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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 224)

_-.,

der graphischen Künste, der langjährige Friede und die allgemeine Wohlfahrt

 in einem Lande, das größer ist als das ganze contineutale Europa,

erklären diese Erscheinung. England, Belgien, Holland haben sich

in altbewährter Höhe erhalten; Russland hat so unvollständig ausgestellt,

 dass es ungerechtfertigt wäre, aus den ausgestellten Blättern einen

Schluss auf die ganze Leistungsfähigkeit Russlands auf dem Gebiete der

graphischen Künste zu ziehen; zudem leiden dort die graphischen Künste

unter dem Mangel an Pressfreiheit. Den großen russischen Staatsinstituten,

 welche sich mit Graphik befassen, ist eine große Aufgabe zugewiesen,

 in einem Lande, wo halbcivilisirte Völker den größten Theil

des Reiches bewohnen, in einem Lande, welches gegenwärtig in einer

mächtigen socialen und nationalen Bewegung begriffen ist. Trotzdem

haben einige russische Künstler im Radirfach und im Kupferstiche die

Aufmerksamkeit von Fachmännern auf sich gezogen.

Wie die Malerei so ist auch die graphische Kunst im Königreiche

Italien in einem Uebergangsstadium. Das Beste was Italien ausgestellt

hat, stammt aus jener Zeit, als das einige Italien noch nicht existirte.

Von jüngeren Radirern sind Cel. Turletti, A. Picinni undLLuigi Conconi

 zu nennen. Die römische Chalkographie, zur Zeit ihrer Blüthe

ein päpstliches Institut, ist in einer vollständigen Reorganisation begriffen.

Die großen Stecher Volpato und Toschi gehören einer früheren Periode

an, denn Volpato ist 1733 in Bassano geboren und 1808 in Rom gestorben,

 Toschi ist 1788 in Parma geboren und 1854. daselbst gestorben.

Beide Kupferstecher hatten eine schulbildende Kraft. Toschi war in der

Schule des Franzosen Bervic gebildet worden. Das Unternehmen der Verlagsbuchhandlung

 Ongania in Venedig, die Marcuskirche nach der Aufnahme

von Kreutz im Kupferstiche herauszugeben, ist wissenschaftlich und

künstlerisch wenig geglückt. Kreutz war ein Wiener von Geburt, in der

Wiener Akademie gebildet, und hat die besten Jahre seines Lebens der

Herausgabe der Marcuskirche gewidmet; ihm fehlte der Uxnternehmungsgeist

 um durchzugreifen. Ongania gehört zu den tücbtigsten Verlegern

des heutigen Italien. ,

Derjenige Staat, der in dem letzten Jahrzehnte unleugbar die größten

Fortschritte auf graphischem Gebiete gemacht hat, ist Oesterreich.

lhm kommt es zu statten, dass der gegenwärtig regierende Kaiser Franz

Joseph gleich seinen großen Ahnen von Max I. bis Kaiser Franz II. mit

besonderer Vorliebe den graphischen Künsten und der Buchdruckerei Pflege

hat angedeihen lassen. Die Ausstellung des kaiserlichen Hauses, welche

durch den kunstsinnigen Oberstkämmerer Grafen Franz Crenneville veranlasst

 wurde, gab ein glänzendes Zeugniss der Bestrebungen des Hofes,

und der Förderung, welche die graphischen Künste speciell durch denGrafen

Fr. Crenneville erfahren haben. Auch das k. k.Unterrichtsministerium

hat die graphische Ausstellung dadurch wesentlich gefördert, dass es die

Kosten der Preismedaillen aus Staatsmitteln übernommen hat. In dieser
            
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