MAK

Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 230)

empfangen haben. Diese Impulse näher zu bezeichnen muss einer 
Zeit vorbehalten werden, in der wir uns Makart gegenüber obiectiver 
verhalten. Zunächst sind es die Decorationsmalerei, die Weberei für 
Costüme, die Tapisserie, die Passementerie, welche durch Makart neues 
Leben und neue Richtung gewonnen haben. Ich möchte sagen, das Licht, 
welches von seiner Farbe und von seinem Colorit ausstrahlte, hat alle 
Kunsthandwerke, welche bei_ uns direct oder indirect mit farbiger Deco- 
ration im Zusammenhange stehen, befruchtet. Er war der hervorragendste 
österreichische Künstler, welcher ohne Rücksicht auf französische Mode 
gänzlich selbständig handelte, was ihm französische Kritiker begreillicher- 
weise gar übel genommen haben. Insbesondere seit dem historischen Festzug 
ist durch den Einfluss des Künstlers in der Bekleidungskunst eine Reform- 
bewegung eingetreten, so zwar, dass man nicht nur in Wien, sondern 
auch in Deutschland, Frankreich und England gewisse Arten von Hüten, 
Blumenbouquets etc. i-Makartischm nennt. Es wird lange dauern, bis 
wieder ein Künstler kommen wird, der auf die Kunst der Mode einen 
so bestimmenden Einfluss zu nehmen im Stande ist, als dies bei Makart 
der Fall war. 
Mit diesem Zuge des Künstlers hängt auch seine Liebhaberei für 
die alte Kunst zusammen. Er war ein passionirter Sammler, ein Kunst- 
liebhaber und ein Kunstfreund, hatte eine glückliche Hand und einen 
scharfen Blick für das, was gut ist. Man hörte auch oft fragen, warum 
denn Makart für kostspielige alte Sachen so enorm viel Geld ausgebe 
und hat ihm dies auch übel genommen. Er hat nur das gethan, was die 
größten Künstler der Gegenwart und der Vergangenheit thun müssen und 
gethan haben, in der Kunst Autoritäten gesucht, an die sie sich anschließen 
konnten. Wo sollte er nun diese Autoritäten suchen? Wir selbst sind uns 
keine Vorbilder, wir müssen solche, sei es bei den Griechen oder bei den 
Künstlern des Mittelalters, der Renaissance, der Barocke etc. suchen, wir 
müssen ihre Kunstwerke erwerben, uns mit ihnen umgeben, um zu wissen, 
woran wir uns halten sollen. Für Makart, welcher große Composilionen 
für Decoration gemalt hat, war es aber speciell nöthig, unter seinen ihn 
umgebenden Einrichtungsstücken derlei seltene und kunstreiche Werke 
zu besitzen, um sie jeden Augenblick zur Verfügung zu haben. Er hat 
diese Werke in seinem Atelier aufgestellt, nicht wie in einem Museum, 
sondern als wenn sie seinem häuslichen Gebrauche zu dienen bestimmt 
wären. Alle Künstler haben dieses Bedürfniss gefühlt; sie brauchten die 
Macht der Tradition der großen Kunst, denn ohne diese Tradition ist 
eine Kunst unmöglich. Alle Nationen sind nur durch die Benützung der 
Traditionen Kunstvölker geworden, und jede Kunst, welche die Kunst- 
werke der Vergangenheit bei Seite wirft, um sich selbst auf den Thron zu 
stellen, kommt auf Abwege. Makarfs specielle Freunde, Lenbach, Gedon 
und unser Amerling, sind ihm in dieser Beziehung ähnlich; ihr Arbeits- 
haus gleicht einem Museum und war und ist ein Anziehungspunkt für zahl!
	        

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