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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 218)

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erworbenen Disposition desselben entsprechender Haltung darzustellen habe;

ähnlich muss auch die Architektur ein möglichst einfaches Verhältniss ihrer

Gliederungen zum Ausdruck bringen. i

Mit Rücksicht auf die Associationen, welche die Phantasie an den

sinnlichen Inhalt knüpft, ergibt sich, dass, da die äußere Erscheinung die

Grenze der bildenden Kunst ist, Alles, was nicht direct darstellbar ist,

keine Aufgabe für das Erfassen des Kunstwerks, dass demnach das

letztere insbesondere nicht ein bloßes Zeichen für geistige Vorgänge,

für welche die äußere Erscheinung keine Erklärung bietet, bilden soll.

Andernfalls wird zwischen der äußeren Erscheinung und den angedeuteten

psychischen Vorgängen, zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten ein

Wettstreit der Aufmerksamkeit entstehen, der in Anbetracht der relativen

Enge des Bewusstseins nothwendig zur Vernichtung des einen Theiles

des sinnlichen und künstlerischen Eindruckes führt.

Deshalb ist auch z. B. das Maß der Individualisirung einer Gestalt

ein ziemlich beschränktes. Jene Associationen hingegen, die dem sinnlichen

 Inhalt nicht entgegenarbeiten, sondern denselben bereichern, sind

ein wichtiger Behelf, die äußere Erscheinung des Kunstwerks zu beleben

und zu mächtiger Wirkung zu bringen, wie z. B. alle räumlichen Proportionen,

 die Unterstufe der malerischen Perspective durch die Intensität

der Farbe, die Erzeugung des Eindruckes der Höhe durch die steilen

Linien und spitzen Winkel der Gothik, der Geräumigkeit durch das

Ebenmaß der drei Dimensionen u. s. w.

Da die Vorstellung der Bewegung im Gegensatze zur Farbe der

räumlichen Ausdehnung ist, keinen Theil der Empfindung bildet, sondern

ein, mit Hilfe der wirklichen Ortsveränderungen erzeugtes Product der

Phantasie ist, so wird die Plastik, da sie jedesmal nur einen einzigen

Augenblick der Gestaltung auszudrücken vermag, von der Darstellung der

Bewegung nur einen beschränkten und indirecten Gebrauch machen

können. Alle diese psychischen - nicht physiologischen - Elemente

weisen darauf hin, dass die Gestalten der bildenden Kunst, und zwar

iene der Plastik mehr als die der Malerei, eine Tendenz zur ruhigen,

normalen Haltung unter Vermeidung der Andeutung heftiger psychischer

Erregung besitzen und dass dem Künstler, bei aller Freiheit auf seinem

eigenen Gebiete, dem der äußeren Erscheinung, eine Schranke in dem

sinnlichen Materiale seiner Kunst, in dem ibiov aicönröv derselben,

gesetzt ist.

Der Vortragende führte diese Momente an zahlreichen Beispielen der

Antike und Renaissance, sowie auch an den entgegengesetzten Erscheinungen,

 insbesondere der Barocke näher aus, wobei er jedoch hervorhob,

dass diesen psychischen Elementen -- ähnlich wie den statistischen Gesetzen

 - nur ein allgemeiner EinHuss auf das gesammte Auftreten

der Kunst zukomme, ohne dass man jedoch erwarten könne, dass sie

in den einzelnen Kunstwerken jedesmal direct und bewusst Ausdruck
            
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