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die Ursache, warum das große Publicum der Kunstindustrie weit weniger
Theilnahme entgegenbringt als in früheren Zeiten. Gehört ja zu deren
Verständniss ein Grad allgemeiner Bildung, welchen diejenigen nicht immer
erreichen, die ihrem bürgerlichen Berufe nach der Kunst ferne stehen.
Wenn aber die Wissenschaft einerseits die große allgemeine Basis
genannt werden muss, auf welcher die Kunst der Gegenwart steht und
so lange stehen wird, bis in der hohen Kunst Meister von so genialer
Kraft auftreten, dass alles schulmäßige Können daneben zur Unbedeutendheit
herabsinkt, wenn wir der Wissenschaft das Wesentliche unserer heutigen
Kunst verdanken, so wirkt dieselbe anderseits vielfach zerstörend
auf Kunst und Kunstindustrie ein. Wenige von den zahlreichen Erfindungen
der Chemie, Technik und Mechanik haben die Kunst gefördert.
Unsere modernen Farben beleidigen das Auge, die vorgeschrittene Technik
verwischt die Grenzen der verschiedenen Kunstgewerbe, die neuen Constructionen
unserer Ingenieure entziehen sich allen Gesetzen der Schönheit,
die Arbeit der Maschine widerstrebt einem entwickelten Gefühl für
lebensvolle Formen. Fast jeder neue Vortheil in der Technik, wie ihn
die Wissenschaft bietet, zieht ein neues Opfer in der Kunst nach sich.
Neuerungssucht und Wechsel der Mode tragen das lhrige bei, um diese
Zustände noch zu verschlimmern.
So stellt sich also das Verhältniss der Kunstindustrie zum modernen
Leben dar. Es gilt eroberte Positionen zu behaupten, gefährdete zu
schützen, verlorene wieder zu gewinnen. Es gilt einen Kampf aller
Freunde wahrer Kunst gegen eine einseitige Geistesrichtung unserer Zeit.
Die Ueberzahl unserer Gegner darf uns nicht abschrecken, bleibt es ja
doch immer ein Kampf geistiger Macht gegen geistige Ohnmacht. Dass
aber die rechten Führer an der Spitze stehen, das muss unsere Sorge
sein. Wir sind nicht darüber im Zweifel, aus welchem Stande sie hervorgehen
sollen. Damit sie aber in die Lage kommen, wirksam einzugreifen,
müssen nicht allein gewisse Schäden und Unzukömmlichkeiten
im Architektenstande selbst beseitigt, Rechte und Pflichten genau präcisirt
werden, es muss ihnen auch im Staate und in der Gesellschaft jene
Stellung eingeräumt und gesichert werden, die ihnen vermöge ihres weitgehenden
Einflusses im modernen Kunstleben gebührt.
Und so wird wohl die Mittheilung nicht unerwünscht kommen, dass
vom Oesterr. Museum aus eine Action im Zuge ist, die dieses Ziel anstrebt,
und der sich Architekten aus allen Gauen der Monarchie angeschlossen
haben.
Im Anschlusse an diesen Vortrag theilen wir folgende Denkschrift
mit, in welcher der Director des Oesterr. Museums, Hofrath R. v. Eitelberger
und eine Reihe österreichischer Architekten sich über die Stellung
der letzteren im Staate und in der Gesellschaft aussprechen und ihre diesbezüglichen
Wünsche formuliren.