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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 226)

österreichischen Länder zu genügen, aber es geht auch daraus hervor, 
dass diese Mittel gar nicht im Einklang: stehen mit den Bedürfnissen der 
modernen Gesellschaft, die heutigen Tags, und wie es scheint, mit vollem 
Rechte auf die Förderung der Archäologie im weitesten Sinne des Wortes 
das größte Gewicht legt. Von den Anfängen der menschlichen Cultur 
bis zur Gegenwart bilden jene Denkmäler, zu deren Studium die Archäo- 
logie berufen ist, das natürliche Bindemittel und Oesterreich würde in 
den letzten Jahren eine seiner Culturmission entsprechende Action gar 
nicht haben durchführen können, wenn nicht eine Reihe von archäo- 
logischen Forschungsreisen aus der eigenen Initiative von Männern, vor- 
zugsweise der vornehmen Gesellschaft angehörend, hervorgegangen wären, 
die in ihren Resultaten Alles in den Hintergrund drängen, was bisher 
von Seite des Staates für die archäologische Forschung geschehen konnte. 
Diese Bestrebungen bilden eine Lichtseite im Kunstleben Oesterreichs. 
Es muss in vollstem Maße gebilligt werden, dass die Staatsregierung 
ihre besondere Aufmerksamkeit Dalmatien zuwendet und für die Restau- 
rirung des Domes und zur Einrüstung des Glockenthurmes und Restau- 
rirung des letzteren in Spalato eine bedeutende Summe in das Budget 
eingestellt hat. Denn der Dom zu Spalato hat ein europäisches kunst- 
wissenschaftliches Interesse und es wäre in hohem Grade bedauerlich, 
wenn ein Baudenkmal von der kunsthistorischen Bedeutung des Domes 
von Spalato dem Verfalle überlassen würde. 
Auch die Museen in Aquileja und Spalato befinden sich in guten 
Händen. Mit besonderer Befriedigung rnusss hervorgehoben werden, dass 
über Antrag Nic. Dumbafs das Abgeordnetenhaus heuer eine Resolution 
angenommen hat, es möchte für die Reconstruction des herrlichen 
St. Veitsdomes in Prag im Budget des nächsten Jahres ein erhöhter 
Betrag eingestellt werden. Auch für die Restauration des Innenraumes 
der Stefanskirche in Wien ist eine Subvention in Aussicht genommen. 
Für die Restauration der Barbarakirche in Kuttenberg ist im heurigen 
Budget die Summe von 12.000 fl. eingestellt. 
Bei dern Umstände, dass von Seite der Regierung so außerordentlich 
geringe Mittel für archäologische Zwecke verausgabt werden können, ist 
wohl der Wunsch gerechtfertigt, dass gegenwärtig für die Dotirung 
und Organisirung eines genügenden kunstwissenschaftlichen 
Lehrapparates für die Lehrkanzel der Archäologie der Wiener 
Universität gesorgt werde, da zur Zeit ein solcher eigentlich gar nicht 
existirt. Die Wiener Universität ist in dieser Beziehung viel schlechter 
daran als die Prager Universität, ja selbst als die Universitäten in Innsbruck 
und Graz. Die Lemberger und Krakauer Universitäten besitzen keine Samm- 
lungen von Gypsabgüssen. An beiden Orten wäre die Gründung eines 
solchen Lehrapparates wünschenswerth, da sich daselbst auch technische 
_ Anstalten befinden, welche mit Lehrmitteln in Form von Gypsabgüssen 
gar nicht dotirt sind. Der einzige Vortheil, welchen die beiden zuletzt-
	        

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