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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 226)

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nachzukommen hatte, war für die Anordnung der Werke und der 
Kunst- und Musterblätter hier ein ganz neues, von den bisher 
üblichen grundverschiedenes System erforderlich. Da ist es allein 
Schestag's unvergängliches Verdienst, diese Aufgabe derartig 
gelöst zu haben, dass sein System sich seitdem durch zwei 
Jahrzehnte am Museum unübertrefflich bewährt hat, und nun 
allenthalben die genaueste Nachahmung findet. Dies gilt ganz 
besonders von seiner Eintheilung der Ornamentstiche nach den 
kunstindustriellen Gruppen, nach Ländern und Meistern und 
chronologisch zugleich , wie sie bereits der 1865 veröffentlichte 
und vollends der, auch in Bezug auf Buchausstattung muster- 
giltige, illustrirte Katalog der Ornamentstichsammlung vom Jahre 
1873 aufweist. Er lieferte hier das erste Beispiel und gleichwohl 
zugleich das Muster wissenschaftlicher Anordnung der Ornament- 
blätter, welche bishin fast gering geschätzt, erst durch sein die 
Bedürfnisse der Industrie eminent förderndes System der Aner- 
kennung in der Kunstwelt und der Verwerthung in der kunst- 
gewerblichen Praxis zugeführt wurden. Nicht minder Lobens- 
werthes ist von seinem 1869 publicirten Katalog der Bücher- 
sammlung zu sagen, in welchem er das anscheinend ganz leichte, 
in der That aber sehr schwierige Problem löste, die kunsthisto- 
rische Bibliothek mit den Gruppen der Museums-Sammlungen 
in möglichste Parallele zu bringen. 
Außerdem veröffentlichte er im Jahre r876 die "Gefäße der 
deutschen Renaissancei- (Punzenarbeiten), mit einer Einleitung, 
welche ihn in eine gelehrte Polemik verwickelte. Wer den Dahin- 
geschiedenen und seine Art zu arbeiten kannte, für den war der 
fürSchestag günstige Ausgang fast selbstverständlich, denn es scheint 
undenkbar, dass dieser je ein unüberlegtes Wort gesprochen, viel 
weniger einen unrichtigen Satz niedergeschrieben habe. Er hatte 
eben SickeYs Schule durchgemacht und die dortige Disciplinirung, 
auf das kunstwissenschaftliche Material übertragen, bewahrte ihn 
stets vor voreiligen Urtheilen und lrrthümern. 
In Wort und Schrift mit seiner Meinung gleich zurückhaltend, 
war Schestag dem Anschein: nach wortkarger Natur. Gleichwohl 
war er dies im Freundeskreise durchaus nicht und nie, wenn ihn 
Jemand in seiner Amtsthätigkeit um Rath und Meinung anging. 
Da schied keiner ohne positive Belehrung von ihm, denn er 
stellte in solchem Falle sein gediegenes Wissen, das er, die Ge- 
sellschaft meidend, sich in ungewöhnlichem Maße angeeignet 
hatte, mit voller Selbstlosigkeit zur Verfügung, unbekümmert um
	        

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