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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 219)

wirken, und auf Betrieb von Nicolaus Dumba und Graf Edmund Zichy, denen

auch die Einleitung und das glückliche Gelingen der vorjährigen Expedition zum größten

Theile verdankt wird, sind alle erforderlichen Vorbereitungen getroffen und durch Privatbeitrage

 die nicht unbedeutenden Geldmittel aufgebracht worden. Die Munincenz Seiner

Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von Liechtenstein, welcher kunstwissenschaftliche

 Bestrebungen in Oesterreich seit Jahren mit persönlichem Antheil verfolgt

 und unterstützt, sicherte auch das neue Unternehmen in entscheidender Weise];

außerdem trugen wie früher Graf Carl Lanckdronski, Baron Albert Rothschild,

Graf Edmund Zichy, Nicolaus Dumba und Adalbert Ritter von I.annain Prag

bei. Vor zwei Monaten begab sich der Ingenieur Gabriel Knafft Ritter von Johnsdorf,

 welcher die schwierigen technischen Arbeiten der vorjährigen Expedition geleitet

hatte, im Auftrage der Genannten an Ort und Stelle, begleitet von einem kleinen Stabe

Triestiner Arbeiter und dem vom Reichs-Kriegsministerium ihm zugetheilten Feuerwerker

Johann Schuster von Graz. Die Aufgabe, die er dort vorfand, ist mühevoll und

dürfte ihn mehrere Monate beschäftigen. Es gilt den gefährlichen Transport ungewöhnlich

grosser Steine, welche in straßenloser Gebirgseinöde von dem Gipfel eines 2{oo Fuß

hohen jahabstürzenden Berges sieben Stunden weit an das Meer zu bringen sind. Das

Portal besteht aus drei kolossalen Stücken , welche ein Gesarnmtgewicht von

2.60 Centnern besitzen: der Sarkophagltasten, der eine griechische Inschrift tragt und der

beiderseits reich mit Reliefs verzierte spitzbogige Sarkophagdeckel haben annähernd die

gleiche Schwere; ein gleichfalls reich mit Bildwerken ausgestatteter zweiter Sarkophag

von ahnlich enormer Größe kommt hinzu, den die Gesellschaft sich verpflichtet hat, für

die Antikensammlung des Sultans nach Constantinopel zu bringen. Beeinträchtigt wurden

die Arbeiten anfänglich durch den Mangel an Arbeitern im Lande und durch Wassernoth,

 da die Cisternen bis auf einen trüben Bodensatz versiegt waren; im October hatte

die obdachlose Colonie mehrere Tage hindurch von anhaltenden Regengüssen zu leiden,

und wurde ein Theil der zugelaufenen Arbeiter von dem Kaimakam. der sammt sieben

berittenen Gendarmen in Person erschien. mit blanker Klinge als IRauberu zu Paaren

getrieben und in Ketten abgeführt. Dank der Energie des Ingenieurs gebt aber die Unternehmung

 befriedigend von Statten; mit dem Eintreffen des Transportschiifes ePolal,

Commandant Salvini, welches ihr auf Initiative des Oberst-Kammerers Grafen Crenneville

 dienstlich zugewiesen wurde, wird sie rasch ihr Ende erreichen. Sofern nicht Unglücksfalle

 eintreten, wie sie bei einer derartigen nicht allein auf persönlichem Muth und

Ausdauer gestellten, sondern von Zufallen abhängigen Aufgabe im Orient immer zu gewärtigen

 bleiben, rlarf man also hoffen, in Kurzem alle Theile des gehobenen Kunstschatzes

 in Wien vereinigt zu sehen. Umso dringlicher wird dann die Frage, welche

bereits die Beamten des Antikencabinets beschäftigt und auch in hiesigen Künstler- und

Gelehrtenkreisen ventilirt wird, ob und in welcher Weise es möglich sein wird, dem

ganzen Monumente eine würdige einheitliche Aufstellung zu verschaHen.

(Vom Wiener Hauen-Erwerbverein.) Der Jahresbericht des Wiener Frauenl-Irwerbvereins

 wurde diesmal von Frau Mathilde Lippitt, der I. Vicepräsidentim

des Vereins, verfasst, da die Secretarin des Vereines, Frau Aglaia von Enderes, am

I4. Juli aus der Reihe der Lebenden geschieden ist. Der geistvollen Dame gab dies

Anlass, die Wirksamkeit der Frau v. Enderes zu schildern, die seit dem Jahre 1867

dem Vereine als Ausschussmitglied angehürte und später das Secretariat des Vereines geführt

 hat. Seit dem Jahre 1869 entstammten alle Jahresberichte ihrer Feder, sie richtete

das Archiv ein, ordnete die Bibliothek. Besonders die lernbcgierige Jugend hatte sie in

ihr Herz geschlossen und vertrat ihre Interessen und Leistungen auch bei öffentlichen

Ausstellungen. Alle von ihr verfassten Schriftstücke zeichnen sich durch einnehmende

Form und klaren Ausdruck aus. Sie gab ein leuchtendes Beispiel, wie gründliches Wissen

und ausgedehntes Wirken die Piiichten der Gattin und Mutter nicht beeinträchtigen.

Der Verein hat im abgelaufenen Jahre auch den Tod der Assistentin der Zeichenschule,

Fräulein Hermine Ditter, und des Ehrenmitgliedes Freiherrn v. Ferstel zu beklagen.

Frau Lippitt theilt mit, dass die 15 Schulen des Vereines im fortschreitenden

 Gedeihen begriffen sind. Sehr zeitgemäß sind die Winke über das wünschenswerthe

 Alter für den Eintritt in die verschiedenen Schulen gegeben. aNach unseren Erfahrungen

 möchte ich betonen, dass für die Aufnahme in die sechsclassige höhere Bildungsschule,

 für welche die Vorkenntnisse guten elementaren Unterrichtes genügen,

Mädchen von io-it Jahren die besten Resultate erzielen. Sie fügen sich dann am leichtesten

 unter die strengere Methode planmäßig entwickelten Fortschreitens. in all" jenen

Cursen aberfzwelche unmittelbar zum selbstständigen Erwerbe vorbereiten, wie Handelsschule,

 Stenographie, Schneiderei, Maschinstrickerei und Feinwascherei, erscheint das

reifere Alter von 15, x6-t7 Jahren des gerathene. sowohl zur Erreichung des Lehrzieles

und der technischen Fertigkeiten, als auch zur Empfehlung für Anstellung und Bedienstung,

wozu gereifte Kraft, Charakter und jener andauernde Fleiß, wie ihn die volle Tagesbeschaftigung

 erheischt, erwartet werden.
            
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