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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 4)

schaftliche in den Patriarchenhistorien Benozzo Gozzoli's im Campo Santo von Pisa). -

Sobald die Landschaft im eigentlichen Sinne componirt wird, geschieht dies wunderlich

genug. Eine naive Srylisirung ist das vorläufige Surrogat für die getreue Wiedergabe

der Naturformen; geschnitzte und abgedrechselte Bäume, dazu Felsen wie aus geknitterter

Pappe. (Die letzteren übrigens nach dem Bedürfnisse des darzustellenden Vorganges

angeordnet, etwa wie die Versetzstücke der Bühne.) Genauere Studien der Blume und

des Laubwerkes nach der Natur stellen sich erst in der zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts

 ein (z. B. in der Landschaft der Vision des heil. Bernhard von Filippino Lippi.

Badia in Florenz; in den landschaftlichen Prospecten der Scenen aus dem Leben des

Papstes Pius ll. von Pinturicchio, Libreria io Siena).

Nach den religiösen Stoffen ergeben sich beiläufig folgende Naturscenerien, die

sich in Haltung und Stimmung wohl von einander unterscheiden lassen: Landschaften

der Krippenbilder mit der Anbetung der Hirten: idyllisch-friedlich und mild, mit Lammerherden

 als Staffage; Landschaften der Epiphanienbilder, von eigenartiger Romantik -

mit Fels und Thalgrund, Castellen auf den Berghöhen, Jagdbildern im Mittel- oder

Hintergrunde (Fresken der nheiligen Reise: von Benozzo Gozzoli, Cappella de Medici

im Pal. Riccardi zu Florenz; nAnbetung der Könige: von Vittore Pisano im Berliner

Museum). - Die Taufe Christi: Palme im Vordergrunde, weite, freie Fernsicht über

Strom, Auen und Berge (Taufe Christi von Verocchio in der Akademie zu Florenz, von

Perugino in der Sixtinischen Capelle im Vatican u. s. L). - Berufung der Junger am

Ufer des galilaischen Sees: Fischer-Idylle, offene Seelandschaft, weiter Kranz von Bergen

(Fresco von Domenico Ghirlandajo in der Sixtinischen Capelle; Darstellungen dieses

Gegenstandes von Marco Basaiti in der Akademie von Venedig und im Belvedere von

Wien). - Kreuzigung, Kreuzesabnahme und Beweinung des Leichnames Christi: Landschaft

 mit elegischem Ernste der Stimmung. (Das Laudschaftliche hier besonders schon

in der berühmten Pieta von Perugino, Gall. Pitti.) - Weiter sind hervorzuheben: die

Thronbilder der Madonna mit landschaftlichen Seitenausblicken (in größter Anzahl durch

alle Schulen). - Eine Specialitat sind die Naturscenerien der Einsiedler-Historien: wilde,

phantastische Felseinöden (besonders charakteristisch eine Felslandschaft in der Legende

des heil. Bernhardin von Buonfigli, Gallerie von Perugia).

Der Vortrag kam weiter darauf, der hohen Bedeutung zu gedenken, welche

Leonardo da Vinci in seinem Lehrbuche: i-Libro dell" arte di pittura- der Landschaft

und den malerischen Bedingungen ihrer richtigen Behandlung beilegt; er unterscheidet

sich auch hierin auf's Schärfste von Michelangelo, für welchen der künstlerische Vollwerth

 in den Figuren erschöpft war, und der die Ablenkung des Auges von denselben

in reich belebte landschaftliche Hintergründe durchaus nicht billigen mochte.

Zuletzt schloss der Vortrag mit einem allgemeinen Ausblicke in die Hochrenaissance.

 Diese erst wurde der landschaftlichen Composition in vollem Maße mächtig

und wusste sie in großer Linienführung einheitlich aufzubauen - während die Frührenaissance

 zunächst bei den Einzelnformen des Naturbildes mit liebevollem Blicke verweilte,

 und dasselbe mehr zu detailliren als im großen Sinne zusammenzufassen

verstand.

Literatur - Bericht.

Geschichte der technischen Künste. im Vereine mit Albert Ilg, Fr. Lipprnann,

 Ferd. Luthmer, Arthur Pabst, Herm. Rollet, Georg Stockbauer

herausgegeben von Bruno Bucher. Zweiter Band, Berlin und Stuttgart,

 W. Spemann, 1886. gr. 8". 425 S.

Die Vollendung des zweiten Bandes der Geschichte der technischen Künste war

hinausgeschoben worden, weil die Mitarbeiter, durch äußere Umstände verhindert. dem

Herausgeber fast die ganze Arbeit nberließen. Der erste Theil dieses Bandes, die graphischen

 Knnste umfassend, sowie die Ausführung der zweiten Hälfte der Geschichte

der Goldschmiedekunst, deren Darstellung Albert llg begonnen hat, fielen Bucher allein

zu. [m Interesse der schnelleren Vollendung des Werkes ist es zwar zu beklagen, dass

Bruno Bucher die Mitarbeiterschaft der hervorragenden Fachmänner, die er um sich

versammelt, verschiedener Zufälligkeiten wegen entbehren musste, im Interesse der ainheitlichen

 Gestaltung des Werkes aber ist dies eher ein Vortheil zu nennen. Da Bucher

schon die meisten und wichtigsten Capitel des ersten Bandes und nun den zweiten beinahe

 vollständig gearbeitet hat, gewinnt das Werk an Geschlossenheit, und jene Nachtheile,

 die sich bei den jetzt zu sehr beliebten Geschichten in Einzelndarstellungen regel-
            
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