Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 208)

290

im eigentlichen Sinne des Wortes gewesen. Die moderne Zeit warf ihre

ersten Strahlen in die christlich- germanische Zeit; die Baukunst schuf

den sogenannten Uebergangsstyl, welcher sich später zur Gothik entwickelt

 hat.

Es war ein großer fruchtbarer Gedanke, welcher Karl den Großen

veranlasst hat, an der Ostgrenze des Abendlandes zum Schutze der europäischen

 Civilisation eine Ostmark zu gründen, welche berufen war, einen

Damm gegen jene unruhigen Elemente zu bilden, welche der staatlichen

Entwickelung des europäischen Völkerlebens hemmend in den Weg treten.

In Osteuropa und Asien traten Bewegungen hervor, welche die Ruhe

Europzfs störten. Die Hunnen, Avaren, Mongolen, Magyaren und Osmanen

haben wiederholt das christliche Abendland angegriffen. Noch dauert

diese Bewegung fort. In allen Zeiten hat die Ostmark und das Oesterreich,

 das sich aus der Ostmark entwickelt hat, seine Mission erfüllt.

Bevor die Habsburger die Herrschaft der Ostmark übernommen haben,

war es das Geschlecht der Babenberger, welche die Ostmark regierten,

die heidnischen Ungarn besiegten, die, kaiser- und reichstreu, wie sie

waren, an den Kreuzzügen rühmlichen Antheil nahmen und dessen letzter

Sprosse im Kampfe gegen die von Osten vordringenden Mongolen und

Ungarn auf dem Schlachtfelde bei Wiener-Neustadt am 15. Juli 124.6 in

der Bllithe des Mannesalters ruhmvoll gefallen ist. Um die Bedeutung

der Herrschaft der Babenberger hervorzuheben: brauche ich nur zu

erinnern, dass sie die Stefanskirche gegründet, den Minnegesang, Dichtung

 und Schule gefördert, das Städterecht gesichert und die Burg gegründet

 haben, in welcher die österreichischen Herrscher bis in die jüngste

Zeit ihre Residenz aufgeschlagen haben. Die Stefanskirche und Burg

sind die volksthümlichsten Repräsentanten des alten ehrwürdigen Oesterreich

 geblieben. Alle welthistorischen Ereignisse, die über das Schicksal des

Reiches dahingingen, bewegten sich in dem Weichbilde der Burg und der

Stefanskirche. Nach dem Tode des letzten Babenbergers, in der schwersten

 Zeit, wo die Gefahren, welche von Osten drohten, durch Verwickelungen

 im Innern gesteigert wurden, da war es für das deutsche Reich

und für die Ostmark ein wahrhaft glückliches Ereigniss, dass der verwaiste

Thron in die Hände der I-labsburger gelangte. Es war im Jahre 1273,

als der Graf von Habsburg von den deutschen Churfürsten zum deutschen

König gewählt wurde, und so viel auch in Geschichte und Sage über die

Wahlvorgänge enthalten ist, so steht doch fest, dass die Vorzüge des

habsburgischen Grafen, vor Allem seine persönliche Tapferkeit es waren,

welche die Wahl der Churfürsten auf ihn lenkten, urn in jener Zeit der

Willkür den Landfrieden wieder herstellen und den Adel und die streitenden

 Städte und Bischöfe in ihre Schranken zurückweisen zu können.

Die Festigkeit, welche der mannhafte Habsburger bei Herstellung des Landfriedens

 zeigte, vermochte doch nicht den Widerstand des hochstrebenden

Pi-emysliden Ottokar zu brechen, welcher wiederholt den Landfrieden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.