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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 243)

veranlasst gesehen, einestheils durch Erweiterung und Neuordnung der"

städtischen oder Landesmuseen, anderntheils durch Vereinigung-bis dahin

getrennter Sammlungen den Interessen der Kunsthandwerker und "Kunstindustriellen

 des Bezirkes entgegenzukommen. Namentlich in der Schweizist

 das Bestreben allgemein, der früheren Zersplitterung der aus der Ver-'

gangenheit geretteten historischen und Kunstschätze ein Ende zu machen

und den" meistens systemlos zusammengebrachten Curiositätensammlungen

praktische Bedeutung für die Gegenwart zu verleihen. YWie-billig, wird

den einzelnen Anstalten ihr vorwiegend localgeschichtlicher Charakter

dabei gewahrt; und wenn von diesem Gesichtspunkte aus die kleineren

Orte der Schweiz dem Verlangen nach förmlicher Centralisation -- wobei,

wie es scheint, dievEinrichtung eines eidgenössischen Nationalmuseums in

Zürich als Ziel vor-schwebt -- Widerstand leisten, so befinden sie sich dabei

gewiss in vollem Rechte. Jeder Ganton hat in seine selbständige Geschichte,

die sich auch in den Localmuseen abspiegelt, deren Bestandtheile zum

großen Theil den Rathhäusern, Zeughäusern, Kirchen, Zunftstuben u. s. w.

des Landes entstammen und geeignet sind, dem (mit dem Gefühl der

Zusammengehörigkeit sehr wohl verträglichen) Localpatriotismus stets

neue Nahrung zu geben. Aber jeder Canton hat auch seine Industrie,

welche der künstlerischen Schulung bedarf und dieselbe verdient, der man

diese also nicht erschweren darf. Außerdem ist es sehr fraglich, ob eine

Eigenthümlichkeit der kleinen Schweizermuseen, welche den Besucher in

hohem Grade anmuthet, auf ein einziges großes Museum würde übertragen

werden können. Nicht blos Corporationen und Vereine haben nämlich

fast überall ihre künstlerischen und geschichtlichen Besitzthürner, soweit

sie sich zur Ausstellung eignen, den Museen anvertraut, sondern vielfach

auch Privatleute die ererbten Ausstellungsstücke und Gebrauchsgegenstände,

Goldschmiedearbeiten, Thongeschirre, Gewebe, Möbel u. s. w., selbst

(beispielsweise in Winterthur) ganze Oefen. Dass in allen diesen Fällen

die Entsagung so weit getrieben werden würde, dergleichen Dinge in

eine andere Stadt abzuliefern, ist kaum zu erwarten. Dem Besucher aus

Oesterreich aber muss sich der Wunsch aufdrängen, einer solchen Bethätigung

 des-Gemeingeistes überall zu begegnen.

Dass das ununterbrochene Anwachsen einer Sammlung endlich zu

einer Verlegenheit werden kann, zeigt sich, wie an anderen Orten, auch

im Germanischen Museum. Wer mit Zwischenräumen von einigen Jahren

Nürnberg besucht, findet den Besitzstand dieser Anstalt-iedesmal um

ein Bedeutendes vermehrt. Solche Vcrmchrungen erheischen neue Bauten,

die neuen Räume fordern neue Erwerbungen. Alles zeugt für eine energische

 und rastlcse Leitung. Aber wäre es nicht günstiger, wenn vielleicht

ein Zehntel der dort angehäuften Alterthümer in übersichtlich disponirten

und gut beleuchteten Sälen aufgestellt wäre? Durch das Einbeziehen

anderer Bauwerke und die Zubauten und Verbindungen ist aus dem ehemaligen

 Karthäuserkloster, in welchem wir vor dreißig Jahren das Institut

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