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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 233)

schule für Holzschnitzerei im Kreise Gersfeld, keramische Facbschule zu Hobr-Grenz- 
hausen, künigl. Porzellanmanufactur zu Berlin, königl. Glasmalerei-Institut zu Berlin, 
Berliner Handwerkerschule und die Fortbildungsschulen. 
(Museum für Völkerkunde.) In Berlin ist das neue kon. Museum für Volker- 
kunde so weit vollendet, dass im April mit der Ueberführung der Sammlungen begonnen 
wird. Die reichen Schätze, welche seit Jahren angesammelt worden sind, werden hier in 
überraschender Weise zur Geltung kommen. Um diese Schütze vorläufig zu bergen, 
hatte man ganze Hauser miethen müssen. 
Das theuerate Buch der Welt, die rBiblia Sacra Vulgatac, Mainz 1450-1455, 
kam neulich in London unter den Hammer und wurde für 3900 Pfd. dem Buchhändler 
Herrn Bernhard Quaritsch zugeschlagen. Von Gutenberg und Fust mit beweglichen 
Lettern gedruckt, ist es das erste Buch, das auf diese Weise hergestellt worden. Eine 
zweite bibliographisch interessante Nachricht wird der nVoss. Ztg.u aus Paris über- 
mittelt. ln der Universitatsbibliothek zu Rouen wurde ein Brief von Fischet, Prior 
der Sorbonne, aus dem Jahre 1470, aufgefunden, der über die Einführung des Buch- 
drucks in Paris durch die Deutschen Martin Kranz, Ulrich Gering und Michael Fre i- 
burger berichtet und mittheilt, dass diese Drucker sich als Lehrlinge Gutenbergs 
und diesen ausdrücklich als Erfinder des Buchdrucks bezeichneten. Das Document ist 
ein werthvolles Zeugnis: für Gutenbergs Ansprüche. 
(Schweizerisches Natlonnlmusaum.) Durch den Ankauf der Groffschen Pfahl- 
bautensammlung hat die ldee eines schweizerischen Nationalmuseums eine erfreuliche 
Populariairung erfahren. Wahrscheinlich werden bei kommender Gelegenheit weitere 
Ankäufe gemacht und wird schließlich zur Anlage eines Centralmuseums geschritten 
werden. Es ist von Interesse, dass bereits die Helvetik sich mit dem Plane eines solchen 
trug. Stapfer, der Minister für Kunst und Wissenschaft, führte einen Beschluss des 
Vollziehungs-Directoriums herbei, dass ein schweizerisches Nationalmuseum gegründet 
werde, als agemeinschaftlichen Mittelpunkt für die Fortschritte der technischen Kennt- 
nisse und schonen Künste in Helvetiem. 
(Kathedrale in Katz.) Die Kathedrale in Metz, an welcher die Restaurations- 
arbeiten rüstig Voranschreiten, wird in der nächsten Zeit im Innern einen sehr inter- 
essanten Schmuck erhalten. Es soll namlich daselbst die in Bronze ausgeßhrte Nach- 
bildung einer Reiterstatue Karls des Großen aufgestellt werden. Das Original 
befand sich bis Ende des vorigen Jahrhunderts im Besitze des Metzer Domschatzes und 
wurde jährlich am a8. Janner, dem Todestage Karls des Großen, von vier Kerzen ums 
geben, öffentlich ausgestellt. Glücklicher Weise entging das Kunstwerk der während der 
Revolution vom Pöbel in den Metzer Kirchen ausgeführten Zerstörung. Dasselbe kam, 
nachdem es längere Zeit verschwunden gewesen, bei dem Pariser Archäologen Lenoir 
wieder zum Vorscheine und gelangte später in den Besitz von Frau EvansvLombe, welche 
es 1867 für 5000 Francs an die Stadt Paris verkaufte. Bei dem Commune-Aufstande 
wurde es unter den Trümmern des Stadthauses begraben, jedoch x87: ziemlich unver- 
sehrt aus dem Schutte hervorgezogen und sodann im Museum Carnevalet in Paris auf- 
gestellt. Die Statue stellt den Kaiser Karl zu Pferde dar, mirl-lerrachermantel und Krone. 
Die Linke halt den Globus, die Rechte das Schwert. Dieses stammt iedoch aus neuerer 
Zeit, wie schon daraus hervorgeht, dass es gebogen ist, während die Scheide gerade 
Form zeigt; wahrscheinlich trug die Rechte ursprünglich ein Scepter. Der breite und 
kräftige Oberkörper, der dicke und kurze Nacken sowie die von dem Biographen Karls 
dcs Großen, Eginhardt, beschriebene eigenartige Gewandung berechtigen zu dem Schlüsse, 
dass die Figur das Porträt des Kaisers, und zwar das einzig echte von ihm existirende, 
ist. Die Technik der Statue sowie das dazu verwendete Material lassen es als sicher 
annehmen, dass der Guss aus der Karolingischen Zeit, und zwar wahrscheinlich aus dem 
Aachener Gießhause stammt. 
(Ein neues phofaotypisohes Verfahren.) Spiegeldruck nennt der Kunstverleger 
A. Ackermann in München ein neues vervollltommnetes Verfahren, welches aus dem 
photographischen unveranderlichen Lichtdrucke hervorgegangen ist. Es liegt demselben 
das neue isochromatische Aufnahmsverfahren des Erfinders Dr. Engen Albert zu Grunde. 
Der Spiegeldruck, von geschliffenen Spiegelplatten gewonnen, eignet sich in erster Reihe 
zur Reptoduction von Gemälden, wobei ohne Retouche des Negatives und der Bildfläche 
das Gemälde so wiederge eben wird, wie es aus Kfmstlerhand hervorgegangen. Der rSpiegel- 
druckl wird sich als ba nbrechend erweisen für die gesammte, nach Ori inalgemalden 
reproducirende Kunst, welche die Urbilder bisher nur in glattlacltirten, un altbaren und 
oft vgeleckt- erscheinenden Photographien wiederzugeben vermacht hat. 
Selbstverlag des k. k. Oesterr. Museums lür Kunst und Industrie. 
Buehdrueklrul wa Cul Gmuw Bahn I: Wien.
	        

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