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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 224)

IOL

Das Wissen ist ohne Zweifel für den Arbeiter ein wichtigesWerkzeug

 der Macht, der Herrschaft über die Materie, aber es ist auch ein

kraftiges Mittel zur Beruhigung und Wiederherstellung des Friedens:

die Leidenschaften der Anarchie sind alle Tochter der Unwissenheit.

Wenn man den Arbeiter nicht nur die Naturgesetze lehrt, mit denen er sich bei der

Ausübung seines Handwerks befasst, sondern ihn gleicherweise mit den socialen Gesetzen

 vertraut macht, wenn man ihn die wirthschaftlichen Erscheinungen klar erkennen

lasst, welche die Feinde der bestehenden Gesellschaft (die gleichwohl die freieste und

demokratischste aller Gesellschaften ist) zu verdrehen und zu verdunkeln suchen, wenn

man dem Arbeiter richtige Begriffe über die socialen Probleme vermittelt, so ist das ein

großer Schritt zu ihrer Lösung. Das was in anderen Zeiten nur eine religiöse oder dunkle

Resignation einer unverstandenen Nothwendigkeit gegenüber war, kann durch die Fortschritte

 der Erltenntniss und durch die Gewöhnung an das Nachdenken eine vernünftige

und freiwillige Zustimmung zu dem natürlichen Gesetz der Dinge werden, eine Zustimmung,

 welche sich in vieler Hinsicht durch ein richtigeres Verständniss der Mittel belohnt,

mit deren Hilfe man die Harten desselben rnildera kann.

Ich habe endlich gesagt, dass in dieser Angelegenheit ein wichtiges wirthschaftliches

 Interesse in Frage komme. Gewiss ist die französische eine große, arbeitsarne

Nation: sie hat auf den friedlichen Feldern der freien europäischen Concurrenz große

Siege davon getragen! Aber vor den Blicken aller Weiterschauenden liegt es klar, dass

man hier wie auf anderen Schlachtfeldern nicht auf den errungenen Siegen ausruhen

darf. Wir haben rings um uns her, vor unseren Thoren wie jenseits des Oceans außerordentlich

 gefährliche Concurrenten in Bezug auf die Arbeit. Das was von ihren Erzeugnissen

 zu uns gelangt, die Berichte, welche bei uns eingehen, und vor Allem die Concurrenz,

 welcher wir draußen auf fremden Markten begegnen, alles das gibt uns Warnungen,

 die wir nicht unterschätzen dürfen.

Ja, sowohl auf dem industriellen wie auf dem anderen Schlachtfelde kennen

Nationen fallen und zu Grunde gehen; auf diesem wie auf jenem Schlachtfelde kann

man überrumpelt werden, kann man durch nbertriehenes Vertrauen, durch Selbstbewun

derung oder durch Thatlosigkeit, Trägheit der öffentlichen Gewalt in kurzer Zeit eine

bis dahin unangefochtene Ueberlegenheit verlieren. Vor dieser großen Gefahr soll unser

Land der Arbeitsunterricht schützen; es gibt kein wichtigeres nationales Interesse, und

ich kann es hier sagen und wiederholen, ohne zu fürchten, von Jemandem widerlegt zu

werden: es ist an der Zeit, meine Herren, die Werkstatt wiederherzustellen,

das heißt das Vaterland wiederherstellen]

Der Laaser Marmor auf der XIV. Jahresausstellung im

Künstlerhause zu Wien.

Von R. v. E.

Der Schwerpunkt der heurigen internationalen Jahrcsausstellung liegt

in den plastischen Werken. Unter diesen nehmen die Arbeiten, welche

in Laaser Marmor ausgeführt wurden, eine hervorragende Stelle ein.

Schon im August des Jahres 1874 (Mittheilungen des Oesterr. Museums,

Jahrg. IX, Nr. 10g) habe ich die Aufmerksamkeit des Publicums auf die

Marmorbrüche in Laas gelenkt und erlaube mir heute auf diesen Gegenstand

 zurückzukommen. Diese Marmorbrüche werden einen Theil des

Nationalreichthums Oesterreichs bilden, wenn sie gehörig benützt und

rationell ausgebeutet werden. Lange hat es gedauert, bis die Vorzüge

des Laaser Marmors den Künstlern und dem Publicum klar wurden.

Unsere Bildhauer, die sich vorzugsweise nur mit dem Modelliren beschäftigen

 und nicht gewohnt sind, in Stein zu arbeiten, begünstigen den

Carrara-Marmor, der ihnen bekannter ist und der von den wälschen

Unternehmern und Punkteurs stets in den Vordergrund gestellt wird.

Erst heuer kommt der Laaser Marmor zur Geltung und zwar durch eine
            
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