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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 206)

liche Durchforschung der Meißener 
Akten und Formen hat auch nach 
manchen Seiten willkommene Auf- 
schlüsse gebracht. So ist zum Bei- 
spiel die bisher geltende Anschau- 
ung, daß Acier es war, der die ele- 
ganten Rokokofigürchen der zwei- 
ten Blütezeit modelliert hat, nicht 
mehr aufrecht zu erhalten. Diese 
Figuren, zu denen auch die „fran- 
zösischen Ausrufer" gehören, sind 
vielmehr auf Kändler und seine 
Schüler, besonders Reinicke, zu- 
rückzuführen, und dürften schon 
während des Siebenjährigen Krie- 
ges angefertigt worden sein. Auch 
bei einer ganzen Reihe anderer 
FigurentrittnundieseVerschiebung 
ein, und wir lernen Kändler von 
einer neuen Seite kennen, und zwar 
als Modelleur, der sich, nachdem 
er vorerst im Barockgeschmack 
gearbeitet hat, mit großem Geschick 
in das zierlichste Rokoko einzu- 
leben und schließlich sogar dem 
antikisierenden Geschmack einiger- 
 
Meißener Porzellan. Kannenvase „Erde", aus der Reihe 
der vier Elemente 
maßen Rechnung zu tragen versteht. Interessant sind die dem kunsthistori- 
schen Teile sich anschließenden Ausführungen des Oberbergrates Heintze 
über die Entwicklung des chemisch-technischen Betriebes vom Beginn der 
Fabrik bis zur Gegenwart. Auch die vom Geheimen Kommerzienrat Gesell 
bearbeiteten Mitteilungen über Organisation, Finanzwirtschaft und Sozial- 
statistik würde man in diesem Zusammenhange ungern vermissen. Das Werk 
schließt mit der Beschreibung der Feier des zweihundertjährigen Jubiläums 
und ist außergewöhnlich reich ausgestattet. 43 Tafelbilder sind im Texte 
verteilt und überdies finden wir 377 Klischeedrucke. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN 51b VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN 54b 
ALERIE MIETI-IKE. Wie fast alljährlich hat auch diesmal die Galerie Miethke 
eine Auswahl erlesener Franzosen nach Wien gebracht. Man freut sich ja immer, 
wenn man in den Mauern unserer alten Stadt den am stärksten vorwärts treibenden Persön- 
lichkeiten der modernen Kunstentwicklung begegnet, die einst ebensosehr verkannt 
wurden, wie sie jetzt verehrt und gepriesen werden, deren Werke aber leider nur Gast- 
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