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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 209)

geht auf die allerbilligsten Artikel über, die so schlecht gearbeitet sind,

dass sie in Folge mangelhafter Technik gleichsam nur eine Scheinexistenz

führen. Der dabei angerichtete Schaden ist ein zweifacher. Denn nicht

nur, dass der solide Bürgerstand von dieser Art Kunstindustrie nichts

wissen will, sie entfremdet ihn den kunstgewerblichen Bestrebungen überhaupt.

 Was uns also noch immer in hohem Grade noth thut, das ist

solid gearbeiteteffeinfacbehpreiswürdige Waare. Dass solche möglich ist,

und wie dabei Consurnenten und Produceuten ihren Vortheil finden, werde

ich später zu zeigen Gelegenheit haben.

im Großen und Ganzen macht die Ausstellung einen ähnlichen Eine

druck wie in früheren Jahren. Der Fortschritt liegt ja auch nicht darin,

stets auf Neues zu sinnen, sondern vielmehr in dem, dass das bestehende

Gute von Jahr zu Jahr an Ausdehnung gewinne und das Schlechte endlich

 ganz verdränge. Wenn daher mancher Besucher, der nach Gesammteindrücken

 zu urtheilen gewohnt ist, nichts Neues in der Ausstellung gefunden,

 so ist dies zum Theil richtig, dünkt uns aber keineswegs beklae

genswerth. Indess auch dem Bedürfnisse nach Neuemist bis zu einem

gewissen Grade Rechnung getragen, indem sich mehr als je sehr verschiedene

 Stylarten bemerkbar machen. Die Sucht nach Neuem, so

recht ein Kriterium einer unkünstlerisch empfindenden Zeit, hat es

dahin gebracht, dass neben der Pflege der Renaissance noch in allen

möglichen Stylformen Versuche gemacht werden, so dass auch Jene

manches für sie Gescharliene finden, welche der Kunst keine Liebe entgegenbringen

 und die stille unvergängliche Freude nicht kennen, die ein

Kunstwerk bei feinfühligen Menschen hervorzurufen vermag, dagegen ähnliche

 Reize verlangen wie der halbgebildete Theaterbesucher von Operette

und Lustspiel. Dass aber für diesen Geschmack nicht allzu reichlich

Sorge getragen ist, daran sind nicht die industriellen schuld, sondern

das Museum, das dem unruhigen künstlerischen Drange unserer Zeit

Festigkeit und Haltung entgegensetzen muss. Noch immer erfreut sich

die Renaissance in weiten Kreisen zahlreicher Freunde, wenn auch

gewisse Schichten der Gesellschaft entschieden dem Barock- und Rococostyle

 zuneigen, und während ihnen vor Kurzem der Geschmack des

Empire so ferne lagi, als hätte er nie existirt, in jüngster Zeit selbst in

dieser Stylform manches Anziehende zu finden glauben. Wir können

hierin nicht etwa einen Vorzug unserer Zeit erblicken, indem wir rühmend

 darauf hinweisen, wie die Gegenwart, angeblich wie keine Epoche

vor ihr - denn die spätere römische Kaiserzeit war eine solche - den

Schönheiten der verschiedensten Kunstformen gerecht zu werden und

ihren inneren Werth nachzuempfinden versteht. Geschichtschreiber haben

fast nie Geschichte gemacht und wenn wir in unserem großen und kleinen

Hausrath, soweit er mit der Kunst zu thun hat, gleichsam Geschichte

schreiben, so steht es schlecht um die Kunst selbst. Am nachtheiligsten

wirkt solches Streben auf das große Publicum und die Gewerbetreibenden.
            
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