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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 231)

Einen ähnlichen Umschwung - nur ist er in der Praxis weit

weniger durchgeführt - zeigen auch die Spitzen von Bollarth und die

Stickereien von Kunz 8c Mössrner. Diese Spitzen sind auf Grundlage

der alten Techniken von dem unter Storck's Leitung stehenden nSpitzencursu

 ausgegangen, aber echt österreichisch nach Stylgefühl und Zeichnung.

Diese Art ist hier begonnen und nirgendwo anders, und wenn sie gegenwärtig

 noch sehr langsam Boden gewinnt, so wird doch einmal die

Zeit kommen, wo sie die herrschende sein wird, leider vermuthlich dann,

wenn sie von Belgien und Frankreich aufgenommen worden. Man glaubt

ja nur der Fremde. Die Stickereien von Kunz 81 Mössmer haben mit

Glück die Motive der buntfarbigen südslavischen Stickereien industriell

verwerthet, wiederum ein Beweis, wie anregende, befruchtende und verwendbare

 Motive in unserer nationalen Hauskunst schlummern.

Mit Kunz 8c Mössrner sind wir schon in die vier kleineren Räume

unserer Ausstellung gedrungen, welche der eigentlichen Ausstattung und

Decoration der Wohnung gewidmet sind. Nur ein einziges Möbelstück,

ein überaus reich mit Schnitzerei verzierter Kasten von Würfel, steht

im großen Saale. Das erste dieser Gemächer ist voll und ganz von einer

Einrichtung eingenommen, die aus den Tischlerwerkstätten von Michel

hervorgegangen ist. Alles, was wir hier sehen, die verschiedenartigen

Möbelstücke, Bett und Kasten, Tische und Sitzmöbel, dazu Teppiche und

Decken, Vorhänge und Bettüberzüge, der Ofen selbst, Alles ist von einer

Hand entworfen und gezeichnet, wenn auch von sehr verschiedenen Händen

ausgeführt. Der reich verzierte Ofen z. B. ist ein Werk von Bernhard

Erndt, die Stickerei von C. Giani. Alle die Zeichnungen hat nicht

eine fremde Hand geliefert, sondern der Inhaber und Leiter des Geschäftes

der junge Michel, ein Schüler des Museums, der in der Kunstgewerbeschule

 seine Ausbildung erhalten hat. Hier zeigt sich glänzend die Frucht,

wenn Theorie und Praxis in der künstlerischen Erziehung neben einander

gehen. Alles erscheint so vollkommen, so sachgemäß, so harmonisch.

Eine schöne, dem Materiale und Zwecke entsprechende Zeichnung steht

zur Seite der genauesten, sorgfältigsten Ausführung. Und noch Eines ist

es, was uns vom Standpunkte des Museums aus diese Gegenstände bemerkenswerth

 macht. In der Feinheit der Profile, in den Motiven der

Ornamente, in der zarten Behandlung des flachen Reliefs nach Weise der

Frlihrenaissance sind sie so im Geiste dessen geschaifen, was von früh

an im Museum und seiner Schule gelehrt worden, dass sie dafür als

Repräsentanten zu betrachten sind und im vollen Gegensatze zu den.

schweren und derben Formen stehen, die man jetzt in Deutschland als

deutsche Renaissance bezeichnet.

Den nächstfolgenden Raum, das ehemalige Kaiserzimmer aus dem

Pavillon der Weltausstellung von 1873, hat der Tapezierer Schen_zl

mit einer Reihe moderner Sitzmöbel von phantasievollen, einladenden

Formen und milden Farben salonartig eingerichtet; ein großer Flügel von
            
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