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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 243)

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ist nicht Alles aus dieser Zeit so unbedingt lobenswlirdig, und namentlich

der Enthusiasmus für die tigurirten Gewänder des 15. Jahrhunderts, die

Bock der neugothischen Strömung huldigend äußerte, hätte für unsere

textile Kunstindustrie verhängnißvoll werden können, wenn nicht gesundere

Anschauungen den S_ieg behalten hätten, die sich das ornamentale Element

in der Frührenaissance zum Muster genommen hatten. Und mit vollem

Rechte. Denn mag auch Vasari bereits über den Niedergang der Kunststickerei

 und die Vergröberung der Technik in seiner Zeit klagen - was

uns aus der Zeit von etwa r48o bis 1550 von italienischen Geweben und

Stickereien vorliegt, ist zum größten Theile mustergiltig für alle Zeiten.

Ein durch die beliebte Combination von ungebleichtem Leinen und rother

Seide ganz vortrefflich wirkendes Stück etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts,

 in Bezug auf Technik wie Zeichnung gleich interessant, wurde

durch Vermittlung eines Händlers aus Unteritalien erworben (N. 75:9).

Es ist dies ein Deckchen von blauer Seide, auf allen vier Seiten durch

eine Leinenbordure eingefasst, deren Dessin in einer Art von punto tirato

gearbeitet erscheint. Der Grund für die Musterung wurde nämlich in

der Weise hergestellt, dass durch Zusammenfassung von 3-4 Faden des

Gewebes, sowohl in der Richtung der Kette, als des Einschlags und Umnähen

 derselben mit rothen Seidenfaden ein Netz gleichsam von starken,

rothen Seidenfaden hervorgebracht wurde, auf dem die stehen gebliebenen

Leinentheile die Musterung ergaben, welche durch Strichstich-Stickerei

in rother Seide in der Zeichnung vollendet wurde. Das Ornament ist

gebildet durch je zwei mit ihren Stengelleibern verschlungene und einander

 abgekehrte Profilköpfe, die von Satyrn ihre Gestaltung ableiten

mögen, und je zwei einander zugekehrte und miteinander verwacbsene

geflügelte Gestalten, die direct an die Engelsgestalten in italienischen

Geweben des 15. Jahrhunderts erinnern. Zwischen diesen zwei Hauptelementen

 der Ornamentation sind in regelmäßiger Folge stylisirte Sträußchen

 und Rosetten angebracht, oben und unten als Besäumung eine auswärts

 gekehrte Blätterreihe. Die Musterung zeigt somit eine Mischung

der figuralen und der ornamentalen Decorationsweise des Quattrocento,

doch mit lentschiedenem Ueberwiegen der letzteren. Die vortretflich

erhaltene Arbeit ist sehr genau und erscheint auf beiden Seiten gleich;

die Technik ist eine seltene und erscheint die Combinatiou von rother

Seide und ungebleichtem Leinen im 16. Jahrhundert häufiger durch

Flechtstickerei erzielt, welch' letztere entweder den Fond oder die Zeichnung

 hervorbringt. In dieser Art der Stickerei ist eine,Anzahl von

Stücken gefertigt, die mit einer Serie von Seidengeweben und Brocaten

 vom Museum zu Reichenberg erworben wurden. Sie gehören

dem 16.- r7. Jahrhundert an und stammen zum größten Theile aus

Italien, einige wenige aus Deutschland oder Spanien. - Mehr technisch

interessant als stylistisch nachahmenswerth ist eine prächtige italienische

Decke (Nr. 7384) mit großblumigem Dessin, der durch seine Hin-
            
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