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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 231)

zyu

So Vieles, das unserem Gescbmacke, unseren Kunstansichten ganz und gar

quer liegt! So sind wir auf Gefallen und Missfallen angewiesen. Ja in

den meisten Fällen werden wir zweifelhaft sein, ob wir nur einen Gegenstand

 nach seiner Herkunft China und Japan zuweisen sollen', selbst

dann, wenn wir bemüht gewesen sind, uns darüber zu unterrichten.

Wir haben heute Alles umlernen müssen. Die Lehrsätze, welche

noch vor wenigen Jahren Jacquemart, damals eine erste Autorität in der

Kenntniss der Keramik, darüber aufgestellt hat, sind heute sämmtlich

umgekehrt, so sehr, dass man fast immer das Gegentheil von dem annehmen

 kann, was er angibt.

Nun ist allerdings die Kenntniss der Geschichte und der Fabricacation

 jenes ostasiatischen Porzellans ziemlich genau und zuverlässig

herausgearbeitet worden. Engländer und Franzosen, Franks und Audsley,

Birch, du Sattel, Gonse haben im Vereine mit japanischen Kunstkennern

und chinesischen Ausstellungscommissären mit Nachforschungen an Ort

und Stelle - so wenigstens in Japan - die geschichtlichen Daten, die

Fabricationsstätten und ihre Eigenthümlichkeiten zu einiger Klarheit

herausgearbeitet. Man kennt die verschiedenen Epochen und was sie

geleistet haben, man kennt die Marken, die Fabrikszeichen, man weiß,

was geschätzt wird und was nicht geschätzt wird. Und somit wäre es

möglich, die Herkunft und die Zeit eines Gegenstandes von asiatischem

Porzellan mindestens eben so gut, ja viel besser und sicherer noch festzustellen

 als diejenigen italienischer Majoliken, denn über diese sind wir

noch sehr im Unklaren, wenn wir Genaues wissen wollen.

Da aber erhebt sich eine andere Schwierigkeit. Wir wissen ja, dass

jene beiden Völker, die Chinesen wie die Japaner, groß sind in der

Nachahmung und dass eben die Imitation in ihrer Kunst eine erste Rolle

spielt. Alles, was die Chinesen auf dem Gebiete des Porzellans geschaffen

haben, ist von den Japanern nachgemacht worden, wie denn diese überhaupt

 ihre Porzellanfabrication, ja ihre ganze Kunst direct oder indirect

von dem älteren Culturvolke China's überkommen haben. Was aber dann

die Japaner, jünger und frischer, Neues oder Eigenthümliches erfunden

oder geschaffen haben, das ist nun wieder von den Chinesen nachgeahmt

 worden. Und nicht genug an dieser wechselseitigen Imitation,

hat auch jede Nation für sich fort und fort und unausgesetzt wieder

gemacht, was einmal zu Ruhm und Bedeutung gekommen war, und zwar

nach ihrer Art in sclavischer Facsimilirung mit sammt der Marke und

allen Zufälligkeiten. Das hat selbst die heimischen Kenner dahin gebracht,

bei dem Zweifel der Entscheidung die Nachbildungen den Originalen im

Werthe fast gleichzusetzen.

Unter diesen Umständen sind genaue Bestimmungen über Herkunft,

 Zeit, Fabrikstätte. Künstler, wie sie uns in Büchern und Katalogen

gegeben werden, immer noch mit gelindem Bedenken aufzufassen, was

auch von den Kennern und Urhebern solcher Bestimmungen nicht in
            
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