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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 206)

231

Es erklärt sich dies sowohl aus den Eigenschaften der rohen Masse

selbst, als auch aus ihrem Verhalten in dem hoheu Feuer, dem sie dann

ausgesetzt wird.

S0 kann das Aufdrehen auf der Drehscheibe, eine Operation, womit

der Töpfer seinen Gefäßen aus freier Hand die gewünschte Gestalt und

Vollendung gibt, hier, beim Porzellan, wegen der weit geringeren Plasticität

 der Masse, nur dazu dienen, den Stücken die ungefähren Umrisse

zu geben, wogegen die genaue Formung einer zweiten Operation, dem

Aus- oder Ueberformen mit Benutzung von Gypsformen vorbehalten

bleibt. Der Gyps ist hier ein kostbares und unersetzliches Material. Die

Formen, leicht herzustellen und billig, saugen vermöge ihrer Porosität

die Feuchtigkeit der Masse an sich und lassen die geformten Stücke rasch

und sicher abheben.

Ganz bedeutende Berücksichtigung verlangen beim Formen die Verhältnisse

 der Schwindung, der die Stücke sowohl im Trocknen, als

weit mehr noch beim Brande unterliegen und welche bei der Porzellanmasse

 10-17 Procent beträgt. Um soviel sind demnach die Arbeitsformen

größer anzulegen, wobei noch ein erfahrungsgernäßer Unterschied der

Schwindung in verticaler und horizontaler Richtung zu berücksichtigen

ist. Da außerdem die Porzellanmasse im Brande bis zu einem gewissen

Grade durch und durch erweicht, so wird es nöthig, dass diejenigen

Stellen der Gefäße, die die meiste Tragkraft haben sollen, auch dicker

in der Masse hergestellt werden, größere Scherbenstärke besitzen, während

man die mehr getragenen Theile möglichst dünn hält.

Es gehört tüchtige Uebung dazu, beim Ausforruen eines größeren

Gefäßes Außen- und Innenseite so zu gestalten, dass diesem Verhältnisse

vollkommen Rechnung getragen ist. Zudem bringt die enorme Schwindung

 der Porzellanmasse noch mancherlei andere Uebelstände mit sich.

Ist die Masse eines ausgeformten Gefäßes nicht überall von gleicher Dichte,

sei es durch verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt oder durch ungleichen

Druck bei der Arbeit, so schwindet sie verschieden und gibt dies Veranlassung

 zum Reißen der Stücke oder doch zum sogenannten Wund.

Solche dichten Stellen treten am gebrannten Geschirre als Wülste hervor,

die ein Verzerren der Formen, ein Verziehen oft bis zum Unbrauchbarwerden

 der Stücke verursachen.

Als Behelfe beim Ausformen dienen die Schablonen (Kaliber),

eine Art Ziehklingen, worin der Umriss der äußeren oder inneren Wandung

 des Gefäßes genau eingeschnitten ist und die somit den Zweck

haben, jene Umrisslinien in ihrer vollen Reinheit zu erzielen. Complicirte

Gefäße werden aus mehreren Stücken geformt, die dann mit halbHüssiger

Porzellanmasse aneinander geklebt (angeschlickert) werden. Ebenso werden

Henkel, Füße und sonstige Ansätze gesondert geformt und dann an das

Gefäß angefügt.
            
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