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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII (1882 / 207)

526cm

noch grbßerer Energie auf dem trelflichen Wege fortschreiten, auf dem sie unter Leitung

ihrer Führer Deininger, Fuß und Roux jeder Freund unseres Kunstgewerbes rnit so aufrichtiger

 Freude sich entwickeln und wohlthatige Einflüsse nach rechts und links ausüben

sah. lhre erfolgreiche Wirkung äußerte sich auf den ersten Blick selbst bei ßüchtigem

Besuche der Permanenten Kunstausstellung des Tiroler Gewerbevereines.

Es war heuer die erste Sommercampagne dieses neuen Institutes, das allerdings

in Herrn Nicolits einen Leiter hat, wie sich ihn ähnliche Unternehmungen nur zu wünschen

 brauchen. Seiner Thatkraft und seinem Organisationstalcnt ist wohl zum nicht

geringen Grade zu danken, dass trotz der heuer gewiss so ungünstig als moglich gestalteten

 Wetterverhältnisse und in Folge dessen geringen Fremdenverkehrs das geschäftliche

Endergebniss ein durchaus zufriedenstellendes zu nennen ist. Der Schreiber dieser Zeilen

hatte erst Ende September Gelegenheit, die Ausstellung zu besichtigen und fand die Stellen

und Kästen nur mehr unvollständig besetzt, weil die meisten kleineren Objecte bereits

ausverkauft waren. Dass bei einer solchen Verkaufsausstellung besonders zu Anfang

manche Concession auch an weniger strengen Kunstgeschmack gemacht werden muss,

ist leicht begreiflich, aber abgesehen davon ist der kunstgewerbliche Fortschritt seit der

letzten lnnsbrucker Ausstellung ganz unverkennbar, ja die Arbeiten Einzelner, wie die in

Zeichnung und Ausführung musterhaften des ehemaligen Zöglings der lnnsbrucker Schule,

Andrea Colli, können in jeder Ausstellung sicher um einen Preis ringen. Neben ihm

sind jedoch auch die Möbel von Kaputa und Konzert nicht zu übersehen. Wenn von

ein und dem andern jungen noch unausgegohrenen Talente recht Gutes erst zu erwarten

ist, so zeigen einzelne Leistungen, wie des Gürtlers Unterberger oder des Zinngießers

Rainer, wie auch schon reifere. nicht mehr ganz schmiegsame Kräfte sich mit Begeisterung

 der neuen guten Schulrichtung anschließen. Wir sahen sehr gute Schnitzereien

und KäSIChCn mit Elfenbeinimitation aus der Fachschule von Halle und von Scharnitzer.

 immerhin geschmackvolle Portieren von Hammerl, anderes, was sich in minderem

 Genre doch über's Mittelmaß erhebt, von Baadcr, oder die ausgestellten Buchbinderarbeiten

 und jene der Tiroler Handschuh- und Bandagenfabrik von Sturm. Das

auch äußerlich sich gut prasentirende Pianino berechtigt dazu, dem Fabrikanten Engelb.

M ohrherr zu seiner Nachahmung der amerikanischen Clavierconstruction zu gratuliren.

Die Versuche mit aus Eisen geschnitzten Dolchgriffen, wenn wir nicht irren von

Jäger, bedürfen nur der Aufmunterung und Belehrung. um gewiss auch größeren Aufgaben

 gewachsen zu scin. Bloß Einer ist zu unserem Leidwesen zurückgegangen. Dem

Hof-Wachswaarenlieferanten J. M. Rosenbachefs Eidam war im Jahre 1878 für seine

Erzeugnisse nach guter alter Technik (das Gcschaft besteht seit 1760) eine Auszeichnung

zuerkannt worden; dagegen gehören seine jetzt ausgestellten wachsernen Cassetten zu dern

Geschmacklosesten, das man sehen kann Wir wollen hoffen, dass ihn vielleicht nur der

übergroße Drang, in neuem Genre etwas zu schalfen. so weit vom Ziele seitab getrieben

hat. Von den Spitzenarbeiten aus Proveis und Malle braucht nicht des Mehreren gesagt

zu werden, und ebenso wenig von der immer erfreulichere Anerkennung sich erringenden

Tiroler Marmor- und Porphyr-Gesellschaft zu Sterzing. Mit besonderem Vergnügen begrüßten

 wir die allerdings nur spärlichen und schwächlichen Reste von Tiroler Hausindustrie.

 Zu der ersteren Art zahlen wir die in Zeichnung, Farbenzusammenstellung und

Ausführung oft überraschend gut gearbeiteten Pfauenfeder-Stickereien von Mair in Schwaz,

zu den letzteren verschiedene unbedeutende Arbeiten einzelner Thäler und besonders die

aus Bein gearbeiteten kleinen Büchsen aus Hall. Auf dem weißen Grunde zeigen diese

oval oder etwa in Herzform gefertigten Bonbonnieren, wenn dieser Ausdruck nicht etwa

für diese Arbeiten zu nobel ist, schwarz eingeritzten Zeichnungen. eine Kochin am Herde

oder eine Taube als Liebesboten und Aehnliches mit entsprechend naiven Verslein darunter

 und Ornamente, die allerdings an Stylreinheit und geschmackvoller Linienführung

sich mit den Leistungen der südslavischen Hirten in Verzierung ihrer Flaschenkürbisse

nicht messen ltbnnen. Dieser Ausstellung heimischer Fabricate schließt sich überdies eine

gewählte sozusagen internationale Abtheilung an, welche sich jedoch ihrem Wesen nach

unserm kurzen Berichte entzieht.

Wir wollen eben nur dasjenige Neue hervorheben, was in künstlerischer und kunstgewerhlicher

 Beziehung in Innsbruck und Umgebung vorgeht. Ua hat z B. die Steingut-

 und Thonwaarenfabrik in Schwaz (bestehend seit 1801), Dank dem strebsamen

 Chef der Firma. Herrn Otto Hussl und dessen technischem Director Riesinge r,

damit begonnen, Gebrauchsgeschirre einfacher Art in ihren Formen zu veredeln und durch

einfache Majolikadecoration künstlerisch zu heben. Die bisherigen. mit größter Gewissenhaftigkeit

 angestellten Versuche in dieser Richtung berechtigen zu den besten Erwartungen.

 Wie dieser Fortschritt zunachst lder Anregung des unermüdlichen Direclors

Deininger zuzuschreiben ist, so muss schließlich mit uneingeschranktem Lobe der Thatigkeit

 des Letzteren als ebenso vorsichtigen wie glücklichen Restaurators alter Kunstdenkmale

 gedacht werden. lm Schlosse Ambras ist durch die Wiederherstellung der
            
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