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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 222)

Schließung des Orientes bestimmend gewesen sein mögen. Hat es sich

doch bei den methodischen und systematischen Ausstellungen, welche der

geistvolle französische Künstler F. Gaillard (in der französischen Abtheilung)

und die k. k. österreichische Nationalbank (Entwickelung des Banknotendruckes)

 veranstalteten, gezeigt, welch" großen Raum eine methodische

und historische Darstellung von Kunsttechniken beansprucht, wenn sie

den Anforderungen der Fachmänner genügen soll.

Gleichwohl war die Ausstellung schon so umfassend, dass vieles von

dem, was angemeldet und angenommen wurde, wegen Mangel an Raum

nicht ausgestellt werden konnte und dass es nicht wenige kunstgebildete

Besucher gegeben hat, welchen die Muße fehlte, die Ausstellung in allen

ihren Theilen zu durchwandern und alle dort vorhandenen Kunstobjecte

eingehend zu besichtigen.

Wenn, wie nicht zu zweifeln ist, diese Ausstellung sich wiederholen

und eine systematische und dauernde Form erhalten wird, dürfte sich

von selbst die Nothwendigkeit ergeben, dasjenige, was wir diesmal als

Lücke empfanden und vermissten, in späterer Zeit zur Anschauung zu

bringen.

Auch derjenige, der wie der Schreiber dieser Zeilen sich über diese

Ausstellung ausspricht, muss im Voraus erklären, dass es ihm auch nicht

um eine eingehende Berichterstattung zu thun ist und dass bei der Fülle

des gebotenen Materials sein Bericht in mehr als Einer Beziehung unvollständig

 sein muss. Nur einige Punkte sollen etwas ausführlich erörtert

werden, welche von allgemein kunsthistorischem lnteresse sind.

Aus Anlass dieser Ausstellung wurden die Ausdrücke graphische

Künste, vervielfältigende,reproducirende, zeichnendeKünstehäufig

 als gleichwerthig gebraucht. Dies aber ist nicht der Fall. Vor

Allem muss festgehalten werden, dass mechano-technische Kunstfertigkeiten,

 bei welchen in der Praxis eine Kunstbildung und Kunstfertigkeit

im Zeichnen blos vorausgesetzt und wünschenswerth ist, nicht als in das Gebiet

 der Kunst gehörig angesehen werden können. Sie sind Hilfsmittel,

Hilfsapparat e, aber nicht Künste. Es ist ein charakteristisches Zeichen

unseres Jahrhunderts, dass es als ein vorwiegend industrielles, den mechanischen

 Wissenschaften dienstbares bezeichnet werden muss, und dass

daher auch die graphischen Künste durch jene zahlreichen, geistvollen

Erfindungen der Mechanotechniker beeinHusst werden, welche neue Maschinen

 und neue chemische Reproductionstechniken erfinden, dadurch

die Vervielfältigung erleichtern und der modernen Gesellschaft entgegenkommen,

 indem sie diese neuen Teckniken für wissenschaftliche und künstlerische

 Zwecke verwenden.

Wenn man jetzt häufig von Graphik, graphischer Kunst so ganz im

Allgemeinen spricht, und damit auch jene mechano-technischen und chemischen

 Hilfsapparate, welche der Vervielfältigung dienen, mit ersterem

Ausdrucke bezeichnet, um sich verständlich zu machen, so kann man
            
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