Schlusswort über die erste internationale Kunstausstellung
in Wien im Jahre 1882.
Der Curator unseres Museums, Graf Edm. Zichy, hat bei Niederlegung
seines Mandates als Ehrenpräsident des Comite's für die internationale
Kunstausstellung nach Schluss derselben und bei der formellen
Uebergabe des vergrößerten Künstlerhauses an die Künstlergenossenschaft
in der Generalversammlung derselben vom 18. November in einem Rückblick
über Entstehung und Verlauf der Ausstellung eine so treffliche
und beherzigenswerthe Charakteristik unserer Kunstverhältnisse gegeben,
dass wir es uns nicht versagen können, den bezüglichen Theil der Rede
unseren Lesern mitzutheilen:
Es fällt mir nicht ein, den Neubau als solchen vorn Gesichtspunkte der Schönheit
zu vertheidigen, denn um einen solchen durchzuführen, hätten ganz andere Mittel gehört:
Mehr Zeit und mehr Geld. Doch seine inneren Raume haben dem Zwecke vollkommen
entsprochen und fanden die allgemeine ungetheilte Anerkennung unserer Gäste, die des
Lobes voll waren. Man erwäge nur: Frankreich votirte zur Decorirung seiner Räume
100.000 Francs, während wir nur 100.000 Gulden hatten, um das ganze Gebäude herzustellen.
Ich will jetzt übergehen auf die Ausstellung selbst und die Art und Weise, wie
sie zu Stande kam. Mehrere und gerade die bedeutendsten Länder errichteten zu Hause
Aufnahms-Commissionen, so Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien, Schweden, Norwegen,
Dänemark, Ungarn. Diesen wurde die Begünstigung eingeräumt, dass dieselben
keiner weiteren Aufnahms-Jury unterzogen werden, und da sie ihre eigenen Commissäre
hieher sandten, so überliess man es ihnen selbst, auf ihre Verantwortung hier die Bilder
zu hängen. Die Bilder der übrigen Länder wurden durch unsere Aufnahms-Jury geprüft
und von österreichischen Künstlern aufgehängt.
Nicht wenig Verlegenheit und Widersprüche fand die Vertheilung der Räume,
besonders für Oesterreich. Man begegnete den widersprechendsten Urtheilen; die Einen
sagten, es wäre eine Schande, dass Oesterreich als Hausherr sich nur mit den Räumen
der Hauptfronte des alten Gebäudes begnüge und die neuen Prunksäle Frankreich und
Deutschland überliesse. Andere fanden die gegebenen Räume viel zu groß und klagten
über Mangel an guten Bildern, die man mit Ehren hängen konnte. Vergehens trachteten
wir, uns genaue Daten zu verschaffen, über die Zahl der auszustellenden Bilder der einheimischen
Künstler. Wir begegneten einer sehr großen Gleichgiltigkeit und einem durch
Nichts zu rechtfertigenden lndilferentismus, mitunter bei sehr bekannten und berühmten
Namen; so kam es, dass manches Bild überstürzt, nicht gehörig fertig gemalt, ausgestellt
wurde und den Meister nicht so reprasentirte, wie es sollte. lch führe principiell keinen
Namen an, aber wie Viele vermissten wir und bei wie Vielen mussten wir ihre Abwesenheit
tief bedauern! Einige von ihnen halten sich von den Ausstellungen principiell fern,
weil ihnen die Kritik, die sie zu erleiden haben, geradezu für ihre Existenz schädlich
und gefährlich dünkt, und so war das Resultat das, dass Oesterreich bei weitem nicht
eine solche Stellung behauptete, wie es sein konnte, trotz alledem aber doch einen achtbaren
Rang einnahm.
ich erwähne hier die Kritik und gestehe, dass ich oft Gelegenheit hatte zu erstaunen,
wie Künstler von ihren Genossen beurtheilt werden. Ein sehr lehrreiches Feuilleton
könnte man da schreiben: uDie Künstler, beurtheilt durch die Künstlers. Die Herren,
die mitunter gar so scharf zu Gericht sitzen, vergessen, dass oft in der nächsten Viertelstunde
sie mit gleicher Münze bezahlt werden, und dass diese Aeusserungen, die so rücksichtslos
gemacht werden, dann von Anderen colportirt und in die größere Masse der
Laien übertragen werden; das Resultat davon ist, dass der Liebhaber und Kunstfreund,
der sich auf die Autorität solcher Aussprüche verlässt, in seiner Ansicht befangen und
irre gemacht wird, dann lieber auf Licitationen oder bei reisenden Händlern seine Kaufe
macht, die in den seltensten Fallen für den pruducirenden Künstler von Nutzen sind.
Oesterreich hatte außer den oben angeführten Gründen noch einen schweren Stand gegenüber
Deutschland, Frankreich, Belgien und Spanien; diese Länder haben den unendlichen
Vortheil, in ihren Nstionalgalerien Schatzkammern zu besitzen, die bei solchen Gelegenheiten
geöffnet werden, um das seit zehn Jahren aufgehäufte kostbare Material in die
Wagschale zu legen. Oesterreich besitzt keine solchen Fundgruben, es musste sich begnügen
mit dem, was eben von_ der Staffelei kam, was mitunter nicht einmal fertig war,