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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 230)

Studium der Antike viel besser bewandert, als viele der deutschen Künstler.

Daher ist es auch begreiflich, warum trotz des bezeichneten Verfalls der

französischen Kunst Alles nach Paris drängt, nicht nur, um die dortigen

Kunstschätze kennen zu lernen, sondern vorzugsweise deshalb, weil die

Künstler in Paris die Fundamente der großen Kunst lernen und weil

sich dort die Traditionen des i7. Jahrhunderts bis zum heutigen Tage

lebendig erhalten haben.

Wenn man die Art der Polychromie bespricht, wie sie Makart bei

seinen decorativen Entwürfen geübt hat. dann muss man sich erinnern,

dass auch andere Künstler, wie z. B. Hausen, die Polychromie bei ihren

Werken angewendet haben, freilich auf ganz anderer Grundlage. Das Farbengefühl

 bei Makart war das Product seiner Poesie und seiner coloristischen

Weltanschauung. Bei Hansen hat die Anwendung der Polychromie einen

cloctrinären Charakter, er ist ein Schüler der Griechen, deren Architektur

und Plastik ohne Farbe nicht zu denken ist. Aber nicht auf die Verwendung

 von Farbe an und für sich kommt es an, sondern auf die Art,

wie man sie behandelt, und hier wird immer die Individualität des

Künstlers ausschlaggebend sein; bei Makart hat sie ein individuell bestimmtes

 Gepräge.

Noch eine Frage drängt sich auf aller Lippen; Jeder fühlt die Größe

des Verlustes, den wir durch den Tod Makarfs erlitten und Jeder frägt

besorgt, wer wird wohl Makart ersetzen? Wie gesagt, Makart ist unersetzlich.

 Für uns ist das Wichtigste, dafür zu sorgen, dass ein großer,

hervorragender Künstler wieder in Wien seinen Aufenthalt nehme, gleichgiltig,

 welcher Richtung dieser Künstler angehören möge. Raum ist

genug für große Talente sowie für die großen Aufgaben der Malerei;

die Specialschule an der Akademie der bildenden Künste darf nicht verwaist

 bleiben.

Wir wünschen, dass, wo möglich, dafür gesorgt werde, dass die

Arbeiten Makarfs von echter Künstlerhand reproducirt würden. Es wäre

ferner zu wünschen, dass die Künstlergenossenschaft im Künstlerhause

eine Ausstellung veranstalte, bei welcher alle Arbeiten Makarfs, auch

dessen Entwürfe und Skizzen, vertreten wären. Es scheint mir, dass

wir dies dem dahingeschiedenen Künstler schuldig sind, und hoffentlich

wird es auch geschehen.

Was Makart gegeben, das hat er in seinem Leben, so kurz es war,

erfüllt; er hat eine Reihe von Decorationen geschaffen mit überschwänglicher

 Pracht in berückender Fülle des Details. Er hat uns in die

Zauberwelt des Waldes eingeführt, Meer und Land mit schönen Frauengestalten

 bevölkert. Er hat sein Licht nicht unter den Scheffel gestellt

und ist freudigen Herzens gewesen, wenn das Volk sich an seinen Schöpfungen

 erfreut hat. ln die geistigen Probleme des Inhaltes von Kunstwerken

 sich zu vertiefen, den Adel der Seele und der Form wiederzu-
            
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