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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 218)

geöffnet bleibt, wurde auch durch den Besuch Ihrer kaiserl. Hoheiten

Kronprinz Rudolf und Stephanie, des durchlaucht. Protectors Erzherzog

Rainer, Sr. kais. Hoheit Erzherzog Karl Ludwig und Sr. Excell. des

Unterrichtsministers ausgezeichnet. Ihre Hoheiten nahmen bei dern

Rundgange wiederholt Veranlassung, die Fortschritte der Schule hervorzuheben,

 und gaben am Schlüsse der Besichtigung in huldvollen Worten der

Anerkennung über die Leistungen der Schule Ausdruck.

(Von der Knnstgewerbesohnle.) Die Vortrage des Hrn. Dr. Friedr. Linke

über gewerbliche Chemie mit besonderer Berücksichtigung der Farben und Metalle in

Bezug auf keramische Decoration finden jeden Dienstag und Donnerstag statt, und es

können auch Hospitanten aus den Kreisen der Industriellen und Dilettanten an denselben

 theilnehmen.

(Die Bürgermeister-ketten der Commune Wien.) Reg-Rath J. v. Falke,

Vicedirector des Oesterreiehischen Museums, schrieb über dieselben in der nNeuen Freien

Pressen Folgendes: viDie soeben im Oesterr. Museum erfolgte Ausstellung der vielbesprachenen

 Ehrenketten des Bürgermeisters und seiner Stellvertreter ist wohl erlaubte

Veranlassung, diesen Arbeiten noch aus dem künstlerischen Gesichtspunkte einige Worte

zu widmen. Nicht oft geschieht es, dass dem heimischen Goldschmiedegewerbe eine

solche Aufgabe gestellt wirdf, und noch seltener,dass sie in die rechten Hände kommt

und die rechte Losung findet. Die Aufgabe wurde vom Comite in die bewahrten Hände

Storck's gelegt. Heute ist Joseph Storck unbestritten der Erste unter den lebenden

Künstlern auf dem mannigfach gearteten Gebiete der Kunstindustrie. Er fasste die Aufgabe

 sofort in dem Sinne, mit ihr zu zeigen, was die Wiener Goldschmiedekunst in den

beiden letzten Jahrzehnten, der Epoche der großen kunstgewerblichen Reformen, gelernt

habe, und was sie heute zu leisten vermoge. Und wenn, wie es in der That der Fall

ist, die Sache in diesem Sinne zur Erfüllung gekommen, so mag man auch dem Comite

und seinem Obmanne, Herrn Maresch, ihr Verdienst darum zuerkennen. Es ist ein

schönes Werk geschaffen worden. Das Beste, was heute von der Goldschmiedekunsr

geleistet wird, liegt in der Richtung der Alten. Was die Goldarbeit speciell betrifft, so

hat Castellani die Wege gezeigt. indem er Art und Technik des etruskischen und griechisehen

 Sclimuckes wieder aufnahm, und hierin ist ihm bei uns Bacher (Firma J. Becher

und Sohn) gefolgt und hat seit etwa zehn Jahren Ehre und Preis sich erworben. Aber

wir haben heute noch andere feine Kunstrechnik wieder aufgenommen: das Niello

der Renaissance und die Goldtauschirung der Orientalen, welche doppelte Technik

C. L. Lustig zu seiner Specialität gemacht hat. Aus der vereinigten und harmonischen

Anwendung dieser drei Techniken, zu denen sich als vierte das Kettengeflecht, langst

ein Ruhm der Firma Bolzani und Füßl, gesellte, sollten die Ehrenketten als echtes

und wahres Kunstwerk hervorgehen. Wir haben mit jenen Namen zugleich die Mitarbeiter

 genannt. So gliedern sich die Ketten aus goldenen, medaillonartigen Schildchen,

welche mit zierlichem Laub umkrfinzt, mit feinstem Filigran in Ranken und Rosetten

belegt und mit riiellirten und goldtauschirten Platten gefüllt sind. Diejenigen der Bürgermeisterkette

 wechseln mit anderen Schildchen, welche das emaillirte Wappen der Stadt

tragen, während diejenigen der beiden anderen Ketten mit breitem Kertengeflechr verbunden

 sind. Die Schildchen zeigen auf dunklem Grunde in Silber und Gold die Figürchen

 der Bürgertugenden (eomponirt von Eisenmenger) oder Embleme oder verzierte

lnschriftbander, welche dereinst die Namen der Träger mit dem Datum ihrer Amtswürde

zeigen sollen. An jeder Kette hängt als Schlussstück ein größeres Medaillen mit dem

Doppeladler in Gold tauschirt. Auch die Casserten oder vielmehr Etuis, eine Arbeit von

August Klein, sind künstlerischer Art; sie sind verziert mit der einst so viel geübten,

nunmehr erneuten, auf Jahrhunderte soliden Technik des geschnittenen Leders, die wir

heute endlich, zur Krönung unserer vielfachen Bemühungen. aus dem Standpunkte der

Versuche in die wirkliche Industrie aufgenommen sehen. Die Wirkung der Ketten, als

Ganzes betrachtet, ist reich, prächtig, ein echter und würdiger Schmuck in eigentlicher

und bester Bedeutung des Wortes. Und wenn erst die Patina des Alters sich darüber

legt, wird sie für das künstlerische Auge noch gewinnen. So darf diese Arbeit von heute

die Kritik der Jahrhunderte nicht scheuen; sie wird unter aller kommenden Veränderung

des Geschmackes sich behaupten.

(Teohnologlsohes Gewerbemueenm.) Der niederosterreicbische Gewerbeverein

schreitet nun nach Beendigung der bezüglichen Vorerhebungen zur Activirung einer

dritten Section, d. i. eines Institutes für die gesammteMetallbeat-beitung, und

veranstaltete zu diesem Bebufe am 25. October Abends eine Versammlung hervorragender

Interessenten der Metallindustrien. Nach einer kurzen Begrüßung der Versammlung durch
            
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