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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 1)

Richtung nicht. Hier herrschte vor allem Bequemlichkeit, Behaglichkeit

und Solidität; aufStyl und Schmuck des Mahagonimobiliars wurde wenig

gesehen. Es gab für Speisezimmer, Wohnzimmer. Schlafzimmer eine

fast erschreckende Gleichförmigkeit. Ebenso gleichförmig war das Theeund

 Tischgeschirr vom s. g. Delft, d. i. Faience oder Steingut, mit seinen

abgezogenen oder aufgedruckten Landschaften. Scenerien und Randverzierungen

 in Blau, Braun, Schwarz oder Grün. Nur die bunten, geblümten

Teppiche, Brussels genannt, machten einen Unterschied, und auch sie

nicht viel, denn auch sie folgten der Schablone, einfach und ruhig für

das Speisezimmer, buntfarbig und nicht selten grell und schreiend für

das Drawingroom.

Und in dieser letzteren Richtung war es alsbald gerade England,

welches den Gipfel der Geschmacklosigkeit erstieg. Wie in Verzweiflung,

 welcher Styl oder welche Kunstart denn die rechte sei, hatte sich

der populäre ungelehrte Geschmack auf die Natur geworfen und decorirte

 nun mit bunten Blumen, was nur farbig zu decoriren war, Porzellan

 und IFaience. Seide und Wolle und Baumwolle, Wände und Decken

und Fußböden. Den Teppichen genügten die Blumenbouquets nicht

mehr; bald stellten sie ganze Gärten und Wälder mit blauer Luft und

bunten Vögeln dar. Man sah in den Himmel hinunter statt hinauf, und

des Menschen Fuß wandelte auf den Gipfeln der Bäume.

Diese Naturliebe schlug von der Flächendecoration in das Plastische

 über und bemächtigte sich damit auch der Goldschmiedekunst.

Blumen und Blätter und Bäume wurden selber zu Gefäßen und Geräthen

und besetzten so Tisch und Tafel.

Das war vorzugsweise englischer Geschmack. aber er breitete sich

-- in Ermangelung eines Besseren - so ziemlich über ganz Europa aus.

Man hatte damit keine Form, aber wie man glaubte, wenigstens eine

Idee. Nur Frankreich macht eine Ausnahme. Hier lebte noch zu sehr

die Erinnerung an das achtzehnte Jahrhundert, und man war zu sehr

versirt in der Hantirung von Kunstformen und besaß auch in der That

noch zu viel wirklichen Geschmack, um sich auf diese rohe Kunstart

einzulassen. Selbst wo die Blume eine 'Hauptrolle spielte, wie in der

Decoration des Porzellans und der Tapeten, geschah es mit Mäßigung

und mit weiser Dämpfung der Farben. Alles, was Frankreich damals

schuf, zeigte immer noch Formensinn, wenn die Formen auch, überschlank

 oder capriciös, richtiger Gliederung, reinen Gefühls und guter

Proportionen entbehrten. Wenn man aber nach dem speciellen französischen

 Style gefragt hätte oder nach den künstlerisch formellen Eigenschaften

 der französischen Arbeiten, so wäre man ohne Antwort geblieben

oder hätte eine negative erhalten. Der französische Geschmack suchte

überall nach Motiven und Anregungen umher und sein Künstler bewährte

darin seine Geschicklichkeit, solche Motive zu finden und in sein Eigenes

zu verwandeln.
            
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