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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 226)

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Künstler sind in dem Stuttgarter Museum der bildenden Künste ziemlich 
vollständig vertreten. In allen modernen Culturstaaten, speciell in Frank- 
reich und in den deutschen Staaten, ist man zur Erkenntniss gelangt, 
dass zur Hebung der Kunst die Förderung der Wandmalerei von der 
größten Bedeutung ist. Die monumentale Wandmalerei ist die Vor- 
bedingung einer gesunden Historienmalerei; es ist daher unerlässlich, 
dass Mittel bewilligt werden, um die Wandmalereien im Parlaments- 
hause, in der Universität, im Justizpalaste in Wien und in der Lembetger 
technischen Hochschule ohne Ueberstürzung aber in consequenter Weise 
durchzuführen. Die deutschen Staaten verwenden für solche Zwecke 
große Summen, während in Oesterreich die Mittel für derlei Aufträge so 
beschränkt sind, dass aus dem betreffenden Fonde nur die Ausschmückung 
der Mariencapelle in der Votivkirche und die noch fehlenden Fresken in 
der Fünfhauserkirche hergestellt werden können. 
Ein lebendiges Zeugniss für die Kunstbewegung unter den öster- 
reichischen Völkern ist die erhöhte Aufmerksamkeit, welche man in allen 
Kronländern des Reiches den Landesmus e en entgegenbringt, die gegen- 
wärtig nicht nur als ein wichtiger Hebel zur Förderung der Landeskunde 
betrachtet werden müssen, sondern auch den natürlichen Mittelpunkt 
bilden, an welchen sich die Kunstbedürfnisse der Kronländer anschließen. 
Es würde vollkommen gerechtfertigt erscheinen, wenn die Kronlands- 
museen aus Staatsmitteln subventionirt würden, um den kunst- 
wissenschaftlichen Bedürfnissen derselben genügen zu können. Vorläuhg 
aber wäre es dringend zu wünschen, dass von Seite der Staatsregie- 
rung ein Bericht verfasst werden möchte, aus welchem man sich über die 
Organisation, über die Leistungen und inneren Verhältnisse der Landes- 
museen genau orientiren könnte. Wenn man sich heutigen Tages über 
die so wichtige Frage unterrichten will, so muss man entweder die zwei 
in Berlin erschienenen Kunstiahrbücher von Rud. Springer und Stöhr 
zur Hand nehmen, oder nach dem in Paris erscheinenden Werk: wIJAnnee 
artistiquer- greifen. Das letztere Werk enthält über galizische und unga- 
rische Kunstzustände eingehendere Aufschlüsse, und die deutschen Kunst- 
bücher solche über diejenigen Kronländer Oesterreichs, welche als 
ehemalige Bundesländer des Deutschen Reiches gelten. 
Die geringe Summe, welche im Budget für die Zwecke der Central- 
Commission zur Erhaltung der kunsthistorischen Denk- 
maleü ausgeworfen ist, zeigt wohl das Bestreben, den Bedürfnissen der 
gewerbeschule in Leipzig 39.850 Mk.; Kunstgewerbeschule und Kunstgewerbemuseum in 
Dresden x3o.7oo Mk.; für den Umbau der Akademie und des Kunst-Ausstellungs- 
gebaudes in Dresden 800.000 Mk.; an Professor Joh. Schilling, Ehrengabe 30.000 Mk.; 
zusammen 1367394 Mai-k. 
') Die k. k. Central-Commission hat einen eingehenden Jahresbericht über ihre 
Thatigkeit im Jahre x883 verötTentlicht (S. 59, 8', Wien, k. k. Staatsdruckerei), ohne 
sich in demselben auf die Specificirung ihres Budgets einzulassen.
	        

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