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Der Baumeister ist dadurch seiner bisherigen Berechtigung
zur gewerbsmäßigen Ausübung des Baugewerbes beraubt,
und ihm bleibt bloß die Wahl, entweder Bauunternehmer
zu werden, oder die Bauten zu planen und zu leiten,
welche Aufgabe bei öffentlichen Bauwerken, sowie bei hervorragenden
Privatbauten bis nun dem Architekten zugefallen.
Es soll hier nicht weiter von dem schädlichen Einflüsse gesprochen
werden, welchen dieses Verhältniss auf das Maurergewetbe selbst
hinsichtlich der Fachtüchtigkeit und Leistungsfähigkeit
seiner Vertreter nehmen würde, sondern strenge die Frage dahin
beurtheilt werden, ob es im staatlichen Interesse gelegen, die
Classe der Architekten dadurch zu beeinträchtigen, dass in einem die
Bauthätigkeit so intensiv berührenden Gesetze der heutigen
Stellung des Architekten nicht gebührend Rechnung getragen
wird.
Es erscheint dieserhalb hier geboten, einige historische Rückblicke
anzuführen.
So weit unsere Kenntnisse zurllckreichen, ersehen wir, dass der
Stand der Architekten, sowie wir ihn heute kennen, und wie wir ihn
geschützt und gefördert wünschen, immer gewesen.
Zu allen Zeiten war die schöpferische Thätigkeit an den Bauwerken
den Architekten als Baukünstlern und Bauconstructeuren zugewiesen.
Schon Vitruv zeichnet die Aufgabe des Architekten dahin, dass derselbe
das Gebäude zu planen, den Bau zu leiten habe und die Arbeiten
der anderen Werkleute und Künstler zu begutachten.
Besondere, umfassende Kenntnisse werden daher vom Architekten
verlangt.
Die Zeit der christlichen Baukunst nimmt das alte Verhältniss auf.
In den Klöstern finden sich die Baukünstler, welche die romanische
Stylperiode begründen.
ln der Zeit der Gothik sind es die Bauhütten als freie Vereinigung
von Baukünstleru, welche uns die Stätten bezeichnen, von welchen aus
die mittelalterliche Kunst ihren Weg nimmt.
Erst mit der Einführung zünftiger Einrichtungen, mit dem Angritie
auf die freie künstlerische Vereinigung gehen die Bauhütten ihrem Verfalle
entgegen.
Die Zeit der Renaissance kehrt daher abermals zur freien Stellung
des Baukünstlers zurück.
In einer Kunstepoche, wo mit einem Schlage eine auf hundertiähriger
Pflege und Entwickelung beruhende Kunstanschauung in den Hintergrund
tritt, ist es wohl selbstverständlich, dass sich unabhängig von
den im Formenwesen ersterbenden Bauhütten die Bauküustler entwickeln
mussten. -