km5
werden, allein iene Form kann wohl nicht als Beweis dafür dienen, da
sie überall und in den verschiedensten StoEen nachgebildet worden ist.
Mit vieler Wahrscheinlichkeit sind allerlei Gefäße und Gerätbe, welche
urkundlich oder traditionell mit geschichtlichen Persönlichkeiten in Verbindung
gebracht werden, auch als inländische Erzeugnisse anzusehen.
Wenn dagegen die in blendender Fülle und Schönheit exponirten Schmuckgehänge
im dritten Saale als ndie prächtigsten Stücke der ungarischen
Goldschmiedekunstn bezeichnet sind, so muss dieser Ausdruck nur in
dem Sinne genommen werden, welcher eingangs dieser Zeilen charakterisirt
worden ist.
Vollkommen beglaubigt sind die zahlreichen schlanken, beinahe
cylindrischen Becher (Saal IV), welche ehedem als ganze nSätzeu, d. h. von
gänzlich gleicher Gestalt, aber in der Größe derart sich verringernd, dass
alle ineinandergeschoben werden konnten, Neuvermählten zum Geschenk
gemacht wurden. Das Glück hat gewollt, dass achtzehn zusammengehörige
mit den Wappen eines Teleky und seiner Gattin sich hier wieder zusammengefunden
haben, nachdem sie in die verschiedensten Hände übergegangen
waren. Ihnen gesellen sich viele einzelne Exemplare bei, ferner Untersätze
von sechs- oder achteckiger Gestalt. Becher und Untersatz verwachsen
dann auch zu einem Gefäß mit mäßig vortretendem Fußrande.
Manche zeigen eine sehr primitive Musterung, andere sind kunstvoll
gravirt oder niellirt.
Beglaubigt sind ferner die Arbeiten udes Sebastian Hann in Hermannstadt,
der sich selbst auf einem Pocal von 1697 das Zeugniss ausstellt,
dass durch seine und seiner Zeitgenossen Kunst wl-Iermannstadt Augsburg
wurdenß sei. Seine Kunst entspricht aber der Zeit, der Ruhmredigkeit
und der Poesie der lnschriften.
Da wir über Werke, welche erst einige Jahrhunderte alt sind, noch
so wenig Bescheid geben können, hat das Eingeständniss voller Unwissenheit
schon weniger beschämendes, sobald wir uns auf den unsicheren
Boden vorgeschichtlicher oder jener Zeiten begeben, in welchen Völkerstämme
verschiedenster Art Ungarn überflutet haben. Gerade dort haben
Pflugschaar und Spaten schon die merkwürdigsten Schätze, unendlichen
Stoff für Hypothesen, zu Tage gefördert. Wie viele hochberlihmte und
räthselhafte Objecte umschloss allein der erste Saal der Pester Ausstellung!
Da war die Bronzevase von Egyed im Oedenburger Comitat
(1831 gefunden), welche bereits von Otfried Müller als eine Illustration
zu der Stelle bei Plinius bezeichnet wurde, in welcher (XXXIII 46) es
heisst: i-Die Aegypter färben das Silber, um ihren Anubis darauf zu
sehen, bemalen es aber nur und fertigen keine getriebene Arbeit daraus. . .
Das Mattmachen des Silbers geschieht auf folgende Weise. Man versetzt
es mit einem Drittel des besten kyprischen Kupfers, welches Kronenkupfer
heißt, und einer dem ersteren gleichen Menge Schwefels und
schmelzt alles zusammenm Die Uebereinstimmung ist allerdings in mehreren