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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 200)

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Gefüge besitzen. Je nachdem diese Bedingungen mehr-oder weniger 
erreichvsind, unterscheiden wir die verschiedenen Sorten, von. Statuen-- 
marmor bis Architekturmarmor, deren der Italiener 800" kenntj 
Gaiiz reines Wasser, wie es der Chemiker durch geeignete Processe 
darstellen karin, ist, wenn wir von mechanischer Wirkung absehen, unter 
gewöhnlichen Umständen ohne Einfluss auf den Marmor, allein Wasser, 
welches Kohlensäure enthält, löst ihn auf, so dass z. BL einiGlasdSoda- 
wasser, auf eine blanke und reine (nicht fette) Marmorplatte gegossen, ' 
diese ihres Glanzes in ganz kurzer Zeit durch Lösung beraubt. Nun 
enthalten alle sogfinatürlichen Wässer, wie Regen- uridi Schneewasser oder 
Quell-, Fluss- dnd Brunnenwasser stets mehr oderweniger freie Kohlen- 
säure, woraus sich die lösende und zerstörende Wirkung} derselben auf den 
Marmor leicht erklärt. ' H l 
.Sehr interessant sind die vor mehreren Jahren angestellten {Beobach- 
tungen über Veränderungen, welche an den Grabsteinen der Kirchhöfe 
in Edinburgh wahrzunehmen sind. Es kamen dabei zunächst Marmor- 
denkmäler in Betracht, deren polirte Tafeln nach ein bis zwei: Jahren ihre 
Glätte verloren hatten und deutliche, jedoch nicht gleichmäßig vertheilte 
Spuren eines Aullösungsprocesses zeigten, was sich durch die Einwirkung 
des kohlensäurehältigen Wassers genügend erklärt. Viele Monumente boten 
das Bild des inneren Zerfalles, da sie mit einer papierdicken bis selbst r Mm. 
starken, schmutziggrauen Kruste bedeckt waren, innerhalb welcher der Stein 
als eine nahezu krümelige Masse sich befand. So lange diese Kruste un- 
verletzt bleibt, erhält sich Alles unverändert, zerreisst diese jedoch, so 
folgt rasch der innere Zerfall, welcher durch das eindringende kohlen- 
säurehältige Wasser herbeigeführt wird. Diese Kruste bestand, wie die Unter- 
suchung eines aus dem Jahre 1792 stammenden Grabsteines erkennen ließ, 
aus Kohlenpartikelchen, Quarz, dann Ziegelstlicken und Glaskörnchen, 
welche mittelst einer Art Gypscement zusammengekittet waren, welcher 
zweifellos durch die Wirkung der in der Atmosphäre enthaltenen Schwefel- 
säure auf den Kalk des Marmors gebildet wurde. Der so entstandeneGyps 
war es, welcher mit dem Staube der Atmosphäre obige Kruste bildete. 
Es darf zur Erklärung dieser Thatsache angeführt werden, dass 
durch die Verbrennung der stets Schwefel (zumeist als Schwefeleisen) ent- 
haltenden Steinkohlen schweliigsaures Gas entsteht, welches sich in 
der atmosphärischen Luft zu Schwefelsäure oxydirt und dass das Leucht- 
gas, wenn es auch noch so sorgfältig vom Schwefel befreit wurde, eben- 
falls Spuren desselben enthält, welcher bei der Verbrennung des Gases, 
nach Young, sofort zu Schwefelsäure oxydirt wird. Diessind die Gründe, 
weshalb die Atmosphäre großer Städte stets Schwefelsäure aufweist, so die 
Atmosphäre Londons in i Million Kubikmeter über 3 Pfund, und die 
Luft der großen Fabriksstädte, wie z. B. die Manchesters, reichlich das 
Doppelte.
	        

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