Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 208)

313

(Lkademie der bildenden Künste.) Die erste internationale Kunstausstellung in

Wien hat die in nahezu allen Abtbeilungen wiederkehrende Erscheinung dargethan, dass

das vaterlandische Historienbild und das religiöse Bild in auffallend geringer Zahl vertreten

 war. Während Genrebild und Porträt in fast überreicher Weise in den Vordergrund

 traten, stellte sich das oberwahntc Fach nur in einzelnen wenigen Werken ein.

Diese Thatsache bestimmte Se. Excellenz den Herrn Minister für Cultus und Unterricht,

das Professoren-Collegium der Akademie der bildenden Künste in Wien aufzufordern,

darüber zu berathen, ob es sich nicht empfehlen würde, durch eine Modißcation der

Vortrage über Geschichte die akademische Jugend auf entsprechende Steife und Vorwürfe

aus der österreichischen Geschichte hinzuleiten und außerdem bei den zu pramiirenden

Compositions-Aufgitben eine reichere Vertretung des österreichischen Geschichts- und des

religiösen Bildes anzubahnen.

(Die osterretehtsohe Industrie und der Fäelhafan von Triest) Unter diesem

Titel hat der industrielle Club und der Verein der Montan-. Eisen- und Maschinen-Industriellen

 an das k. k. Handelsministerium eine Denkschrift"uberreicht, um das Auflassen

der Zivischenzoll-Linien und den Eintritt von Triest in das allgemeine Zullgebiet zu begründen.

 Der Kernpunkt der klaren und ganz vortreiflichen Denkschrift wird in folgender

Weise resumirt: -Durch Einbeziehung in das allgemeine Zollgebiet wird Triest aus einem

einseitigen Handelsplatze zugleich Industriestadt und Mittelpunkt eines lndustriebezirkes,

also Hafen eines wohlbevölkerten und pi-oductiven Hinterlandes, dessen Rayon mindestens

bis zur Donau reicht; dadurch ändert sich der Charakter des Triester Handels, indem

der letztere dann weit rascher und entschiedener, als es bisher geschah. vom Zwischenhandel

 zum directen Handel, von der bloßen Spedition zum Eigenhandel voranschreitet;

beide Aenderungen endlich haben einen dritten Fortschritt zur Folge, welcher darin

besteht, dass die Seestadt ihre Interessen mit denen des Binnenlandes, des Reiches, innig

und unlosbar verbindet. Um die Frage nicht mehr zu compliciren, haben wir die in letzter

Zeit vielfach erörterten sonstigen Anliegen von Triest. so die Erbauung einer zweiten

Eisenbahnverbindung, die Errichtung neuer Dampferlinien nach dem Westen, das Begehren

von Triest nach Tarifparitat mit Fiuine u. A. hier ganz aus dem Spiele gelassen. Selbstverständlich

 müssen die Bedürfnisse von Triest sorgfältig und eingehend geprüft werden.

lkienn das Reich ein Recht hat auf Triest, als seinen einzigen Scehandelsplatz, so Iiat

dagegen Tiiest ein Recht auf Mitwirkung des Reiches dort, ivo die eigenen Krafte nicht

ausreichen Auch dem Reiche ist nur gedient mit einem blühenden Triest als kraftvollem

Handelsrirgane. Nur meinen wir, dass die Zeit der Einzelnconcessionen vorüber sei. Wir

befürworten eine Gesammtreform, wobei die Einbeziehung von Triest in das allgemeine

Zollgebiet die Grundlage und erste Voraussetzung zu bilden hatte.-(Ein

 orientalischer Bazar in Wien.) Unter diesem Titel veröffentlichte Reg.

Rath Bruno Bucher in der N. F. Pr. vom 21. Nov. eine Studie über den neuerotfneien

orientalischen Bazar des Hauses Ph. l-laas und Söhne, der wir das Folgende entnehmen:

 Durch das stetige Wachsen seines orientalischen Geschäftes hat sich das Haus

Hazis genothigt gesehen, das letztere abzuzweigen. In dem benachbarten Eclthause

der Goldschmiedgassc ist ein Flucht von Zimmern mit dem ersten Stockwerke des

Haas'schen Vllaarenhauses in Verbindung gebracht und ausschließlich den aus dem

Südosten importirten Artikeln gewidmet Bei dieser Gelegenheit sollte aber zugleich der

Versuch gemacht werden, zu zeigen, was mit dem aus der Fremde gekommenen Materiale

zu machen ist, für verschiedenen Geschmack und für W verschiedene Geldtaschen; und

der Versuch ist in einem Grade gelungen, dass man behaupten darf, Wien sei durch den

neuen wßazar oriental- um eine Sehenswürdigkeit bereichert worden, die schwerlich

irgendwo ihresgleichen hat.

Sämmtliche Räume haben Holzvertäfclung, die ebenso wie die Balkendeclten braun

geheizt und scheinbar intarsirt ist; in der That sind die maurisclien Ornamente vermittelst

 jenes Abziehverfahrens hergestellt, welches der Vater unseres Professors Leopold

Müller (einige Jahrzehnte zu früh!) erfunden, und Reg.-Rath Kosch, wie bereits für

die Keramik. jetzt auch für die Holzdecoration nutzbar gemacht hat. Die ganze Herrlichkeit,

 die bei verschiedener Beleuchtung wie Zinn- oder Fllfcnbein- oder Messingeinlegen

 aussieht und dabei vollkommen haltbar ist. ging aus den lithographischen

Pressen der Waldheimkchen Kunstanstalt hervor. Die Vertafelung enthalt Nischen

mit manrischer Bogenoilnung, in welchen Geläße Platz gefunden haben. Metall und

Porzellan in reichster Abwechslung. Musch-Arabids dienen als Fenstervcrschluss, der,

ohne den Ausblick zu hindern, doch die Vorstellung du" Äligesclilosscnhcit hervorruft,

und dasselbe ornamentale Motiv hat bei der Verkleidung der Heizvorrichtungcn Varwendung

 gefunden. Bei Abend wird das Licht von messingenen Gaskronen gespendet,

deren Korper in lndien gearbeitet niid decorirt ist. Die größeren Wandliachen und die

lings der Wande und in den Fensternischen sich hinziehenden Divans, sowie den Fu-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.