
Artikel von Dr. Albrecht v. Roretz in Yokohama, der auch genaue Da- 
ten iiber die moderne Imitation dieser Lackarbeiten im Wege des Pressens 
enthält. Ueber die verschiedenen Anwendungen und Modificationen des 
Lackes, wie der rothe und braune Lack, Lackrelief in Gold, Lack auf 
Metallwaaren oder glasurfreie Stellen des Porcellans, siehe Dr. Wagner's 
Abhandlung über diesen Gegenstand in der Wochenschrift des n. ö. Ge- 
werbe-Vereines 1875 ; für uns Europäer ist wohl die eigenthürnlichste Ver- 
wendung des Lackes der transparente Lack, der die bei uns übliche 
Politur ersetzt. 
Japan ist das Land des Lackes. Dort herrscht der Lack nicht blos 
in der Kleinkunst, bei dem gefälligen Hausrath, nein er beherrscht die 
Architektur, er ist Ersatz für Marmor und Granit, für Fresco und Mosaik. 
Wände und Möbel, Decke und Fussboden, alles wohin man sieht, erglänzt 
vom Lack. 
Der Consum an Lackarbeiten für den europäischen Handel hat kei- 
nen günstigen EinHuss auf die Qualität der Waare genommen, dennoch 
ist noch immer der schlechteste japanische besser als der beste europäische 
Die wunderbaren, es ist dies nicht zu viel gesagt, die wunder- 
baren Eigenschaften des Seschune-Lackes und die beispiellose Accura- 
tesse der Arbeiter, beides können wir in Europa nicht ersetzen. Der 
Import von Lack ist aber nicht leicht zu erreichen. Der Preis ist selbst in 
Japan ein hoher. Das Kilo Lack kostet 2'[,-6 v, H. in Yoshim, im Innern 
Japan's. Und wie könnten wir den Staub vermeiden, den der Japaner flieht, 
indem er an Bord eines Schiffes, also über der staublosen Meeresliäche 
arbeitet. . 
Was im Gebiete der piianzlichen Rohstoffe der Lack, ist im Be- 
reiche der thierischen unzweifelhaft die Seide. Der Hauptsitz, zum minde- 
sten der älteste, ist Kioto. Noch jetzt zählt man dort 18.000 Arbeiter 
und 6000 Stühle, trotz der sich seit 250 Jahren entwickelnden Concur- 
renz Kiriu's. Während letztere Stadt in Crepe's excellirt, sind es in Kioto 
vor Allem die Brocate, deren Goldfäden die mit Goldpapier urnsponne-
	        

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