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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 222)

vorragendsten Meistern früherer Zeit geschaffen wurden. Alle diese Meister

und Vorbilder waren aber in erster Linie eri-indende Künstler, selbstschöpferische

 Geister, die nicht blos verstanden, geistvoll das zu vervielfältigen,

 was Andere gedacht und erfunden hatten. Uns interessiren bei

ihren Arbeiten nicht blos die Kunstformen, sondern auch der Gedankeninhalt

 ihrer Leistungen. Die Kupferstiehe von M. Schongauer, Mantegna,

Albrecht Dürer, die Holzschnitte von Dürer und Holbein, die Radirungen

von Rembrandt und Van Dyck u. s. f. bleiben immer unsere Vorbilder

im Kunstleben und in den Kunstschulen. Und trotz der vielgepriesenen

Leistungsfähigkeit unserer Kunstdruckereien und Verlagsbuchhandlungen

hat unser Jahrhundert kein Werk aufzuweisen, welches sich mit der illustritten

 Bibel von Koburger, dem Weißkunig oder einem ähnlichen Werke

messen könnte, - von jenen Illustrationswerken nicht zu sprechen, welche

von einem Dürer oder Holbein herrühren.

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Nach diesen allgemeinen Betrachtungen gehe ich auf die einzelnen

Zweige der zeichnenden Künste ein, um die hervorragendsten Erscheinungen

 auf jedem der einzelnen Gebiete kurz anzuführen mit Hinweis auf

jene Andeutungen, welche hervorragende Fachmänner in dem willustrirten

Kataloge der ersten internationalen Special-Ausstellung der graphischen

Künste in Wiem ") ausgesprochen haben. Es war ein sehr glücklicher Gedanke,

 solcheqMänner direct zu Wort kommen zu lassen. S0 hat für den

Holzschnitt Wilh. Hecht, für den Kupferstich Louis Jacoby, für die

Radirung William Unger, für die photo-mechanischen und chemischen

Druckverfahren W. Röse, Angerer 84 Göschl, und für die Photographie

 G. W. Seitz das Wort ergriffen. Hecht, Jacoby und Unger sind

Künstler; diejenigen, welche die Einleitungen zu den mechanischen Vervielfältigungsverfahren

 geschrieben haben, sind Techniker, welche sich

als solche eine hervorragende Stellung erworben haben.

DerHolzschnitt hat auf dieser Ausstellung seine alte Bedeutung gewonnen,

 nicht in den Augen speculirender Verleger, welche erfüllt von den

neuen mechanischen Reproductionsverfahren den alten Holzschnitt als eine veraltete

 Kunsttechnik gerne in die historische Rumpelkammer werfen wollten.

Auch dieJury hat kein volles Verständniss für die Bedeutung des Holzschnittes

gezeigt. Ein volles Verständniss bringt der Münchner Künstler W. Hecht

dem Holzschnitte entgegen. "Während der Kupferstichß, sagt Hecht, wschon

seit lange sich allenthalben staatlicher Unterstützung und akademischer

Pflege erfreut, ist für den Holzschnitt so gut wie nichts geschehen. Er

bleibt in Erziehung und Erwerb meist auf sich selbst angewiesen, und

') Derselbe erschien in Wien 1883 im Verlage der nGesellschnft für vervielfültigende

Kunsn, ist mit einer Vorrede und einer Einleitung von Prof. C. v. Lützow versehen,

und von der k. k. Hof- und Stuatsdruckerei vortrefflich gedruckt. Der Preis von 6 fl.

ist in Anbetracht der zahlreichen lllusuatiunen ein sehr niedriger.
            
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