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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 212)

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können. Sie bieten als Ornamente reizend stilisirte Pflanzenmotive,

 Rosetten und Vögelchen. Von den ursprünglich links und

rechts neben den Brustspangen befindlichen, zur Modesache gewordenen

 adjunctae tabulae, d.h. kleinen viereckigenAbzeichen in Gobelinausführung,

 sieht man an der rechten Brustspange (Nr. 71) noch

die Spuren der Benähung und Unterlage eines derselben. Die Clavi

selbst sind abgefallen. Dagegen hat sich eines der vier, nach spät

römischer Sitte den untern Theil der Tunica (je zwei auf der Vorderund

 Rückseite) schmlickenden aufgenähten kleinen Rundmedaillons

(orbiculus) erhalten. Dieses Meisterstück zartester Gobelinornamentik

zeigt in der Mitte ein Blumensträusschen.

Unser Byssus-Gewand gehörte zweifelsohne einer vornehmen Dame, deren

. langes schwarzes Haupihaar zum Zeugniss dessen in den feinen Maschen des Gespinnstes

 gefangen, hieher gelangte. Es reiht sich jenen berühmten oder berüchtigten

 Textilerzeugnissen an, welche dazu bestimmt waren, die damit Bekleideten

unbekleidet erscheinen zu lassen. ln der That ist auch das vorliegende völlig

durchsichtige und wolkige, doch nicht gerade zu den allerfeinsten gehörende Byssusgewebe

 ganz danach beschaffen die Formen wohl zu bedecken, nicht aber zu

verhüllen. Die jüngeren lateinischen Schriftsteller charakterisiren deshalb derlei delicate

gazeartige Gewebe mit der Bezeichnung uentus textilia (gewebter Wind), wofür die

Perser die entsprechenden Ausdrucke nib-i-rewä (Aether) und baf! hewa" (gewebte

Luft) gewählt haben. Als die Araber 641 n. Chr. Aegypten den Griechen entrissen,

blühte die Byssusfabrication dort in verschiedenen Städten, welche uns die muhamedanischen

 Schriftsteller namhaft machen, weiter. Sie nennen den kostbaren Stoff

par excellence er-raff (der Superfeine), worunter jedoch auch eine Art Leinenbyssus

 (der Iinea nebula, wleinene Nebel: lateinischer Autoren) verstanden wird. Bis

zum Jahre 96b n. Chr. belief sich der ägyptische Byssusexport nach Irak und

Persien auf jährlich zwanzig bis dreissigtausend Dinar (ca. a6o.ooo-3go.ooo Frcs.).

Bruchstück einer Tunica aus feinem Linnen; reichverziert mit verticalen

 Parallelstreifen. Dieselben bestehen in aufgenähten schmaleren

blauen Wollstreifen mitlancirten weissen geometrischen Ornamenten,

welche mit breiteren Streifen (broscbirte und gestickte Kleinmuster,

wie rothe Blattmotive und buntfarbige Vogelgestalten) abwechseln.

Die um das Gewand laufende Saumborte (in circuitu ornata cum

listu) besteht wieder aus einem blauen Wollstreifen mit überschossener

 weisser Dessinirung.

74.-75. Bruchstück eines uni gestreiften feinen Leinengewandes (der

sog. arab. Kaßab-Stoß"). Von der farbigen Ausschrnückung, welche

hier in bunter Seide ausgeführt ist, sieht man noch die eingestickte

fein geblümte Rückenspange (Nr. 74) und Brustspange (Nr. 75).

Letzterer zur Seite ein liegend aufgenähtes grösseres Blattzeichen

(cum adjuncta tabula).

Leinwandstück mit eingearbeiteter gestielter Blattfigur. Der rothe

und grüne Wollgrund ist zum grössten Theil herausgemodert,

wodurch die Kettfäden des Gewebes bloss liegen und der Figur in
            
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