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noch grbßerer Energie auf dem trelflichen Wege fortschreiten, auf dem sie unter Leitung
ihrer Führer Deininger, Fuß und Roux jeder Freund unseres Kunstgewerbes rnit so aufrichtiger
Freude sich entwickeln und wohlthatige Einflüsse nach rechts und links ausüben
sah. lhre erfolgreiche Wirkung äußerte sich auf den ersten Blick selbst bei ßüchtigem
Besuche der Permanenten Kunstausstellung des Tiroler Gewerbevereines.
Es war heuer die erste Sommercampagne dieses neuen Institutes, das allerdings
in Herrn Nicolits einen Leiter hat, wie sich ihn ähnliche Unternehmungen nur zu wünschen
brauchen. Seiner Thatkraft und seinem Organisationstalcnt ist wohl zum nicht
geringen Grade zu danken, dass trotz der heuer gewiss so ungünstig als moglich gestalteten
Wetterverhältnisse und in Folge dessen geringen Fremdenverkehrs das geschäftliche
Endergebniss ein durchaus zufriedenstellendes zu nennen ist. Der Schreiber dieser Zeilen
hatte erst Ende September Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen und fand die Stellen
und Kästen nur mehr unvollständig besetzt, weil die meisten kleineren Objecte bereits
ausverkauft waren. Dass bei einer solchen Verkaufsausstellung besonders zu Anfang
manche Concession auch an weniger strengen Kunstgeschmack gemacht werden muss,
ist leicht begreiflich, aber abgesehen davon ist der kunstgewerbliche Fortschritt seit der
letzten lnnsbrucker Ausstellung ganz unverkennbar, ja die Arbeiten Einzelner, wie die in
Zeichnung und Ausführung musterhaften des ehemaligen Zöglings der lnnsbrucker Schule,
Andrea Colli, können in jeder Ausstellung sicher um einen Preis ringen. Neben ihm
sind jedoch auch die Möbel von Kaputa und Konzert nicht zu übersehen. Wenn von
ein und dem andern jungen noch unausgegohrenen Talente recht Gutes erst zu erwarten
ist, so zeigen einzelne Leistungen, wie des Gürtlers Unterberger oder des Zinngießers
Rainer, wie auch schon reifere. nicht mehr ganz schmiegsame Kräfte sich mit Begeisterung
der neuen guten Schulrichtung anschließen. Wir sahen sehr gute Schnitzereien
und KäSIChCn mit Elfenbeinimitation aus der Fachschule von Halle und von Scharnitzer.
immerhin geschmackvolle Portieren von Hammerl, anderes, was sich in minderem
Genre doch über's Mittelmaß erhebt, von Baadcr, oder die ausgestellten Buchbinderarbeiten
und jene der Tiroler Handschuh- und Bandagenfabrik von Sturm. Das
auch äußerlich sich gut prasentirende Pianino berechtigt dazu, dem Fabrikanten Engelb.
M ohrherr zu seiner Nachahmung der amerikanischen Clavierconstruction zu gratuliren.
Die Versuche mit aus Eisen geschnitzten Dolchgriffen, wenn wir nicht irren von
Jäger, bedürfen nur der Aufmunterung und Belehrung. um gewiss auch größeren Aufgaben
gewachsen zu scin. Bloß Einer ist zu unserem Leidwesen zurückgegangen. Dem
Hof-Wachswaarenlieferanten J. M. Rosenbachefs Eidam war im Jahre 1878 für seine
Erzeugnisse nach guter alter Technik (das Gcschaft besteht seit 1760) eine Auszeichnung
zuerkannt worden; dagegen gehören seine jetzt ausgestellten wachsernen Cassetten zu dern
Geschmacklosesten, das man sehen kann Wir wollen hoffen, dass ihn vielleicht nur der
übergroße Drang, in neuem Genre etwas zu schalfen. so weit vom Ziele seitab getrieben
hat. Von den Spitzenarbeiten aus Proveis und Malle braucht nicht des Mehreren gesagt
zu werden, und ebenso wenig von der immer erfreulichere Anerkennung sich erringenden
Tiroler Marmor- und Porphyr-Gesellschaft zu Sterzing. Mit besonderem Vergnügen begrüßten
wir die allerdings nur spärlichen und schwächlichen Reste von Tiroler Hausindustrie.
Zu der ersteren Art zahlen wir die in Zeichnung, Farbenzusammenstellung und
Ausführung oft überraschend gut gearbeiteten Pfauenfeder-Stickereien von Mair in Schwaz,
zu den letzteren verschiedene unbedeutende Arbeiten einzelner Thäler und besonders die
aus Bein gearbeiteten kleinen Büchsen aus Hall. Auf dem weißen Grunde zeigen diese
oval oder etwa in Herzform gefertigten Bonbonnieren, wenn dieser Ausdruck nicht etwa
für diese Arbeiten zu nobel ist, schwarz eingeritzten Zeichnungen. eine Kochin am Herde
oder eine Taube als Liebesboten und Aehnliches mit entsprechend naiven Verslein darunter
und Ornamente, die allerdings an Stylreinheit und geschmackvoller Linienführung
sich mit den Leistungen der südslavischen Hirten in Verzierung ihrer Flaschenkürbisse
nicht messen ltbnnen. Dieser Ausstellung heimischer Fabricate schließt sich überdies eine
gewählte sozusagen internationale Abtheilung an, welche sich jedoch ihrem Wesen nach
unserm kurzen Berichte entzieht.
Wir wollen eben nur dasjenige Neue hervorheben, was in künstlerischer und kunstgewerhlicher
Beziehung in Innsbruck und Umgebung vorgeht. Ua hat z B. die Steingut-
und Thonwaarenfabrik in Schwaz (bestehend seit 1801), Dank dem strebsamen
Chef der Firma. Herrn Otto Hussl und dessen technischem Director Riesinge r,
damit begonnen, Gebrauchsgeschirre einfacher Art in ihren Formen zu veredeln und durch
einfache Majolikadecoration künstlerisch zu heben. Die bisherigen. mit größter Gewissenhaftigkeit
angestellten Versuche in dieser Richtung berechtigen zu den besten Erwartungen.
Wie dieser Fortschritt zunachst lder Anregung des unermüdlichen Direclors
Deininger zuzuschreiben ist, so muss schließlich mit uneingeschranktem Lobe der Thatigkeit
des Letzteren als ebenso vorsichtigen wie glücklichen Restaurators alter Kunstdenkmale
gedacht werden. lm Schlosse Ambras ist durch die Wiederherstellung der