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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 206)

Beilage zu Nr. 206 
der 
„Mittheilungen des k. k. Oesterreieh. Museums." 
steht heute unerreicht in der Bewältigung dieser Aufgaben da. Nament- 
lich hat man mit richtigem Griffe, den gemmenartigen Charakter des 
Porzellankörpers voll berücksichtigend, eine Technik dort zur Vollendung 
gebracht, die das Porzellan zur vollen Entfaltung seiner edlen Qualitäten 
befähigt - die Pate sur päte. 
Es sind die Reize der Gemmoglyptik auf das Porzellan übertragen: 
In weißer oder lichter Masse ausgeführte Flachreliefs auf 
farbigem Porzellankörper. 
Die Ausführung ist eine höchst schwierige. Folgen wir der Schil- 
derung des bekannten Keramikers Prof. Schmidt: 
wAuf die fertig gedrehte, getrocknete, nicht verglühte Vase wird 
mit Pinsel und Schwamm der farbige Grund - farbige Porzellanmasse- 
gleichmäßig aufgetragen, gekörnt, chagrinirt, oft durch Radirung gemustert. 
Sodann folgt die Application des Bildes mit weißer flüssiger Masse, die 
wieder mit dem Pinsel aufgesetzt wird. Jede auf den saugenden Körper 
gestrichene Lage trocknet rasch und die Lagen wiederholen sich, es 
wird mit dem Pinsel weiter gehöht, modellirt, bis das Bild - z. B. 
eine Figur mit fliegendem Gewande - eine gewisse plastische Höhe, ein 
Relief erreicht hat. Es liegt in der Natur des flüssigen Auftragens, dass 
die Schärfe und die Detailausführungen des Bildes fehlen, welche nun 
durch Anwendung scharfer Werkzeuge erreicht werden. Man schabt, 
radirt, schneidet, kurz man sculpirt, bis das Relief fertig wird. 
Dann hat das mühsame Werk einer oft monatelangen Arbeit die 
ganze Reihe der Fabricationsphasen zu durchlaufen, es wird verglüht, 
glasirt und im großen Feuer gebrannt." 
Die technischen Schwierigkeiten liegen, abgesehen von der Farbe, 
darin, den mit Oxyden gefärbten Massen genau die gleichen Schwindungs- 
Verhältnisse zu geben, damit sie sich unter der Glasur innig miteinander 
verbinden, nicht rissig werden oder Trennungen entstehen lassen. 
Die Glasur durchdringt das Relief, erweicht es, der farbige Grund 
schimmert an den dünnen Stellen desselben durch und bringt eine Zart- 
heit hervor, gibt dem Bilde einen ätherischen Hauch, wie er kaum den 
gelungensten Lirnousiner Emailen oder den schönsten Werken der antiken 
Gemmenkunst innewohnt. Sevres ist dabei nicht stehen geblieben. Voll- 
kommen Herrin der Technik, ist es zur malerischen Anwendung der pate 
sur päte, zur förmlichen Malerei mit gefärbten Pasten oder pastosen 
Unterglasurfarben geschritten. Mit breiten Farbenmassen in Butter Be- 
handlung angelegt, erreichen diese Porzellane mit der sprühenden Kraft- 
IX. Bd. 1882. 20
	        

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