K LElNERE MITTHEILUNGEN.
(Gedenkfelerliohkeit im Museum.) lm Laufe des Monats Mai
wird das Denkmal des Oberbaurathes Heinrich Freiherrn von Ferstel
zur Aufstellung gelangen, welches das Curatorium dem Erbauer des
Museums gewidmet hat. Aus Anlass dieser Feierlichkeit wird im Museum
auch eine Ausstellung von Zeichnungen, Aufnahmen und Entwürfen
Ferstel's veranstaltet und hat sich die Direction in einem Aufrufe an
die Besitzer von Zeichnungen des verstorbenen Künstlers mit der Bitte
um freundliche Ueberlassung derselben zu Zwecken dieser Ausstellung
gewendet.
(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate
April von 7918, die Bibliothek von m79 Personen besucht.
(Oesterr. Museum.) Neu ausgestellt: Im Arcadenhofe: Plastische Arbeiten
von A. Kühne, Lehrer an der Kunstgewerbeschule, uWassertragerinu, i-Schnittera,
nPhrynen, nThorwartu und Anderes; - im Saale Vll: Polychromirte Holzschnitzereien
von W. Rerneschw aus der Schule von H. Klotz; - im Snale Vl: Anstreicherarbeiten
von Feger und Freygag in Wien; - im Saale I_: zwei Platten, gepresste
Arbeit in Silber vom Jahre t656 und ein Armband von Kurdistan.
Kühne, dessen Statuetten oben angeführt sind, nimmt unter den
österreichischen Bildhauern bereits eine beachtenswerthe Stellung ein.
Seine Arbeiten sind feinsinnig, eigenartig und sorgfältig in der Modellirung;
seine nackten Figuren sind nie frivol und auch für zart empfindende
Beschauer nie beleidigend. Ganz reizend sind uder Schnitten: und
v-die Violinspielerinu und würden sich für Ausführung in Metall ganz
besonders empfehlen. "Der Thorwartu ist eine Bestellung und wird im
Großen in Marmor ausgeführt werden. A. Kühne ist ein Sachse, aus
der Schule HaehnePs hervorgegangen, und wirkt seit Jahren erfolgreich
an der Kunstgewerbeschule des Museums.
- lm Vorlesesaal des Museums ist seit etlichen Tagen ein reichhaltiges nPhotographisches
Wander-Albumi entfaltet. Die 540 Cartons mit S31 Bildern bedecken auch
die Wande des in 'Zellen aufgetheilten Vorraumes. Die Ausstellung ähnelt der vor
Kurzem gleichfalls in diesen Localitäten dem Publicum vorgeführten Baron Stillfriedsehen
Sammlung. Förderung der Erd- und Völkerkunde durch Anschauung: das ist der
Zweck der gegenwärtigen, wie es jener der kurz vorhergegangenen Ausstellung war.
Der Aussteller dieses Albums ist der Marine-Oberstabsarzt Dr. Heinr. Wnwra v. Fernsee.
Auf seinen acht Weltreisen seit dem Jahre t857 speicherte er Erinnerungsblatter
auf, wo welche zu haben waren, von Objecten, die er selbst gesehen, mit vornehmlicher
Bedachtnahme auf die außereuropaischen Lander. Vertreten sind in seiner Collection
Italien, Dalmatien, Spanien, Lissabon, Griechenland, Türkei, Aegypten, Marokko,
Dakar, Capland, Java, Ceylon, Pulo-Pinang, lndien, Singapore, Siam, China, Annam,
Japan, Hawai, Neuseeland, Australien, Hnvanna, Jamaika, Nordamerika, Peru, Chili,
Argentina und Brasilien. Mexikanisches fehlt, weil dem Weltfahrer die bezüglichen
Blatter abhanden gekommen. ln der Capstadt, auf Madeira, Teneriffa war nichts
Brauchbares aufzutreiben. lu Nordamerika dient die Photographie hauptsächlich dem
Porträt und Reclamezweclren, wie beispielsweise bei der lnitiirung der wintonigenu
Pacilic-Bahn. Aus den Verkehrscentren sich viel hinauszuwagen, scheint die Herren
Photographen nicht zu gelosten. - Um nun auf die Sammlung selbst einzugehen,
lernen wir zunächst die Schiffe kennen, welche den Sammler in die Weite getragen.
Das antike Pola, die hehren Ruinen Athens und das Prachtpanorama von Constantinopel
fesseln unbedingt. Lissabon hat ein architektonisches Bijou an dem Kloster Belem,
halb maurisch-byzantinisch, halb normannisch-gothisch. Was aus China, Japan und
Siam vorliegt, deckt sich mit der Stillfriedkchen Sammlung. Neu ist hier die chinesische
Mauer, die sich als gewaltige und zierliche Architektur zugleich vorführt und
vorn Zahn der Zeit wenig benagt zu sein scheint. Die Felsentempel von Ellora, die
Prachtmausoleen von Agra, der Palast der letzten Sultane von Delhi und die Moschee-Ruinen
aus der Zeit der ersten arabischen Invasion charakterisiren Indien. Ceylon ist
durch einige singalcsische Hauptlinge und den Braminentempel zu Kandy vertreten.
Hawai weist in Porträts sein Konigsgeschlecht auf. Auf Nordamerika entfallen die Niagara-