oder Valay, welcher zu Zeiten Karls VIII. und Ludwig XII. von Frankreich
lebte. Nur sind die Copien unseres Stefanos bedeutend derber in der
Zeichnung. Auf dem Blatte Coppe II steht: Anno 1688.
Etwas älter ist ein Augsburger Kartenspiel vom Jahre 1662. Das-
selbe ist nicht mehr in Holzschnitt, sondern in Kupferstich ausgeführt
und hat vor den eigentlichen Spielkarten zwei Titelblätter: wFürtreiT-
liche Welt-Berühmte Männer von Kriegs Helden, Welt-Weysen, Wol-
Rednern und Poeten in Einen Garten-Spiel Vorgestellet. Augspurg bey
Joh. Stridbeck Jungernd- Darauf folgt ein Ziertitel, auf welchem an
einer barocken Pyramide vier Medaillons, von Romulus, Solon, Lysias
und Homer als Repräsentanten der Kriegshelden, Weltweisen, Redner und
Dichter angebracht sind. Zu beiden Seiten schweben Chronos und die
Fama, eine große Krone über den fürtrefflichen Männern haltend. Dieses
Blatt ist leicht colorirt, wie auch die Farbenzeichen und der Lorbeer-
kranz um die einfachen Porträtmedaillons auf den 52 Blättern dieses
Spiels. Das Farbenzeichen Coeur, Carreau, Pique, Trelfle kommt nur
einmal auf jedem Blatte vor, und darein sind die nothwendigen Zahlen
2-10, dann ein A (Ass), V (Valet, Bub), D (Dame) und R (Roi, König).
Auf dem Dame-Blatt ist selbstverständlich das Porträt einer berühmten
Frau des Alterthums (denn nur dieses ist berücksichtigt) angebracht:
Sappho unter den Dichtern (Coeur), Areta, die Tochter des Aristippos,
unter den Philosophen (Carreau), Zenobia unter den Kriegern (Pique),
Aspasia. die Freundin des Perikles, unter den Rednern tTreH). Nur
wenige der Bildnisse erinnern an bekanntere Original-Büsten der be-
trelfenden Persönlichkeiten und sind wohl als Copien nach irgend einem
ikonographischen Werke anzusehen, die meisten sind bloß Phantasieköpfe.
Unter jedem der Medaillons sind als erklärender Text biographische
Notizen gestochen, bei denen die Zeit, in der der Dargestellte lebte, in
Jahren der Welt angegeben ist, so bei Homer das Jahr der Welt 3038. Als
Beispiel der Biographien sei gestattet, jene der Sappho anzuführen: vVon
Mitilene war eine Dame, welche gute Vers machte, Sie war eine große
Liebhaberin der Galanterie und liebte ein wenig gar zu sehr die Schön-
heiten ihres Geschlechts. Es ist nur noch etwas wenigs von Ihrer Poesie
übrig, die zertrümrnerten Stuck aber sind vortreflich, und sind weiters
nichts nutz, als das sie machen, das wir das jenige, was darvon ver-
lohren nur destomehr betauren. Alle Alten, haben sie sehr hoch und
werth gehalten, und sie wegen Ihrer Vortrelflichkeit die zehnte Muse
genannt. Sie lebte im Jahr 334m:
Während die vorgenannte Suite auch ein höheres geistiges Inter-
esse bei dem Spieler anregen wollte, bezweckt ein vollständiges Tarok-
spiel blos leichtere Erheiterung dadurch, dass es uns einen Hochzeits-
zug vor Augen führt. Das ist wahrlich ein fröhliches Vademecurn,
wie unser elegant mit Gold- und Silbererhöhung gemaltes, mit Gold-
schnitt versehenes Exemplar auf dem Rücken seines Etuis genannt ist.