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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 4)

verdanken wir auch die Kenntniß des Namens des Verfertigers unseres

Kästchens, der seine Marke P. DENIZOT auf die dem Auge entzogene

Bodenwand des Kastens eingebrannt hatte. Unsere Kunde vnn diesem

Meister beschränkt sich allerdings nur auf einige archivalische Notizen,

die Champeaux zusammengestellt hat. Nach den Meisterlisten ist Pierre

Denizot bereits am I. August 174.0 Meister geworden. Damals mag er

wohl nicht anders als in der Art der Meissoniefschen Vorlagen gearbeitet

haben; unser Kästchen zeigt dagegen, wie wir sahen, einen sehr veränderten

 Styl, was sich immerhin durch eine längere Lebensdauer des

Mannes erklären lässt. Paul Mantz bringt hiefür ein lehrreiches Beispiel

in seinem Aufsatze über die Möbel des 18. Jahrhunderts (Revue des arts

decoratifs, lV., 358). Paul Garnier, der 1742 in den Listen der Meister

erscheint, arbeitet nachweislich noch 1773, und in der That trugen alle

von ihm bekannten Werke den ausgeprägten Styl Louis XVI. zur Schau.

Erst in der jüngsten Zeit stieß man bei Gelegenheit der vente Beurnonville

 auf einen von Garnier signirten Schreibtisch, der völlig im Styl

Pompadour gehalten war. Eine ähnliche Stylwandlung mag auch Denizot

durchgemacht haben. So sehen wir Delafosse in seinen Vorlagen-Stichen

dem schwankenden Geschmacke der Uebergangszeit Rechnung tragen,

indem er neben einem canape dans le goüt antique nicht verabsäumt,

dem Kunsttischler auch das Muster eines canape dans le goüt pictoresque

vor Augen zu führen. Denizotis Marke wurde nach Champeaux bisher

nur noch auf zwei Stücken gefunden. Das eine, das sich in der von Mr.

Jones dem Kensington Museum legirten Collection befindet, beschreibt

Champeaux fblgendermaßen: Une petite commode a deux tiroirs et a

pieds eleves, receuverte d'une marqueterie en losange et orneeaux

angles de guirlandes en cuivre cisele. Eine gewisse Aehnlichheit mit

unserem Kästchen springt in die Augen: die Guirlanden an den Kanten

und die Verzierung in Marqueterie, deren (namentlich bei Riesener beliebte)

 Rautenmusterung übrigens auf noch vorgeschrittenere Zeit hinweist.

 Das zweite Stück, von dem Champeaux Kunde hat, wäre ein auf

der vente Hamilton erschienener Secretär, worüber leider keine Beschreibung

 vorliegt. Diese zwei Notizen lassen sich aber noch in anderer

Weise verwerthen. Wenn man sich erinnert, dass die seit längerer Zeit

in englischem Privatbesitze befindlichen französischen Möbel aus dem

18. Jahrhundert fast ausschließlich in Folge der Versteigerung des Amenblements

 der königlichen Schlösser in den Revolutionsjahren außer

Landes gekommen sind, liegt die Annahme nahe, dass auch jene zwei erwähnten

 Stücke einst Bestandtheile des königlichen Mobiliars gewesen

seien, somit Pierre Denizot zu den vom königlichen Hofe beschäftigten

Ebenisten gehört haben mlisse.

(Schluss folgt.)
            
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